Synchronisatod

DRAGONHEART
Rob Cohen, USA, 1996
imdb.com | imdb.de

Dienstage und Donnerstage sind nicht so mein Ding. Da gibt es auf SKY keine Neustarts. Wenn ich also nicht schwimmen gehe, schaue ich mir eine Wiederholung an – was immer besonders lustig ist, weil meine Freundin nicht wirklich zu verstehen scheint, dass ich vor dem wiederholten Genuss eines Films immer meine Erinnerung an den Film lösche, damit er wie neu wirkt – oder donnerstags auf NDR auch mal »mareTV«, wenn die Doppelfolgen wieder dran sind. Und dann gibt es ja auch Kanäle wie AXN, KinoweltTV und TNTfilm, die vor allem auch ältere Streifen bringen, keine richtigen Oldies, aber schon mal so bis 20 Jahre. Eigentlich alles halb so wild –

Aber da kann man sich auch täuschen. Schwer sogar. Gestern jedenfalls war es DRAGONHEART, der auf TNTfilm meine Aufmerksamkeit erregt hatte und dem ich schließlich gegenüber einer deutschen Komödie den Vorzug gab. Aus zwei Gründen. Zum einen spielte Dennis Quaid die Hauptrolle, dessen breites Grinsen ich mag und der mich eigentlich noch nie so richtig enttäuscht, eher regelmäßig erfreut hatte. Und dann stand in der Kritik auf tvtv.de, dass es sich um einen richtig humorvollen Film handeln solle. Na, also – geht doch.
Der Film begann – und mir war sofort klar, dass das ein katastrophaler Schuss in den Ofen würde.
Die Story ist nicht blöd. Ein Ritter bildet einen Prinzen aus, dessen Vater ein Tyrann ist; beide – Ritter und Prinz – hegen die Hoffnung, dass bald alles anders wird. Der Prinz hofft das aber aus ganz anderen Gründen, und schließlich ist der König tot, der Prinz ist König und der Ritter geht seines Weges, immer im Hinterkopf, den neuen Tyrannen schnellstmöglich zu beseitigen. Der Ritter ist Bowen, gespielt von Quaid, und eigentlich Drachentöter. Er geht seiner Profession nach, bis sich herausstellt, dass alle Drachen bis auf einen hinüber sind. Nach etwas Hin und Her einigen sich die beiden darauf, zusammenzuarbeiten – was auch eine Weile ganz gut geht. Bis der König (King Einon, gespielt von einem ausnehmend hässlichen David Thewlis) beginnt, dem Drachen und natürlich dem Drachentöter nachzustellen. Im Showdown stirbt dann am Ende der König und der Drache, was einen besonderen Zusammenhang – im wahrsten Wortsinn – hat.
So weit, so gut. Die schauspielerischen Leistungen würde ich als medium und dem Plot – der wohl auch eher medium ist – angemessen bezeichnen. Außer Quaid fand sich an bekannten Namen eigentlich nur noch Pete Postlethwaite als der Mönch Gilbert of Glockenspur, ein wenig zu albern gestylt, aber nicht wirklich störend; Dina Meyer spielte Kara, die Tochter von irgendwem – das habe ich zugegebenermaßen verdrängt –, die den »Was für’s Auge«-Part übernahm, und ansonsten eigentlich nur noch Julie Christie als Queen Aislinn, eine unwichtige Rolle, sowie Sir Sean Connery als Stimme des Drachen Draco.

