Das harte Leben eines Buchmachers

Ich bezeichne mich als Verleger, weil »Buchmacher« immer falsch verstanden wird. Aber eigentlich bin ich ein Buchmacher. Ich mache Bücher. Weil mir das Machen von Büchern Spaß macht. Korrigieren, lektorieren, vor allem aber die Druckvorlagen machen, das Layout entwickeln, Seiten- und Zeilenumbrüche, lauter solche Sachen. Aber als Buchmacher hat man es nicht einfach.

Meine ersten Bücher machte ich mit Einzel-ISBN. Das sind die nach dem Muster 978-3-00-xxxxxx-x. Sie sind mit gut 70 Euro recht teuer und müssen alle einzeln beantragt werden. Man bekommt keinen Zugriff aufs VLB, und so weiter.
Als es dann absehbar war, dass ich mehr Bücher machen würde, fand ich Books on Demand (BoD) in Norderstedt als geeignet erscheinenden Partner. Ich nutzte deren ISBN – und hatte das erste Problem, denn meine Bücher, bei denen ich Wert auf Fehlerfreiheit, einen ordentlichen und gut lesbaren Text und vor allem ein ansehnliches Layout lege, waren in dem zwangsläufigen Sumpf von schludrigen und lieblosen Produktionen aus dem gleichen Hause nicht wirklich identifizierbar.
Also schaffte ich eigene ISBN an: 978-3-942533-xx-x sind die ersten hundert (und es ist absehbar, dass ich beim nächsten Mal eine 1000er-Serie nehmen werde). Und prompt hatte ich wieder ein Problem.

KNV ist einer der Buchgroßhändler in Deutschland, die Koch, Neff & Volckmar GmbH mit Sitz in Stuttgart. BoD bietet mir schöne Möglichkeiten, meine Bücher nicht nur zu machen, sondern auch zu vermarkten. Man bekommt sie im normalen und im Internetbuchhandel, man muss sie nicht auf Halde produzieren, nicht vorfinanzieren, man muss nicht einmal für den Versand und die Rechnungsstellung sorgen. Das übernimmt alles BoD (oder ein anderer Buchhändler).
Nur setzt die Firmenpolitik eines Großhändlers wie KNV diesem schönen Konzept eine Grenze, denn wenn man versucht, meine Bücher bei einem Buchhändler zu kaufen, der über KNV arbeitet, scheitert man. KNV ignoriert Bücher, die bei BoD produziert werden, aber keine (!) BoD-ISBN tragen. »Solche Bücher haben wir nicht im Programm«, hieß es mir gegenüber in einem länger zurückliegenden Telefonat. Unglücklicherweise ist KNV der größte Buchgroßhändler in Deutschland.
Bei Libri hat man das Problem natürlich nicht; BoD ist hier im gleichen Firmenverbund. Aber auch Umbreit und Könemann haben das Problem, das KNV zu haben scheint, offensichtlich nicht.

Zum Glück gibt es ja das Internet. Denn auch im Buchhandel gibt es Probleme, mit denen man sich als Buchmacher indirekt herumzuschlagen hat: Neben dem kleinen Buchhändler um die Ecke gibt es genügend Orte, an denen man nur noch auf große Ketten stößt. Hugendubel zum Beispiel. Oder Thalia.
Insbesondere von Thalia – über die Klaus N. Frick in seinem Blog letztens schrieb: »Es ist unter Menschen mit Kulturbewusstsein ja ein wenig verpönt, die »Thalia«-Buchhandlungen anzusteuern: zu groß, zu viel Krimskrams, zu viel Marktorientierung und so weiter – alles in allem eben der böse Kapitalismus, der die kleinen Läden verdrängt.« (Quelle) – hört man ärgerliche Dinge. In einem Laden der Kette irgendwo in Norddeutschland wurden Kunden mit der Behauptung konfrontiert, dass die Bücher eine Lieferzeit von fünf bis sechs Wochen hätten. In einem anderen Thalia im Süden Deutschlands wurde sogar behauptet, die Bücher, die bei Books on Demand in Norderstedt produziert (! – nicht verlegt, nur produziert!) werden, seien gar keine richtigen Bücher und im Buchhandel gar nicht zu bekommen.
Von Ketten wie Hugendubel hört man solche Geschichten nicht. Und von anderen Läden der Thalia-Kette hört man auch andere Geschichten, so z. B. von denen, die weiland zur Gondrom-Kette gehörten, die von Thalia 2006 übernommen wurde.

So bleibt neben dem reinen und großen Vergnügen des Buchmachers, Bücher zu machen, auch genug Ärgerliches übrig, das zuverlässig dafür sorgt, dass man den Boden unter den Füßen nicht verliert, während man über seine nächsten tollen Projekte nachdenkt.