Hunde begraben, lebende auch, Tönning, 20.06.

Das Zentrum war schnell gefunden, die wichtigste Kirche – Sankt Laurentius – auch. Die war von außen nicht wirklich gut zu fotografieren, weil sie für diesen Ort schlicht riesig war. Und innen war sie seltsam – der Altarraum war quasi verschlossen. Man konnte sich dem Altar nicht nähern, weil eine Art Gitter den Zutritt verwehrte, und das Fotografieren war auch eher grenzwertig, weil oberhalb des Gitters ein Balkon war, der den optischen Raum nach oben eingrenzte. Auch die zweite, kleinere Orgel oben auf dem Balkon konnte man nicht richtig fotografieren, weil der dafür sinnvolle Zugang zwischen die Bänke ebenfalls versperrt war. Summasummarum eine nicht uninteressante, aber bezüglich des Umgangs mit Besuchern doch recht merkwürdige Kirche. So, als wollte jemand sagen, dass hier nur Betende zu den Messen erwünscht seien – nicht jedoch Fans von Kirchenarchitektur und -kunst, wie ich.

Ansonsten liefen wir ein wenig durch die Gegend, aber Tönning machte auf mich den Eindruck, als würden hier Hunde begraben. Abgesehen vom Platz in der Nähe Sankt Laurentius’ gab es fast keine Läden im Zentrum, eigentlich überhaupt keine, es waren fast keine Leute unterwegs, nur Autos (und Radfahrer, die gegen die Fahrtrichtung in Einbahnstraßen fuhren). Insgesamt wirkte der Ort auf mich als bestens geeignet, wenn ich eines Tages sterben wollen würde.

Die Gattin wollte mich, der ich durch leichte Kopfschmerzen geplagt wurde, zu einem Bier einladen. Das Café am Markt erwies sich als nicht geeignet. Draußen war kein gescheiter Platz für die Hunde, drinnen zweimal nicht. Der Laden machte einen gemütlichen, netten Eindruck, aber wenn man seine Hunde nicht parken kann, taugt der gemütlichste und netteste Laden nichts.

Wir landeten dann im Godewind am Hafen, das ganz okay war. Gemütlich auch, in einem Strandkorb vorm Wind geschützt, das Erdinger war nicht ganz hefetrüb – typischer Anfängerfehler -, aber mein Gott. Es war ein Erdinger. Immerhin.