Warum man im Kino leben muss

Mittagszeit, Gassizeit. Parallel zur St2062 zwischen Bad Kohlgrub und Murnau verläuft ein kombinierter Rad- und Fußgängerweg. Er ist gute zwei, zweieinhalb Meter breit. Die Hunde gehen meist direkt am Rand, weil da Gras ist, weil es was zu schnüffeln gibt. Wir brauchen nicht mehr als die Hälfte des Weges und freuen uns über jeden Radler, der sich von hinten nähert und sich bemerkbar macht. Das hilft, Herzinfarkte zu vermeiden.
Und dann ist da dieses Radlerduo. Mountainbike, verkehrsuntauglich (keine Klingel, kein Licht). Zwei Typen, trotz Vermummungsverbot völlig unkenntlich maskiert. Sie müssen unbedingt nebeneinander fahren. Sie machen sich nicht bemerkbar und fahren auch nicht hintereinander. Der Linke rempelt mich an, sodass ich stürze. Uninteressant – die Radler halten nicht einmal an.
Wirklich verletzt habe ich mich nicht, sieht man von einem oder zwei blauen Flecken ab. Wenn man in diesem Land über eine Kennzeichnungspflicht für Radfahrer diskutieren möchte, bekommt man vor allem Unsinn zu hören. Von »schwachen« Verkehrsteilnehmern, davon, dass man auch Fußgänger, Hunde, Katzen kennzeichnen müsste … Am Ende geschehen Tag für Tag strafwürdige Körperverletzungen durch Radfahrer, die unter keinem denkbaren Umstand überhaupt am Straßenverkehr teilnehmen sollten. Und die man nicht verfolgen kann, weil die Täter einfach verschwinden und eine Anzeige »gegen Unbekannt« praktisch keine Aussicht auf Erfolg hat.
(Oder hast du eine bessere Idee, Torsten D.?)

Mittagszeit, Gassizeit. Parallel zur St2062 …
An Sonntagen herrscht in beiden Richtungen der St2062 Kolonnenverkehr. Mitunter steht man fünf, sechs, acht Minuten, bis man die Straße überqueren kann, um auf den Rad- und Fußweg zu gelangen. Niemand hält an, niemand lässt eine Lücke. Der Bürgermeister und der Landrat wissen, dass aufgrund des geringen Verkehrsaufkommens eine Ampelanlage nicht notwendig ist. Es ist schön, wenn man erleben darf, dass die gewählten Bürgervertreter sogar zu faul sind, ihren Arsch vor Ort zu begeben, um sich von der Sachlage zu überzeugen.
Und dann ist da dieser Motorradfahrer. Rennmaschine, nervig laut, stinkend (natürlich – ich weiß nicht, was die für Scheiße tanken; Gülle kann es nicht sein, die stinkt nicht so). Und als ihm die Kolonne hinter einem sonntäglichen Traktor – ja, Trekkerfahrer dürfen das! – zu langsam fährt, schert er aus, um zu überholen.
Aber nicht nach links, über die Gegenfahrbahn. Nein, er schert über den Grasstreifen zwischen Fahrbahn und Rad- und Fußweg und hämmert mit irrsinniger Geschwindigkeit über diesen Weg an der Kolonne vorbei.
Das Ganze geschah vor mir und meinen Hunden, von uns weg. Es waren auch keine Radfahrer unterwegs. Das, was da unterwegs war, verdiente offensichtlich auch die Bezeichnung Mensch nicht – geschweige denn, einen Führerschein.

