Kein Paradies

Murnau am Staffelsee, 09./10.10.2014. Es ist seltsam, an solchen Tagen ausgerechnet die »Jesse Stone«-Filme nach Robert Parkers Büchern anzuschauen. Draußen ist es warm, die Sonne scheint, der Himmel ist strahlend und stahlblau. Es geht ein föhniger Wind.
Und ich arbeite vor meinen vier Monitoren. Das ist okay, das wäre richtig, würde nicht auf einem Monitor ein »Jesse Stone« nach dem anderen laufen. Ich bin Tom-Selleck-Fan, und ich liebe die Parkerschen »Stone«-Krimis und die Filme mit Tom Selleck, der in dieser Rolle die Rolle seines Lebens gefunden hat. Irgendwo schrieb ich, glaube ich, schon einmal über den Kontrast zwischen Magnum p.i. und Jesse Stone, der auch etwas über den Kontrast zwischen Tom Selleck Anfang der 80er und Tom Selleck in den 2010ern aussagt.
Und es bleibt seltsam, an solchen Göttertagen ausgerechnet diese Krimis zu schauen, die in einem düsteren Paradise, Massachusetts, spielen, mit einem Polizisten, der die Definition eines gebrochenen Charakters sein könnte, wäre er nicht auf bewundernswerte Weise einfach, direkt, ehrlich, sympathisch. Jesse Stone müsste ein schlechter Mensch sein, würde er in einem anderen Film dargestellt werden. Aber er ist es nicht. Er ist ein beinahe herzzerreißend guter Mensch.
Und die Filme … Es ist klar, dass die für mich erschütterndste Passage die aus »Night Passage« (deutsch: »Knallhart«) ist, als Jesse Stone seinen Boomer einschläfern lassen muss. Eine unprätentiöse, unaufgeregte Szenenfolge um das abgrundtief verstörende Ende einer Beziehung zwischen einem Menschen und seinem Hund. Und die Erinnerung daran bleibt auch durch Reggie aufrechterhalten, der andere Hund, der nicht immer, aber oft so scheint wie sein Herrchen. Obwohl Jesse Stone aka Tom Selleck sein Herrchen gar nicht ist (Reggie, der Hund, stammt aus dem ersten Film, »Stone Cold« [deutsch: »Eiskalt«], und ist der Hund einer Figur, die gleich am Anfang des Films als Leiche aufgetaucht ist).

Es ist seltsam, an solchen Tagen solche Filme anzuschauen. Aber vielleicht ist es besser, als es an trüben, nebligen Novembertagen zu tun, wenn man sich gerade von jemandem getrennt hat.