Geh weg, du bist kein Buch

Daniela Machnitzke
ALS DIE GÖTTER DIE MENSCHEN ERSCHUFEN
Originalausgabe, Ancient Mail Verlag, Groß Gerau, Januar 2013, Taschenbuch, 219 Seiten, ISBN 978 3 944198 49 1

VORBEMERKUNG

Zum Zeitpunkt, da ich diese Rezension schreibe, bin ich 54 Jahre, ein paar Monate, Tage, Stunden alt. Ich habe in meinem bisherigen Leben viele Bücher gelesen, viele sehr unterschiedliche Bücher. Ich weiß nicht genau, wie viele es waren. Ich gehe von einer vierstelligen Zahl aus, weiß aber nicht, ob es eher 1000 oder eher 5000 sind.
Ich weiß aber genau, dass unter diesen vielen Büchern, die ich gelesen habe, bislang nicht mehr als zehn Titel waren, die ich nicht zu Ende gelesen habe, gleich, aus welchen Gründen. Ich weiß die Titel nicht mehr, aber ich weiß, dass es nicht mehr als zehn waren.
Ich weiß jetzt, dass es auf jeden Fall einer mehr ist.

WORUM GEHT ES?

Das sagt der Titel, und man darf davon ausgehen, dass es darum gehen sollte. Mehr kann ich dazu nicht sagen. Ich habe die Lektüre des Buches nach dreißig Seiten abgebrochen.

WIE IST DER STIL?

Das ist kein Stil. Das ist … Keine Ahnung. Ich bin zum Zeitpunkt, da ich diese Rezension schreibe, bin ich 54 Jahre, ein paar Monate, Tage, Stunden alt. Ich habe eine recht gute Allgemeinbildung, ohne alles zu wissen. Ich weiß, dass es Dinge, Substanzen, Materialien, … Brennstoffe gibt, die gut sind, die besser sind, die schlechter sind. Ich weiß, dass die Exkremente von Rindern in getrockneter Form einen guten Brennstoff abgeben. Und ich weiß jetzt, dass nicht wirklich jede Scheiße brennt, nur weil es Scheiße ist.

In den ersten zwei Zeilen (!) des Vorworts finden sich zwei Fehler. Auf der ersten Seite des Buches (immer noch im Vorwort) habe ich alleine zehn Fehler mit Leuchtmarker markiert; es können auch mehr sein. Die ersten dreißig Seiten des Buches strotzen vor Fehlern, und zwar nicht vor Tippfehlern, sondern vor Fehlern, die nicht einmal ein Legastheniker liefert: Ich habe unter meinen Autoren einen, der Legastheniker ist, dessen Geschichten ich mag, weil sie vor guten Ideen strotzen, und ich erkenne eine Rechtschreibschwäche, wenn ich sie sehe. Hier fehlt es offensichtlich nicht nur an der Fähigkeit, mit der deutschen Sprache umzugehen, sondern zum Beispiel – nur: zum Beispiel! – an der Befähigung, am Ende eines Satzes aus zwanzig Worten noch zu wissen, worum es am Anfang des gleichen Satzes ging.

Und was ich nicht mag, was ich wirklich nicht mag, das sind Dinge, wie ich sie weiter unten bei den Zitaten präsentiere. Ich habe dafür kein wirkliches Wort. Klugscheißerei trifft es nicht, denn für klug halte ich die Autorin nicht (wäre sie es nur ansatzweise, hätte sie nicht zugelassen, dass dieses Manuskript veröffentlicht wird – oder überhaupt geschrieben). Obwohl sich mit der Scheiße in der Klugscheißerei der Kreis wieder schließen würde …

WAS GEFIEL NICHT?