Mittagszeit, Gassizeit …
Wir gehen mittags gerne an der St2062 lang und biegen dann rechts in den Wald ab. Da kann man eine hübsche kleine Runde drehen. 30, 40 Minuten, in denen der Verkehrslärm von der St2062 durch den Wald gedämmt wird, ohne freilich ganz zu verschwinden.
Auf dem Rückweg geht es wieder an der St2062 entlang – es geht halt nicht anders –, und da stehen dann mittendrin zwei Weibsbilder mit ihren Fahrrädern. Sie versperren den Weg auf voller Breite und keifen herum. Nicht, dass sie sich streiten würden, nein, diesen Eindruck machen sie nicht. Sie keifen einfach nur in einer Lautstärke, die nötig ist, den Verkehrslärm zu überwinden. Und versperren den Weg. Und gehen natürlich nicht zur Seite, um einem Fußgänger mit zwei Hunden wenigstens einen Spalt freizumachen und ihn nicht zu zwingen, mit den Hunden in den Straßenverkehr zu geraten.
Meinen Vermerk, ob sie keinen Mann hätten, den sie daheim ankeifen könnten, haben sie nicht gehört. Dafür waren sie zu laut.

Mittagszeit, Gassizeit …
Seit Monaten steht neben dem Rad- und Fußweg an der St2062 ein riesengroßer Stapel Holz. Baumstämme, dicke Äste, dünne Äste, ein Haufen Holzzeug, bei dem ich mich immer wieder frage, ob das unter feuerpolizeilichen Gesichtspunkten wirklich eine sinnvolle Lagerung ist – vom Ort der Lagerung ganz zu schweigen.
Letztens standen da zwei Radler. Diese Mountainbiker mit den sittsam bekannt verkehrsuntauglichen Drahteseln und der illegalen Vermummung. Die stehen da, einige Meter auseinander. Beide den Schwanz in der einen Hand, das Smartphone in der anderen. Der eine Radler hatte sich so nah am Weg postiert, dass man seinen Pimmel sehen konnte; ich überlegte, ob das unter Exhibitionismus fallen könnte.
Die standen da also, pissten den Holzstapel an und glotzten in ihr Smartphone. Toll, dachte ich. Exhibitionisten und Umweltschweine. Wobei mir die Bezeichnung »Schwein« nicht gefällt. Kein Schwein, gleich welcher Rasse, benimmt sich so.

Morgenstund, Gassirund’ …
Manchmal gehen ich auch die Morgenrunde mit den Hunden. Das passiert ziemlich genau um 7 Uhr. Da stehen dann einige Schulkinder an der Bushaltestelle gegenüber von dem Grundstück, auf dem ich wohne.
Wir gehen dann hinüber. Die Kinder kennen die Hunde schon. Kim, die eine Hündin, ist desinteressiert wie immer. Naomi, die andere, schnuppert, um festzustellen, ob da nicht doch ein Leckerli herausspringen könnte.
Die Bushaltestelle ist Teil des kombinierten Rad- und Fußwegs an der St2062. Da gibt es – außer für den Bus selbst – keine spezielle Bucht. Die Kinder stehen halt auf dem Weg, und wie Kinder so sind, bewegen sie sich. Von da nach dort, von links nach rechts.
Und dann kommt da dieser Radler. Nein, ich beschreibe die gegen diverse Vorschriften und Gesetze verstoßende Kreatur auf einem Drahtesel nicht. Es reicht, dass er sich der Kindergruppe – ich bin mit den Hunden noch ein paar Meter entfernt – mit hoher Geschwindigkeit nähert, nicht klingelt, kein Licht eingeschaltet hat (es ist immer noch nicht hell um 7 Uhr) und auch seine Geschwindigkeit nicht verringert, sondern ungebremst haarscharf an einem der Jungen vorbeibrettert.
Zur Kennzeichnung von Radfahrern, die ja niemand will, weil Radfahrer ja so schwache Verkehrsteilnehmer sind – das sind Motorradfahrer gegenüber 40-Tonnern übrigens auch, trotzdem müssen sie sich kennzeichnen lassen –, empfehle ich das Kennzeichen DRS: dumme Radlersau. Wer sich so ein Kennzeichen nicht unterjubeln lassen möchte, kann ja einen ordentlichen Führerschein machen und damit zeigen, dass er verstanden hat, was der § 1 der StVO sagt:

(1) Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht.
(2) Wer am Verkehr teilnimmt hat sich so zu verhalten, dass kein Anderer geschädigt, gefährdet oder mehr, als nach den Umständen unvermeidbar, behindert oder belästigt wird.

Wer das nicht versteht, ist eben eine DRS.

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