Die Katastrophe, die sich anbahnte, resultierte nicht daraus, dass der Film nicht wirklich witzig war. Gut, der für 1996 sehr schön animierte Drache und die Dialoge zwischen Bowen und Draco waren nicht wirklich schlecht, aber auch nicht herausragend; Filme, die mich zum Lachen bringen, gehen anders ab. Aber vielleicht lag es auch nur an der Synchronisation?
Ich bin kein Fan von Originaltönen. Mein Englisch ist nicht gut genug, um die Gags und Spitzfindigkeiten mitzubekommen, und ich mag auch viele der v. a. amerikanischen Nuschler nicht – hey, Owen Wilson sollte wirklich mal Sprachunterricht nehmen, Mann! –, es ist einfach ebenso wenig meine Sache, einen englischsprachigen Film zu sehen, wie ein englischsprachiges Buch zu lesen. Gestern Abend jedoch hat mich die höchst dankenswerte englische Tonspur auf TNTfilm vor dem endgültigen Wahnsinn gerettet (ja, ich weiß, dass einige meiner Leser der Ansicht sind, dass ich den schon längst hinter mir gelassen habe …).
Ich weiß nicht, warum die Crew, die für die deutsche Synchronisation zuständig war, vor dem Job unbedingt den Dealer wechseln musste. Vielleicht war nicht mehr genug Geld da; man musste also auf billigere Drogen umsteigen. Auf jeden Fall habe ich schon Filme gesehen, die einfach nur schlecht waren und deren Synchrontext daran nicht unbeteiligt war. Aber DRAGONHEART hat bislang alles geschlagen.
Dracos deutsche Stimme war nahezu an der Grenze der Unverständlichkeit. Der Sprecher hörte sich an, als habe man ihm durch den Hals Zewa-Rollen bis in den Arsch gerammt, und vorsichtshalber als Abschluss noch ein Frotteebadehandtuch im Format 300 x 200 cm nachgeschoben. Und von deutscher Grammatik hat die Crew nach dem ausführlichen Drogenkonsum definitiv keine Ahnung mehr gehabt. Eine Drache ist ein Drache, kein Drachen; ein Drachen ist einer dieser Papierflieger, mit denen man im Herbst auf die Wiese geht, um sie angeschnürt steigen zu lassen. Draco jedoch ist ein Drache – der zwar eher Ähnlichkeiten mit einem Greif hatte, aber gut … – und kein Drachen. Doch was war das? »Hey, du Drachen, wie geht’s dir denn?«, »Vorsicht, der Drachen ist gefährlich.«, »Mann, Mann, was hatte der Drachen denn heute morgen im Tee?«, nicht genau diese Sätze, aber ständig dieser Drachen, und das nicht nur in den Dialogen der Menschen, sondern der Drache selbst sprach von sich als Drachen: »Ich, der Drachen …«. F***, ihr versch***enen Kiffer, ich will mein Geld zurück!
Nach einer guten halben Stunde ging es nicht mehr. Es ging einfach nicht mehr. Meine Abneigung gegen englischen Originalton war einfach nicht groß genug, um das noch länger auszuhalten. Und so konnte ich wenigstens den zewafrei sprechenden Sir Sean Connery goutieren und trotz meiner Englischschwäche besser verstehen als den deutschen Synchronkiffer. Und ich hatte Gelegenheit, mich unverärgert auf die 1996er Filmeffekte zu konzentrieren, die erkennbar alt, aber nicht übel waren – wie gesagt, vor allem der Drache (sic!) hat mir sehr gut gefallen. Die Handlung war, wie gesagt, eher medium; der Showdown vorhersehbar, aber okay.
Wäre die deutsche Synchronisation nicht gewesen, wäre der Film mir keine ganze Rezi wert gewesen, aber so … Wer immer plant, sich den Streifen auf Deutsch anzuschauen: Ohropax nicht vergessen!

5 thoughts on “Synchronisatod

  1. Als familientauglicher Märchenfilm war der ab 12 freigegeben, deswegen war nix mit rollenden Köpfen. Muss man natürlich vorher wissen, dann hat man die Erwartung gar nicht erst… :)

    Was den Drachen angeht: es ist wohl so, dass um früher (vor dem 17. Jahrhundert) auch die Einzahl „Drachen“ möglich war, von daher könnte man auch annehmen, dass der Fehler gewollt war, um eine altertümliche Sprache anzudeuten…

    Kann natürlich auch sein, dass die einfach doof waren… :)

  2. Danke für die Info. – Was ich übrigens auch noch störend fand: Die Machart des Films entsprach der von »Dungeon Siege« (»Die Schwerter des Königs«) mit John Statham, den ich normalerweise wegen seiner knackigen Action checke. Hier wie dort war die Action schwach und so völlig unblutig, dass sie letztlich unglaubwürdig wirkte. – Aber das lag dann wohl an meiner Gesamtstimmung gestern abend :) Da wünschte ich mir dann einfach irgendwann einen rollenden Kopf, oder zwei, oder drei …

Comments are closed.