Diese Rezension wird vermutlich den Eindruck hinterlassen, als wäre es die Schuld der Autorin, dass dieses Machwerk ein Machwerk ist, das nicht brennt. Und so weiter. Das mag sein. Hätte die Frau Verstand besessen, hätte sie gar nicht erst geschrieben. Oder sich jemanden gesucht, der ihr dabei hilft, die krausen Gedanken zu sortieren. Sich ein Konzept gemacht. Was auch immer.
Der Hauptverantwortliche für dieses Fiasko ist jedoch in meinen Augen der Verleger, der mir ja nicht unbekannt ist, als ein Verleger, der nicht nur kein Layout, kein Korrektorat, sondern auch kein Lektorat liefert, sondern Manuskripte, die man ihm liefert, nimmt, und sie wie geliefert durch sein Word über einen 0815-PDF-Treiber in eine Druckvorlage laufen lässt und das dann auf den Markt bringt. Dieses Verhalten ist das eigentlich Unverantwortliche an dieser Veröffentlichung, und wenn ich mir überlege, aus lauter eigener Dummheit … gut, hätte ich für das Ding Geld ausgegeben, wäre ich so blöde, dass es mir vielleicht gefallen hätte. Kein Argument, also.

WAS GEFIEL?

Nichts. Nichts. Absolut. Gar. Nichts.

EIN PAAR ZITATE GEFÄLLIG?

Natürlich. Die Zitate stammen von den ersten dreißig Seiten, und ich habe eben meinen inneren Korrektor auf den Parkplatz vor’s Haus geschickt, das Auto zu waschen.

Die Menschen dieses Zeitalters [gemeint ist das Krita Yuga, das erste und mit 1728000 Jahren auch längste von vier Weltzeitaltern] werden als heilig und tugendhaft betrachtet, die weder Götter noch Dämonen kannten. Was auch kein Wunder ist, sollen sie doch damals auf einer Rangstufe mit diesen Wesen gestanden haben. So brauchten sie auch niemanden zu verherrlichen (Götter) oder fürchten (Dämonen). Zudem waren diese Menschen echte Selbstversorger, die niemals krank wurden, weil sie einzig Früchte aus ihrem eigenen Garten aßen (Eden lässt grüßen!).
(Seite 16)

Ebenfalls von Zeus geschaffen, besaßen die Menschen des »Bronzenen Zeitalters« einen wahrhaft marsialischen Charakter.
(Seite 17)

Also waren diese Menschen, ganz anders als ihre Vorgänger, sehr gut gelungen, denn sie kannten alle Geheimnisse des Universums. »alle verborgenen Dinge sahen sie.« Das passte den Göttern natürlich nicht »und sogleich veränderten sie die Art ihre Werke und Geschöpfe.« (Genmanipulation?!) Und somit waren, laut dem Popul Vuh, die Menschen ihrer »göttlichen« Fähigkeiten beraubt.
(Seite 18)

Doch leider lässt uns die Naturwissenschaft bei all diesen Fragen gehörig im Stich, weil sie einfach keine Antworten darauf hat. Denn so großartig die Wissenschaft auch sein kein, besitzt sie doch einen großen und nicht zu überschätzenden Makel. Sie erkannt nämlich nur das an, was dreidimensional und somit »real« ist.
Mit anderen Worten: Die Wissenschaft ist meistens starr, unbeweglich und nicht dazu in der Lage über den eigenen Tellerrand hinaus zu schauen. So wird Interdisziplinarität zwar oft gepredigt, jedoch nur selten praktiziert. Und eine Predigt, die ohne Folgen bleibt, ist nutzlos. Außerdem bietet Starrheit eine, wenn auch trügerische Art von Sicherheit. Da gibt es nun mal keinen Platz für freies, unkonventionelles Denken. Wo kämen wir denn dahin? Ab auf den Scheiterhaufen mit dem freien Denker!
(Seite 20)

ZU EMPFEHLEN?
Nein, nein, nein. Das Buch eignet sich zu nichts – außer für eine solche Rezension –, wie gesagt nicht einmal dazu, verbrannt zu werden.

NOCH WAS?
Ich habe noch eine Reihe von Titeln dieses Verlages in meinem Regal ungelesener Bücher. Die wandern jetzt erst mal wieder ans Ende der Reihe.