Flachfiktionen

NEUES AUS ANDERWELT 35
Ausgabe 2/2011, August 2011, Der Freundeskreis Anderwelt (c/o Ruth M. Fuchs, Ludwig-Ganghofer-Str. 15, 85757 Karlsfeld, www.anderweltler.de), 60 Seiten ca. DIN A4, ISSN 1868 9582

Wer mir das Heft zugeschickt hat, weiß ich nicht (mehr). Das Heft, das sich der Science Fiction und Fantastik widmen will, kommt mit einem kräftigen, vierfarbigen Umschlag daher, vorn drauf ein passendes Bild von Marcel Barthel.

Im Inneren findet sich eine Mischung aus Artikeln, Interviews, natürlich Rezensionen sowie Kurzgeschichten.
Den Artikeln zu Star Trek (»Star Trek – Alternativlos gibt’s nicht«), SF allgemein (»Science Fiction – mehr als [Weltraum]Schrott?«), Aliens (»Aliens – Fremde aus Anderen Welten«), Perry Rhodan (sic!), SF in Film und Fernsehen (»Zu den Sternen und noch weiter«), zur »FedCon 2011« ist gemein, dass sie oberflächlich sind, dem Kenner nichts Neues und dem potenziellen Einsteiger nichts Hilfreiches – außer dem Erkenntnismoment: »Ja, davon hab ich schon mal gehört …« – bieten und sich insofern nicht einmal als wirklicher Überblick eignen. – Das Gegenteil, weil jedenfalls für mich (als Nicht-Trekkie sowieso) viel zu speziell ist die Folge 35 der Serie »Bewohner der Anderwelt«, die sich mit der Figur Q auseinandersetzt (über die ich meine bessere Hälfte befragen musste, um überhaupt sicher zu sein, worum es in dem Artikel ging).
Die Rezensionen sind durchgängig kurz und letztlich wenig aussagekräftig, möchte man sich mit mehr als einem ausformulierten Fazit über das Objekt, von dem die Rede ist, informieren. Bei den Büchern kommen zudem eher Vampire, denn SF-typische Besonderheiten zum Tragen, aber wer heutzutage noch (beinharter) SF-Fan ist, der kennt das schon von den Regalen der Buchhandlungen.
Völlig unverständlich ist mir die (eine Seite lange) Sparte »Fänge im Internetz« mit der Abbildung und Kurzbeschreibung zweier Internetseiten, gefolgt von »Kunst in schwarz-weiß«, einer »Galerie« schwarz-weißer Grafiken in der Heftmitte, u. a. von Norbert Reichinger.
Die drei Interviews mit Kerstin Pflieger, Nina Horvath und Marcel Barthel (dem Titelbildkünstler) sind kurz und nur bei Marcel Barthel hat man den Eindruck, ein wenig Neues mit auf den Weg bekommen zu haben.

Die Storys sind in der Rubrik »Vermischtes« zusammengefasst – warum auch immer.
Friederike Steins »El Condor pasa« ist eine Pointengeschichte um das Ende eines besonderen Herrschers der Indios. Allenfalls passabel kommt sie ohne große Aufgeregtheiten daher.
»Nullzeit« von Bernhard Finger handelt – wie so viele Geschichten dieser Art zuvor – vom Scheitern einer möglicherweise für die Menschheit guten Erfindung an Angst und Dummheit eines Einzelnen. Die Idee ist okay, der Stil weniger.
Eine schöne Geschichte lieferte Olaf Lahayne mit »Das höchste Gebot« ab. Vom einzelnen Menschen bis zu ganzen Planeten – alles verschwindet. Im Logbuch eines havarierten Frachters findet sich die Lösung des Geheimnisses. Aus dem Stück hätte man auch mehr machen können.
Bettina Ickelsheimers »PGD-4038: Green Death« ist auch schon tausend Mal da gewesen. Zwar ordentlich geschrieben, erklärt sie am Ende zu viel in zu wenig Worten, so dass das eh schwer aufzubauende Flair bei einer zweiseitigen Geschichte gleich wieder flöten geht.
Bianca Mödersheims »Flucht von Halnem« sollte sicherlich »Flucht von Halnam« heißen, denn so heißt der Planet, auf dem Jarah Sorokin nach ihrem Absturz gerettet und in eine Silberäugige, quasi einen Cyborg, verwandelt wurde. Die Geschichte spielt trotz ihrer Kürze auf zwei Ebenen, und insgesamt gelingt es Bianca, eine gute Stimmung aufzubauen. Man kann die Geschichte als gelungen bezeichnen.
Die längste und abschließende Geschichte stammt von Nina Horvath und heißt »Welt der Insekten« und wurde schon einmal veröffentlicht (Rößler & Jänchen [Hrsg.], »Tabula rasa«, 2006). Die Story ist schwächer, als ich bei Nina erwartet hätte: Die Erde wurde von einer Insektenrasse heimgesucht, alles kämpft und stirbt oder überlebt unterirdisch. Die Protagonistin wird während eines Kampfes verletzt, gerettet und stellt fest, dass in den Kellergeschossen einer Universität ein Mittel gefunden wurde, den Insekten vorzugaukeln, die Menschen seien ihresgleichen. Es gibt jedoch Probleme – und die Protagonistin hat am Ende eines weniger. – Wie gesagt: in meinen Augen überraschend schwach. Vor allem das Ende ist unnötig und völlig sinnlos.

Abgesehen von den schon erwähnten Kritikpunkten bzgl. der Oberflächlichkeit der Artikel und Interviews sowie der Qualität der einzelnen Geschichten, zeichnet sich diese Ausgabe – eine andere kannte ich bislang nicht – vor allem durch das Fehlen jeglichen Layouts aus. Darüber hinaus hat es offensichtlich weder eine Korrekturlesung – noch überhaupt den Versuch, Fehler aller Art zu korrigieren – gegeben, noch ein Lektorat. Die Kommasetzung ist subhomöopathisch, stellenweise sind Sätze so unvollständig, dass sie sinnlos werden (u. a. z. B. in Nina Horvaths Geschichte gleich an zwei Stellen). Und selbst wenn man es beim Layout nicht übertreiben möchte, sollte man zumindest einige Dinge beachten, wie z. B. die Positionierung von Bildern und deren Verhältnis zum Text. Wer meint, er müsse dazu Layoutfachmann sein, der irrt. Man braucht sich nur eine x-beliebige Zeitschrift zu nehmen und sie durchzuschauen: »Stern«, »Spiegel«, »Focus« sind schon gut geeignete Ansatzpunkte. (Oder man sucht sich halt jemanden, der sich damit auskennt.)

Wie schon erwähnt: Das Heft eignet sich eigentlich zu nichts wirklich. Für Kenner bringt es nichts Neues. Für Einsteiger und Anfänger bringt es nichts Einführendes und schon gar nichts Weiterführendes. Die textliche und inhaltliche Qualität lässt gerade bei den sekundärliterarischen Beiträgen sehr zu wünschen übrig, und als Gesamtwerk bewegt sich NEUES AUS ANDERWELT 35 allenfalls auf dem Niveau von Fanzines vom Ende der 80er, Anfang der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts.