Getarnte Science Fiction

Elsie Chapman
DU ODER ICH
(Dualed, 2013)
Knaur Verlag, München, 2013, a. d. Amer.: Alexandra Baisch, Hardcover m. Schutzumschlag, 331 Seiten, ISBN 978 3 426 65329 6

VORBEMERKUNG

Ein Thriller, sagt der Umschlag. Nun gut, denke ich, auch im Bereich der Science Fiction gibt es Thriller.

WORUM GEHT ES?

Kersh ist eine riesige Stadt, eine Enklave. Nach einem weltweiten Problem mit einer Grippeimpfung hat sie sich gegen die Außenwelt abgeschottet. Im Grunde befindet sich Kersh mit dem Rest der Welt in einem latenten Kriegszustand.
Und um seine Soldaten aus einem bestmöglichen Pool rekrutieren zu können, gibt es ein besonderes Auswahlverfahren: Jeder Mensch hat einen Doppelgänger – und nur der Bessere darf überleben. Bis zum Alter von zwanzig Jahren gibt die Regierung ein solches Doppelgängerpaar irgendwann frei – und dann haben die beiden Doppelgänger einen Monat Zeit, den jeweils Anderen zu töten. Geschieht das innerhalb dieser Frist nicht, sterben beide.
West Grayer ist die Hauptfigur, ein Mädchen, fünfzehn, sechzehn Jahre alt. Bisher sind alle Mitglieder ihrer Familie ihren jeweiligen Doppelgängern unterlegen gewesen. West arbeitet als Auftragskiller und tötet Substitute im Auftrag solcher Aktivierter, die das selbst nicht zu können oder zu wollen glauben.
Als West aktiviert wird, verhält sie sich zögerlich und droht an ihrem Gegenpart zu scheitern. Bis etwas geschieht, das West gar nicht gefällt …

WIE IST DER STIL?

Sehr gut, flüssig, angenehm lesbar. Die Komplexität der Wortwahl, der Satzstellung ist der Komplexität der Hauptfigur, ihres Denkens und Handelns völlig angemessen.

WAS GEFIEL NICHT?

Einmal mehr: die Hauptfigur. Gut, fünfzehn-, sechzehnjährige Teenager sind nicht cool. Gut, sie sind noch hin und her gerissen zwischen Empfindungen aller Art, sind unsicher, wissen nicht, was richtig und falsch ist, sind misstrauisch ihrem eigenen Selbstbewusstsein gegenüber. Aber das gilt für Teenager in einer Welt wie der unseren. In Kersh und mit einem Schicksal, wie West Grayer es erlebt hat – Eltern tot, Brüder tot –, sollte die Hauptfigur eindeutig cooler sein. Und dazu reicht es nicht, dass sie – oft genug eher mit mehr Glück als Verstand – als Auftragskillerin fremde Substitute um die Ecke bringt. Gut, auch das mag an mir liegen. Aber das hat mir nicht gefallen.

WAS GEFIEL?

Der Roman war leidlich spannend, sodass mir das Gefühl der Zeitverschwendung eindeutig erspart blieb. Aber etwas Herausragendes, das mir besonders gefallen hätte, ist mir nicht aufgefallen.

ZU EMPFEHLEN?

Mit Einschränkungen.

NOCH WAS?

Einmal mehr endet auch dieses Buch mit peinlichen, weil letztlich nichtssagenden Dankesworten: Ich kenne die Leute nicht, bei denen sich die Autorin da bedankt. Wann wird diese dumme Erfindung wieder abgeschafft? Richtig, das könnte mir egal sein – aber als Kleinverleger bin ich auch schon Opfer und Ziel von so was geworden. Das muss doch nicht sein :)