Das Ende eines Hafens, Friedrichskoog, 10.06.

Nach dem langen Tag in Eckernförde zuvor war heute Entspannung für die Hunde angesagt. Dachten wir. Also keine große Strecke, keine große Aufregung, keine langen Märsche. Zumal es zwar morgens auf wetter.de so aussah, als käme eine fette Gewitterfront aus Westen herangerauscht – aber die suchte sich einen anderen Weg, vielleicht sogar ins Nirgendwo.
Wir entschieden uns für Friedrichskoog, einen kleinen Ort südlich von Büsum, auf der Südseite der Meldorfer Bucht. Nichts Aufregendes erwarteten wir, und so war es auch. Der Ort war nicht hässlich, aber auch nicht ausnehmend hübsch. Einfach nichts Aufregendes. Am Ende des sehr lang gestreckt wirkenden Ortes lag der Hafen, die Seehundstation und der Wal.

Meine Gattin wollte unbedingt in die Seehundstation, aber wir konnten uns nicht einigen, wie wir es machen wollten. Die Hunde konnten wir nicht mit hineinnehmen. Sie im Auto zu lassen, verbot sich von selbst, nicht nur, weil es schon so aussah, als käme die Sonne heraus. Man bot uns an, sie im Shop an der Kasse zu lassen, aber ich war unsicher. (So was kommt zustande, wenn man ständig Entscheidungen zu treffen gezwungen wird, die man nicht treffen möchte, weil sie einem eigentlich egal sind, es aber von Bedeutung ist, sie zu treffen – und sie richtig zu treffen, anderenfalls es wieder irgendwelchen Stress gibt.)
Wir entschieden uns, erst mal ein wenig zu laufen. Ich wollte auf den Deich, die Gattin zum Hafen. Also Hafen. Einmal rundherum, halbe Stunde. Während dieser sahen wir viele kleine Kutterchen, die eher für Kinder gedacht schienen – »Kleiner geht ja fast nicht mehr«, meinte meine Gattin -, und wir sahen auch einige wenige größere Schiffe, darunter auch den »Hafenretter«, den großen Kutter »Fri.35« aka »Zenit«.

Wir lernten etwas über die BIHZ, die Bürgerinitiative Hafen-Zukunft, die um das Überleben des kleinen Friedrichsköger Hafen kämpft, gegen eine Landesregierung – rot-grüne Vollpfosten -, die offensichtlich ebenso wenig Interesse an einer Kommunikation mit den ansässigen Unternehmern (ich erinnere mich an 37 oder 38 betroffene Unternehmen, 170 Arbeitsplätze, die in Gefahr sind) und Bürgern hat, wie sie auch nicht mit wirklich konkreten Informationen und Argumenten rüberkommt. Ich habe mich spontan entschlossen, mich einer Interessensinitiative anzuschließen, die den Erhalt des kleinen Hafens unterstützen will. (Ja, ich wohne in Murnau in Oberbayern, Landkreis Garmisch-Partenkirchen. Und? Wenn jeder immer nur in seine eigene Arschfalte schaut, sieht er sein ganzes Leben immer nur die gleiche Scheiße!)

Und wir lernten, was der Wal war. Das durchaus ansehnliche Gebäude in Form eines Wals beherbergt ein Informationszentrum zum Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer – und einen augenscheinlich recht umfangreichen Spielbereich für Kinder.

Am Ende stellten wir fest, dass es keinen Überweg über die Schleusenöffnung zum Meer hinaus gab und kehrten also um.
An der Seehundstation hatte das Personal gewechselt, aber auch die junge Dame kannte das Prozedere offensichtlich. Es war kein Problem, die Hunde im Shop an der Kasse zurückzulassen – vom Handling her nicht, und von den Hunden her sowieso nicht. (Ein späterer Blick in den Shop zeigte uns, dass Naomi sich sehr wohlfühlte – sie lag gewohnheitsgemäß mitten im Weg. Und die junge Dame nahm es cool und stieg einfach über sie drüber, wenn es nötig war.)

Drinnen gab es viele Leute, viel Ausstellung – die uns eigentlich nicht so interessierte und großteils auch sehr deutlich auf Besucher im Kindesalter ausgelegt war (was hier keine Kritik sein soll, nur eine Feststellung) – und leider sehr wenig Robben. Die für 12.30 Uhr angesetzte Fütterung betraf nur die Heuler, und um die zu sehen, musste man in den Seminarraum rauf – dessen Fenster bereits komplett belegt waren -, oder auf den Aussichtsturm – was sich für uns aufgrund gemeinschaftlicher Probleme mit Höhen und der recht »offenen« Ausstattung des Turmes von selbst verbot. So beschränkten wir uns auf die Robben, die als Dauergäste in der Station residierten, und da ergaben sich auch ein paar nette Fotos (und meine Gattin drehte sogar ein Video; vielleicht bekomme ich es ja für meinen Blog <g>).

Schließlich entschlossen wir uns, die Hunde auszulösen (sie waren sehr lieb, bestätigte man uns), und wollten uns eine Stelle suchen, wo wir Speisen zu uns nehmen könnten und die Hunde Gelegenheit erhielten, sich nach einem kurzen – geplanten – Marsch auszuruhen. Den Marsch auf dem Deich brachen wir aber ab. Das Meer war weit weg – weil der Deich mitten in der Landgewinnungszone lag -, der Wind war schwach, die Sonne stark, die Hunde schwarz … Ich hielt es für keine gute Idee.
Die Gattin hielt es für keine gute Idee, in Friedrichskoog nach einer Lokalität zu suchen, und so packten wir die Hunde und uns in die Karre und fuhren nach Friedrichskoog-Spitze, ganz am äußeren Ende des Dieksandes.