Das Schweigen im Walde

Ich mag bei meinen Gängen mit Kim, der Hündin, Steigungen nicht. Die ständigen Raufs und Runters in dieser Gegend sind einer der Gründe dafür, warum ich Bayern nicht mehr mag. Nicht insgesamt – aber diese Gegend hier auf jeden Fall. Oberbayern, das Oberland, das Murnauer Moos. Es gibt Gegenden, wo man Flachlandgänge machen kann – das Moos selbst, an der Loisach entlang, an manchen größeren Bächen und Flüsschen. Aber die Möglichkeiten sind insgesamt eher eingeschränkt.

Heute gönnte ich mir absichtlich eine Berg-und-Tal-Tour. Bad Kohlgrub als Ortschaft selbst ist schon sehr hügelig, zieht sich vom Tal des Lindenbachs (auch Lindach genannt) bis Sonnen und Kraggenau am Hörnle hinauf. Und zu Bad Kohlgrub gehören jede Menge Weiler, Dörflein, manchmal nur einzeln stehende Höfe in der Umgebung.
Und hier waren wir heute:

Irgendwo in einer Seitenstraße Bad Kohlgrubs (in der Nähe der Lamplstraße) stellte ich das Auto ab. Wir gingen über Wäldle Richtung Rantscher Weiher und Waldschlucht. In der Waldschlucht gibt es ein Café, das im Winter freilich geschlossen ist – oder für immer? Das konnte ich an den überklebten Hinweisschildern nicht erkennen.
Der recht matschige Weg ging an weitläufigen Wiesen mit Blick auf den Weiher vorbei in den Wald. An der Kreuzung der Wanderwege 4 – den wir entlang kamen –, 21 A und 22 mussten wir uns entscheiden. Der Weg 22 hätte uns eine Weile Richtung Schöffau geführt und dann die Möglichkeit zur Rückkehr nach Bad Kohlgrub geboten (Weg 21); der Weg 21 A geht auf direktem Wege Richtung Schöffau.
Trotz einer direkt vor uns liegenden, nicht unerheblichen Steigung entschied ich, dem Weg 4 nach Sprittelsberg zu folgen. Da wollte ich schon immer hin :)
Sprittelsberg ist, wie Grub, Windegg, Steigrain, Vorder- und Hinterkehr, Wäldle – und wie diese Örtchen in der Umgebung von Bad Kohlgrub alle heißen –, nur eine Ansammlung von Höfen, manchmal einzelnen reinen Wohnhäusern, winzige Ansammlungen menschlicher Unterkünfte mitten in einer – leider vermeintlichen – Wildnis.

Trotz des beständigen Auf und Ab war der Gang mit dem Hund schön. Sehr schön. Ein bisschen anstrengend, sehr anregend – ich hätte mir das gestrige Wetter und die große Kamera gewünscht – und sehr still. Totenstill. Im Winter sind die Geräusche der Natur sehr leise, wenn überhaupt vorhanden. Und abgesehen von einem Fußgängerpärchen und zwei Autos gen Sprittelsberg begegneten wir außerhalb von Bad Kohlgrub niemandem. Und wie so oft war unser Timing perfekt – als wir daheim vor dem Haus ausstiegen, fielen die ersten Regentropfen.

  • P.S.: Die gelben Schilder auf dem Foto täuschen. Grub und Sprittelsberg, wie auch die anderen hier genannten Ortsteile von Bad Kohlgrub, sind keine geschlossenen Ortschaften. Sie sind nicht einmal die Weiler, die in Deutschland durch grüne Schilder mit gelber Schrift angekündigt werden. Die meisten Hinweisschilder auf diese »Ortsteilchen« bestehen auch aus weißen Schildern mit schwarzer Schrift und ggf. einem roten Viereck mit der Nummer des Wanderwegs. Solche gelben Schilder tauchen in der Regel nur an Fahrwegen auf, gleich, ob asphaltiert oder nicht, und auch an solchen Fahrwegen, deren Nutzung durch Normalsterbliche – sprich: Nichtanlieger – eh untersagt ist.
  • P.P.S.: Manche von diesen Orten sind sogar heute noch nur über Schotterstraßen erreichbar. Sprittelsberg z. B. erreicht man von Bad Kohlgrub aus über eine asphaltierte Straße, breit genug für zwei rücksichtsvolle Autofahrer, die einander begegnen. Aus Richtung Murnau-Westried, wo ich wohne, gibt es einen Schotterweg – genau so breit wie die Asphaltstraße von Bad Kohlgrub aus, aber eben nur ein Schotterweg. – Und auch die Strecke gen Schöffau …