Wenn nicht alles nötig ist

Willkommen im Süden
(Benvenuti al Sud, Luca Miniero, DE/IT, 2010)
www.imdb.com/title/tt1529235

In Frankreich leben die Ostfriesen – wie in Deutschland – im Nordon: die Sch’tis. In Italien leben sie im Süden. Ich erkenne den Sinn nicht ganz, warum rund zwei Jahre nach dem französischen Original »Willkommen bei den Sch’tis« die italienische Variante gemacht wurde, die praktisch die gleiche Handlung, die gleichen Gags und das gleiche Ergebnis vorlegt, das Ganze aber nur hölzerner, weniger amüsant und letztlich uninteressanter.
Ein wirklich uninteressanter Film – den ich persönlich noch dadurch belastet finde, dass es in Italien ja die Lega Nord gibt, die den wohlhabenderen Norden gerne vom ärmeren Süden abtrennen möchte. Die Situation in Frankreich und Italien ist ungleich anders; der französische Plot kann in einer 1:1-Übernahme in Italien schlicht nicht funktionieren.

Dylan Dog – Dead of Night
(Kevin Munroe, USA, 2011)
www.imdb.com/title/tt1013860

Übersinnlich begabter Ermittler jagt Monster, Untote, Zombies. Eine Comicverfilmung.
Comicverfilmungen gehen mir inzwischen ein klein wenig auf die Nerven, weil sich in mir der Eindruck festzusetzen beginnt, dass Schreiber echter Drehbücher – ohne Bilder – auszusterben scheinen. Oder schon ausgestorben sind.
»Dylan Dog« immerhin ist positiv bei mir angekommen, weil der Film die auch schon nicht mehr ganz fangfrischen Feindfiguren und ihren Gegenspieler durchaus amüsant, vor allem aber spannend zu präsentieren weiß.

Captain America – The First Avenger
(Joe Johnston, USA, 2011)
www.imdb.com/title/tt0458339

Das kann man von dieser Comicverfilmung nämlich nicht mehr behaupten. Weltkriegsplots sind schön und gut, aber nachdem noch »Inglorious Bastards« in der Erinnerung herumspukt, würde ich mir überlegen, ob ich mich in einen solchen Zug setzen möchte. Und es sind ja nicht nur die »Bastards«, die ja eher an der Realität angelegt sein wollten und sollten (und wohl auch waren). Schon Indiana Jones hat die Epoche mit seinen Abenteuern belegt und repräsentiert, und selbst der in die Jahre gekommene Harrison Ford lässt seinen Helden sein Schicksal ansprechender und beeindruckender erleben, als Chris Evans seinen Captain America geben darf.
Ich kann die Qualität der filmischen Umsetzung des Comics nicht beurteilen, weil ich die Comics nicht kenne. Der Film immerhin hat mich eher gelangweilt. Ein vorhersehbarer Plot mit eher hausbackenen Tricks.
Angeblich soll in Sachen »Avengers« ja noch was nachkommen – ich habe das bislang nur nebenbei mitbekommen –, und so hoffe ich, dass das ein wenig besser gelingen wird.

Psalm 21
(Fredrik Hiller, S, 2009)
www.imdb.com/title/tt1322355

Seitdem Mankells »Wallander« auf immer wiederkehrend verfälschte und unschöne Weise verfilmt wurde, mag ich schwedische Film nicht mehr. Naja, nicht alle: »Kopps« (www.imdb.com/title/tt0339230) gehört nicht dazu. Aber die Wallander-Krimis »nach Henning Mankell« schaue ich mir nicht an, und auch andere schwedische Krimis sind mir … ich weiß nicht, ich denke, sie sind mir zu unfroh. Nicht, dass ich bei einem Krimi Happy Ends erwarten würde, aber ein winziger Hoffnungsschimmer erbaut natürlich auch mich.
»Psalm 21« ist kein Krimi, tendiert aber von der Stimmung her in die schwedische Richtung. Es geht um einen Priester, von seiner Gemeinde geliebt, der in seinen Heimatort zurückkehrt, weil seines Vaters Leiche ertrunken in einem See gefunden wurde. Die Geschichte zwischen diesem Priester und seinem Vater ist – war – belastet. Und nicht nur diese –
Die Story, in der es letztlich um Vertrauen und Glauben geht, wirkt verquast religiös, die Chronologie wirkt wenig motiviert durchbrochen und irgendwie ungelenk zusammengesetzt, die immer wieder eingestreuten Schockeffekte – vor allem das Morphing von Gesichtern zu Totenfratzen – wirken überflüssig und störend, vor allem, weil sie immer dann kommen, wenn man denkt, man hätte sich gerade ein wenig in die Handlung eingefunden.
Dass der Priester am Ende seinen Glauben – an Gott auf jeden Fall, vermutlich auch an die Welt – verloren hat, wirkt zunächst überraschend, weil der Film so gar nicht auf genau dieses Ende hingearbeitet zu haben schien. Andererseits ist es schlüssig: Wer so einen Scheiß wie in diesem Film erleben muss, kann nur den Glauben – an alles – verlieren.