Klein, aber knuffig

Uwe Schimunek
DAS THÜRINGEN-PROJEKT
Eine Liebesnovelle
fhl Verlag, Leipzig, 2010, Taschenbuch, 110 Seiten, ISBN 978 3 942025 22 5

VORBEMERKUNG
Der fhl Verlag, Leipzig, war mir bislang völlig unbekannt. Uwe Schimunek auch, dachte ich. Bis ich vorhin das Titelbild des Buches aus dem Netz holte und über ein Bild des Autors stolperte.

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Ich kenne Uwe nicht wirklich, aber wir sind uns inzwischen auf einigen Cons über den Weg gelaufen, er immer ohne Namensschild, und mir war immer der nicht ganz alltägliche Bartschnitt und das höchst sympathische Grinsen aufgefallen und in Erinnerung geblieben. Das also ist Uwe Schimunek. Gut. Merken, Haitel.

WORUM GEHT ES?
Eine Liebesnovelle, wie auf dem Umschlag zu lesen ist. Der Background der Story ist fantastisch. Rein rechnerisch – es ist eine hilfreiche Angabe im Text zu finden – spielt die Story im 25. Jahrhundert. In Thüringen. Das, was wir als Industriegesellschaft(en) kennen, ist längst zusammengebrochen. Papier ist wertvolles Gut, Haupttransportmittel sind Velotris (namentlich unschwer als dreirädrige Fahrradnachfahren auszumachen). Friedrich, ganz vergeistigter und auf seine Studien konzentrierter Student, schüchtern und scheu, kommt mit Johanna zusammen, die lange auf so eine Gelegenheit wartete. Da muss Friedrich Erfurt zu Studienzwecken verlassen, und der intrigante Freund Thoralf versucht, sicher Johanna zu bemächtigen. – Als Handlung in der Handlung entwickelt sich die Liebesgeschichte, um die sich Friedrichs Forschungen drehen.

WIE IST DER STIL?
Leicht, lieblich, einer solchen Liebesnovelle mehr als angemessen, gleichzeitig klar, eindeutig, ohne auch nur an einer Stelle unangemessen hart zu wirken, insgesamt schwungvoll, beschwingt, fast fröhlich, selbst an den Stellen, wo es Johanna an den Freiheitskragen zu gehen drohte.

WAS GEFIEL NICHT?
Das Stück ist insgesamt zu kurz, dachte ich. Aber vielleicht wäre es als Roman dann nicht mehr so gut gewesen. Also: Nichts gefiel nicht.

WAS GEFIEL?
Das ganze Buch. Ausnahmslos. Das war ein geschmeidiges, schönes Lesevergnügen, es mundete wie ein frisch mit dick Butter beschmiertes Scheibchen Brot.
Das Ende war wirklich das Sahnehäubchen oben drauf – obwohl Sahnehäubchen ja meist zuerst kommen. An einer Stelle dachte ich, ob das, was dann später als Auflösung kam, der Fall sein könnte, aber nur ganz kurz, nicht ganz ernsthaft, einfach so eine Möglichkeit, die ich dann nicht weiter in Erwägung zog. Dass es dann doch genau das war, was ich überlegt hatte, verdoppelte das Vergnügen nur. Das Ende war und ist auf jeden Fall überraschend, völlig unverhofft – trotz des Gedankens zuvor. Toll!

EIN PAAR ZITATE GEFÄLLIG?
Das wäre schwierig, denn die Novelle wirkt in ihrer Gesamtheit.

ZU EMPFEHLEN?
Unbedingt.

NOCH WAS?
Ich war gewarnt worden, dass die Einstufung dieses Werkes als SF schwierig fallen könnte. Im Grunde ist die Liebesnovelle zwar die vordergründige Handlung; das, was in Erinnerung bleibt und was die Gedanken nach Vollendung der Lektüre vielleicht auch noch beschäftigt, ist aber ein wirklicher SF-Plot: Thüringen in einem gesellschaftlichen und geografischen Umfeld, wie es ausgefallener nicht sein könnte, die industrielle Entwicklung ist gescheitert, aber die Zivilisation als solche ist nicht verloren, Thüringen hält die Fahnen der Zivilisation, der Menschlichkeit, der Tapferkeit und der Kultur hoch wie nie zuvor, und – durch das Ende wird genau diese Einschätzung noch gesteigert.
Ich stufe dieses Buch durchaus als SF ein.