Herr Hütter und die Scheiße des Pferdes

Herr Hütters Hund genoss eine spezielle Ausbildung. Sie war ihm abgehauen, die Hündin. Ins Moos. Stunden war sie weg, sechs oder so. Und nur der Polizei war zu verdanken, dass er sie nach nur einigen Stunden wieder bekam.
Und so brauchte Herr Hütter einige besondere Wege, die er mit der Hündin gehen konnte. Sie sollte an einer Schleppleine laufen, zehn Meter lang. Das konnte man nicht überall machen.
Einer der Wege lag zwischen seinem Wohnort und einem Nachbarort. Ein Wanderweg. Der auch von Fahrzeugen benutzt wurde. Vorzugsweise von Vollidioten gelenkt, dachte Herr Hütter des Öfteren. Bei einer Landmaschine war Verständnis noch einfach aufzubringen. Aber es waren gerade die Fahrer dubioser Personenkraftwagen …

Eigentlich war längst Frühling. Meteorologisch jedenfalls. Und auch der kalendarische Frühling war nicht mehr fern. Nur der meteorologisch demente Petrus hatte das noch nicht mitbekommen.
Der Weg war nicht asphaltiert, nicht einmal wirklich geschottert. Maschinen von Waldarbeitern hatten den ganzen Winter über tapfer jegliche Begehbarkeit des Weges für Normalsterbliche ziemlich erfolgreich sabotiert.
Die Schleppleine war sowieso kein Spaß. Die Hündin interessierte sich nicht sonderlich dafür. Sie ließ sich das Geschirr von Herrn Hütter nicht anlegen, also gab es die Schleppleine mit dem unpraktischen Halsband. Aber das war nicht Herrn Hütters Problem.
Aber es musste diese komische Leine sein. Eine Biothane-Leine schied aus, sagte Herrn Hütters Frau, weil der Hund ja noch Fährtensuche lernen sollte. Herrn Hütter hatte es aufgegeben, das zu verstehen zu versuchen.

Das Wetter war scheiße.
Der Hund war scheiße.
Und Herr Hütter war scheiße drauf.
Und das nicht zuletzt, weil der Weg beschissen war. Von Pferden.

Herr Hütter zahlte Hundesteuer, freute sich über Schilder, die Hunden das Kacken verboten – weil alle Hunde auch genau wussten, was diese Schilder bedeuteten –, freute sich über Gemeinden, die zwar Geld für Schilder hatten, nicht jedoch für sogenannte »Dog Stations« – oder wenigstens irgendeinen Abfalleimer –, und freute sich ungemein über jedes erkennbare Entgegenkommen einer Gemeindeverwaltung gegenüber Hunden und ihren Haltern.
Herrn Hütters voriger Hund hatte Pferde geliebt, hatte sich von ihnen durch die Koppel jagen lassen und seinen Spaß gehabt.
Herrn Hütters derzeitigem Hund waren Pferde egal. Oder nicht geheuer.
Herr Hütter hasste Pferde. Oder eigentlich deren Halter. Die, die sich einbildeten, auf irgendwelchen Wanderwagen, wo sie nichts zu suchen hatten, Vorfahrt genießen zu müssen, weil sie nicht in der Lage wahren, ihren Gaul zu kontrollieren – oder überhaupt erst zu erziehen. Es waren ja die Hundehalter, die ihren Hund erziehen mussten.
Und er hasste Pferdehalter, die in mehr oder minder großen Gruppen über Wege, auf denen Pferde nichts zu suchen hatten, marschierten, Schilder nicht lesen könnend, und ihre Gäule scheißen ließen, was das Zeug hielt, aber keinerlei Anstalten übernahmen, die Hinterlassenschaften ihrer Viecher wegzuschaffen.
Musste ja nicht. Wie bei Katzen. Nur dass Katzen ihre Hinterlassenschaften vergruben. Und dass Hundehalter gehalten waren, die Hundehinterlassenschaften notfalls mit heim zu nehmen, jedenfalls in den vor Geiz strotzenden Gemeinden der Umgebung.
Nur Pferdehalter, die hatten das alles nicht nötig. Sie zahlten keine Steuern für ihre Gäule, kackten aber Wanderwege voll, Straßen, Feldwege, die ganze Landschaft. Natürlich war nur Hundekacke giftig. Pferdescheiße war vermutlich schmackhaft, und es war nur noch keine Ökofirma auf die Idee gekommen, das Zeug irgendwie gewinnbringend zu vermarkten.

Das Wetter war scheiße.
Der Hund war scheiße.
Und Herr Hütter war scheiße drauf.
Nachdem Herr Hütter eine der Reiterinnen, die dafür verantwortlich waren, dass der Wanderweg auf praktisch ganzer Breite vollgeschissen war, aus dem Sattel gezerrt und ihr zwei Zähne ausgeschlagen und das Nasenbein gebrochen hatte, ärgerte er sich.
Nicht nur, dass die andere Reiterin ungeschoren davongekommen war. Er hatte auch vergessen, dass er die dicken Handschuhe in der Jackentasche gehabt hatte.
Und jetzt schmerzte seine rechte Hand.