Dialoglast

Mike Resnick
MALLORY UND DER TASCHENDRACHE
(Stalking the Dragon, 2009)
Übersetzung a. d. Amerikanischen: Thomas Schichtel, Bastei Lübbe, Köln, 2012, Taschenbuch, 381 Seiten, ISBN 978 3 404 20675 9

VORBEMERKUNG
Von Mike Resnick hatte ich noch nichts gelesen, aber irgendwo klingelte es bei diesem Namen. Diese Tatsache und die, dass der Text auf der Buchrückseite ansprechend klang, veranlasste mich, das Buch aus dem Magira-Rezensionsexemplarestapel für mich zu reservieren. Und zu lesen.

WORUM GEHT ES?
John Justin Mallory ist Privatdetektiv. Eigentlich wollte er mit seiner Holden zur Feier des Valentinstages essen gehen, aber ein Kunde droht mit Auftrag: Bill Brodys Taschendrache ist verschwunden, und das einen Tag vor einer wichtigen Tier-Show, bei der der Taschendrache Favorit auf den Siegertitel ist. Mallory hat nur einen Tag, das gute Stück ausfindig zu machen.

WIE IST DER STIL?
Schwer zu beschreiben. Der Text steckt voller Anspielungen, Wortwitzen und knalligen Dialogen. Die Handlung, so sie nicht durch Dialoge beherrscht wird, ist schnell und beinahe hektisch. Man könnte die Wirkung des Buches auf den Leser am ehesten mit den beiden »Crank«-Filmen mit Jason Statham vergleichen – nicht ganz so krank, ganz sicher auch nicht so gewalttätig, aber mindestens so durchgeknallt.
Gut 380 Seiten mit einem ganz simplen Fall zu füllen, ist natürlich nicht möglich, es sei denn, man möchte beim Leser Spinnweben unter den Achselhöhlen züchten. Den Versuch hat Resnick aber nicht unternommen – ganz im Gegenteil. Die Geschichte ist von Anfang bis Ende rasant, abwechslungsreich – vor allem, was die Frage angeht, wer jetzt mit wem gegen wen und warum und vielleicht dann doch nicht – und nur vermeintlich vorhersehbar, sieht man davon ab, dass es natürlich ein Happy End gibt.

WAS GEFIEL NICHT?
Die Erkenntnis, dass die Fähigkeit eines Lesers, mit solcher Rasanz und gleichzeitig bis zur Schädeldecke gestapelten Humorattacken umzugehen, ihre Grenzen hat. Im Großen und Ganzen liest sich das Buch toll, aber es ist anstrengend. Will man wirklich nichts verpassen, dann muss man zwangsläufig Pausen einlegen, um sich bei etwas Langweiligem wie einem Pilcher-Film oder einer abendlichen Brotzeit mit der Holden zu erholen.

WAS GEFIEL?
Eigentlich alles, vor allem aber auch die noch nicht erwähnte glasklare Zeichnung der einzelnen Figuren. Manch einer mag sie aufgrund dieser Klarheit der Charakterisierung vielleicht langweilig und zweidimensional finden, aber in diesem schnell geschriebenen Chaos ist es höchst angenehm, dass eine Zicke nur eine Zicke nur eine Zicke ist. Es vereinfacht den Lesegenuss und lässt ihn von psychologischen Auswüchsen, die letztlich nichts zur Handlung beitragen, ungetrübt.

EIN PAAR ZITATE GEFÄLLIG?
Wie immer: gerne.

»›Das ist genau, worauf ich hinauswollte‹, sagte Mallory. ›In welchem Hotel wohnen Sie?‹
›Dem Plantagenet Arms‹, antwortete Brody. ›Blöder Name für ein Hotel. Wie nennen sie wohl das nächste, Tudor Legs?‹« (S. 17)
Ich habe eine halbe Stunde gegoogelt, bis ich den Witz verstanden habe. (Und ich verrate ihn nicht; googelt doch selber.)

»Mallory steckte das Telefon in die Tasche zurück und betrat einen nahen Drugstore.
›Haben Sie ein Telefon?‹, fragte er den Goblin hinterm Ladentisch.
›He!‹, meldete sich das Handy zu Wort. ›Ich bin ein Telefon!‹
›Ich möchte eines, das mir keine Widerworte gibt‹, sagte Mallory.
›Hätten Sie nicht lieber ein Kondom?‹, fragte der Goblin und starrte Mallorys Hose an.
›Nein‹, entgegnete Mallory.
›Sind Sie sicher?‹, hakte der Goblin nach. ›Ich habe noch nie eines reden gehört. Wenn Sie ein ausreichend freundschaftliches Verhältnis mit dem Ding haben, um sich mit ihm zu unterhalten, ist Mindeste, was Sie tun können, es zu schützen.‹« (S. 78)

Die wechselseitigen Nachfragen zwischen Mallory und dem Goblin, ob der andere jeweils sicher ist, gehen noch ein Weilchen weiter, nebenbei bemerkt.

»Doch noch bevor er die Bürotür abschließen kann, bekommt er Besuch von dem panischen Bill Brody. Am nächsten Tag findet dessen Eastminster-Tier-Show statt, und die Hauptattraktion der Show wurde gekidnappt: der winzige Drache Fifi.« (Buchrückseite)

Das ist peinlich. Sehr peinlich. Denn der Drache heißt Flauschie.

ZU EMPFEHLEN?
Ja, sehr. Nicht nur, aber vor allem auch für Leute, die sonst wenig zu lachen haben. Nur wer diesen Roman nicht amüsant und an zahlreichen Stellen zum Lachen animierend findet, sollte sich Gedanken machen. Obwohl: da ist dann vermutlich eh nicht mehr zu helfen.

NOCH WAS?
Nach der eigentlichen Geschichte gibt es dann noch mehrere leidlich lustige Anhänge, die man sich vielleicht hätte sparen können. Es mag allerdings sein, dass diese ein Markenzeichen der Mallory-Romane sind, insofern …