Genuine dämglisch

Auch das noch aus dem VDS-Infobrief vom 07.03.2021:

Click & Meet

Die Läden sind geschlossen, verkauft werden soll trotzdem. Damit auch in Zeiten der Pandemie eingekauft werden kann, hat man sich neue Konzepte überlegt – natürlich mit englischem Titel. Es begann mit Click & Collect, was offenbar nur unter Mühen mit „Klicken & Abholen“ übersetzbar ist. Der Kunde verpflichtet sich mit seiner Bestellung zum Kauf und holt den Artikel dann beim Laden ab. Nachdem nun die ersten Lockerungen angekündigt wurden, folgt Click & Meet, welches mit etwas Übung in „Klicken & Treffen“ übersetzbar ist – im Grunde nichts weiter als eine Weiterentwicklung des Click & Collect-Prinzips: Der Kunde vereinbart einen Termin mit dem Geschäft und kann zur vereinbarten Zeit zum Einkaufen vorbeikommen. Während das Konzept Click & Collect noch einen Zusammenhang zur Wortbedeutung aufweist, klingt Click & Meet eher nach Partnerbörse als nach Einkaufen. Absicht? (noz.de, rnd.de)

Bemerkenswert dabei ist auch das: Das sowieso schwer anglizismusverseuchte Internetkaufhaus »Seats & Sofas« hat immer damit geworben, dass man »heute bestellen, abends sitzen« kann – was man als Versprechen einer schnellen Lieferung interpretieren darf. Nun beteiligt man sich – immer noch mit dem gleichen Werbespruch und natürlich auf Dämglisch – am Klicken-&-Aufsammeln-Verfahren und verschiebt damit schlicht die Erfüllung des Lieferzeitversprechens in den Verantwortungsbereich des Kunden – von der Notwendigkeit der Beschaffung einer Transportmöglichkeit für eine zwölfsitzige Sofagarnitur ganz zu schweigen.

P.S.: Im Internet präsentiert sich »Seats & Sofas« mit dem Partnerbörsekonzept.

2 Replies to “Genuine dämglisch”

  1. Es geht ja auch nicht ums Prinzip, sondern ums Denglisch. »Click & Collect« und erst recht »Click & Meet« muss man erklären; nicht alle Deutschen sind so hip (sic!), das auf Anhieb zu verstehen (und »Click & Meet« ist wirklich blödsinnig; ich klicke ja nicht, um jemanden zu treffen). Das Prinzip indes hilft ganz unabhängig von seinem Namen – und wenn man es »Klaus & Bärbel« nennt, müsste man es auch erklären.

  2. Denglisch hin oder her, dieses Prinzip rettet einigen kleinen Läden den Arsch. Für uns als Verleger funktioniert es ja nicht so richtig.

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