Unnötige SF, unamerikanisch

SLEEPDEALER
(Regie: Alex Rivera, USA/Mexico, 2008)

VORBEMERKUNG
Es wäre fein, wenn sich auf dieser Welt Menschen einmal ohne Streit einfach so einigen könnten. Zum Beispiel, wie dieser Film denn nun heißt: »Sleep Dealer« oder »Sleepdealer«. Normalerweise nehme ich die IMDb als der Weisheit Vertreter letzten Schlusses, aber in diesem Fall … Mir lag die BluRay vor (und später auch die DVD), und auf der stand eindeutig »Sleepdealer« – oder genauer »SLEEPDEALER« – vorne drauf, und so heißt dieser Film auch für mich.

WORUM GEHT ES?
Der Einfachheit halber bemühe ich den Klappentext (von mir überarbeitet): » Mexico City, die nahe Zukunft. Die Grenzen sind geschlossen, aber das Netzwerk ist offen. Die Wasserreserven werden von einer großen Firma kontrolliert, ihr Zugang ist militärisch geschützt. Der Hightechfreak Memo wird irrtümlich für einen Aquaterroristen gehalten, sein Haus und seine Familie werden von einer ferngelenkten Rakete ausgelöscht. Memo flieht. Er findet Arbeit als billiger Netzarbeiter, Schnittstellen werden in seinem Körper implantiert. Angeschlossen ans Netzwerk steuert er Arbeitsroboter auf einer amerikanischen Baustelle. Dann trifft er die Journalistin Luz, einen Sleepdealer, die ihre Träume und Gedanken über das Netzwerk an zahlungswillige Kunden verkauft. Aber wenn Träume wahr werden, kann die Realität zum Albtraum werden. Memo und Luz beschließen, das System zu überlisten und Rache zu nehmen.«
Aber so einfach ist das gar nicht, denn wie so oft sagt der Klappentext nicht die Wahrheit.
Memo ist kein Hightechfreak; er ist technikaffin, aber die Möglichkeiten in seinem Heimatort haben mit Hightech nichts zu tun. Seine Familie, die getötet wird, ist sein Vater – niemand sonst. Und Sleepdealer sind keine Menschen, sondern Fabriken, in denen mit Schnittstellen versehene Menschen Arbeiten an anderen Orten der Welt verrichten; Memo zum Beispiel auf einer Baustelle irgendwo in Kalifornien (während er in Tihuana sitzt). Und Luz ist keine Journalistin, sondern »Autorin«, die ihre Erlebnisse und Begegnungen mit anderen Menschen in Form von traumähnlichen Sequenzen aufzeichnet und zum Kauf anbietet. Und was am allerwenigsten stimmt: Memo und Luz wollen das System nicht überlisten und auch keine Rache.
Vielmehr findet sich am Ende der Pilot ein, der seinerzeit irrtümlich Memos Vater als Aquaterroristen liquidierte, und möchte sein verletztes Gewissen heilen, indem er etwas für Memo tut. Und ganz unpolitisch hat Memo eigentlich nichts anderes vor, als seinem Dorf Zugang zu den Wasserreserven zu verschaffen, die zuvor unter der strikten Kontrolle eines Konzerns standen.

WIE IST DER STIL?
Spanisch. Ich habe den Film drei Mal gesehen und eigentlich immer noch keinen wirklichen Zugang gefunden. Das liegt daran, dass ich die allerwenigsten spanischen Filme mag, was die ganze Machart angeht, die Dramaturgie, die Spannungskurve, die Figurenzeichnung, einfach alles. (Es gibt extrem wenige Ausnahmen, die mir nicht mal spontan einfallen …) Zwar stammt »Sleepdealer« aus Mexiko, aber alles an diesem Film ist spanisch, lateinamerikanisch, auf eine Weise, die sich so extrem von den US-amerikanisch geprägten deutschen Sehweisen unterscheidet, dass es auffällt.
Der Film selbst ist sehr ruhig, fast ein Zwei- oder Drei-Personen-Stück. Es gibt eine relevante Actionszene, die wie aus einem Computerspiel wirkt und … lahm ist. Selbst der Showdown, den man am Filmende hätte erwarten können – die Story zielte deutlich erkennbar darauf ab –, fehlte dann, war vielleicht gedreht, aber letztlich rausgeschnitten worden.

WAS GEFIEL NICHT?
Der Film hat einen erkennbaren SF-Plot, der auch recht gut durchgehalten wird, der aber eigentlich überhaupt keine Rolle spielt. Das Drama, das sich hier auf recht seichte Weise entfaltet, hätte auch mit einem Westernplot aus dem ausgehenden 19. Jahrhundert funktioniert, auf exakt die gleiche Weise. Ich halte das durchaus nicht für die Verschwendung eines SF-Plots. Ich halte das vielmehr für die Verschwendung einer Geschichte, die wie unter Zwang zu einem SF-Film gemacht werden musste, damit am Ende ein Publikum ins Kino gegangen ist oder die DVD gekauft hat, das zwangsläufig enttäuscht sein muss. (Das hat mich auch spontan an »Monsters« erinnert, ein Film mit ebenfalls zwanghaft aufgepfropftem SF-Plot, der völlig unnötig war; interessanterweise war der Hintergrund nicht unähnlich: Handlungsort Mexiko, und Mexiko gegen die USA abgeschottet.)

WAS GEFIEL?
Der Film an sich war in Ordnung und wird vielleicht bei nochmaligem Anschauen noch ein wenig mehr von seinem Flair entfalten. Ein spontaner persönlicher Blockbuster kann er nicht werden, weil er dafür viel zu sanft, zu seicht, zu unauffällig, zu unbeeindruckend ist. Ich denke – und das habe ich schon in einem Forum geschrieben –, dass vor allem Zuschauer, die spanische und ältere französische Filme, sogenannte Dramen oder das, was man in Deutschland gern als »Problemfilm« bezeichnet (hat), mögen, wirklich einen schnellen und möglicherweise beeindruckenden Zugang zu diesem Film bekommen werden.

ZU EMPFEHLEN?
Siehe vorher. Ich glaube, der Film ist in Deutschland nicht im Kino gelaufen, und das hat vermutlich seinen guten Grund; er wäre dort als Flop geendet. Für Fans spanischer Dramatik – siehe auch vorher – mag er durchaus zu empfehlen sein.