Kanzlerauftrag

Nach dem Malmsheimer Anfang Februar (siehe hier) gelüstete es mich nach mehr. Also gönnten wir uns Simone Solga am 28.03., ebenfalls im KTM zu Murnau.

Die Solga ist ausm Osten und nutzt das aus, wenn sie ihre Chauffeurin auftreten lässt. Ansonsten ist sie um Klassen politischer als der Malmsheimer – und zwar richtig aktuell politisch. Die allerjüngsten Ereignisse scheint sie in den ersten zwanzig, fünfundzwanzig Minuten eben erst ins Programm geschrieben zu haben. Fast meint man, die Tinte noch tropfen hören zu können.
Ansonsten geht es viel um deutsche Politik, um die Kanzlerin, deren Beraterin die Solga gibt. Und auch, wenn das Programm nach und nach politisch dünnflüssiger wird, kehrt sie immer wieder ins Kanzleramt zu ihrer Chefin zurück.
Am Ende wird sie dann sehr nachdenklich. Sie singt ein Lied, sie rezitiert den Faust – geringfügig abgewandelt –, und muss sich dann ausgerechnet an unserem Abend eine umfangreichere Zugabe verkneifen, weil ihre Stimme hörbar den Löffel abzugeben gedenkt.
Trotzdem hat es sich gelohnt. Der Malmsheimer war mein Ding wegen seiner Art, zu reden, zu hantieren, zu hampeln; die Solga hat mir gefallen, weil sie ein schnelles Programm ohne Gnade in allen Richtungen auf die Bühne brachte (und das nicht nur, weil sie das trotz ihrer hörbar angegriffenen Stimme tat).

Ich bin noch nicht sicher, ob ich mir Thomas Freitag antun möchte, aber auszuschließen ist es nicht. Der ist bekanntermaßen auch politisch, wenn auch bzgl. seiner Figuren – darunter Helmut Kohl – sehr nach hinten gerichtet. Aber vielleicht gehört das auch mal wieder auf die Bühne.