Hässliche Nächte

Eigentlich ist man ja geneigt, zu glauben, dass es nicht noch schlimmer geht. Nicht noch unnötiger. Nicht noch teurer. Nicht noch hässlicher. Aber es geht. Vor allem noch hässlicher.

SUV (das S steht für Scheiß) gehören von Haus aus zu den hässlichsten Automobilen, die heute auf den Straßen unterwegs sind. Es gibt nur wenige Ausnahmen – das sind dann aber auch keine ScheißUVs, sondern Landrover, Jeeps, richtige Geländewagen … obwohl, nein, auch da setzt sich die Hässlichkeit der Nacht langsam durch. Hässlich wie die Nacht …

Der Toyota C-HR ist so ein Fahrzeug. So einer stand auf dem Supermarktplatz neben meinem Passat. Und er war hässlich. Der Toyota, nicht mein Passat. Die Ladekante definiert die Notwendigkeit eines Krans, um seinen Einkauf ins Fahrzeug zu hieven; ein Aufzug wäre vermutlich auch nicht dumm. Gegen die Heckscheibe des C-HR hat der Aventador hintenrum ein Schaufenster, und die hinteren Seitenscheiben machen die Bullaugen eines U-Boots zu Terrassenfenstern. Von den knubbeligen Scheinwerfern, die einem schon beim Anblick Verletzungen zufügen, soll gar nicht die Rede sein. Die Körperform der Scheinwerfer vorne, die an im Stich gelassene Leprakranke erinnert, dient vor allem der Gewinnmaximierung, weil bei jeder Berührung mit härteren Oberflächen oder Gegenständen (anderen ScheißUVs zum Beispiel) maximaler Schaden entsteht.

Ich habe es aufgegeben, darüber nachzudenken, wer einen so üblen Geschmack hat, sich allen Ernstes so ein Auto zu kaufen. Obwohl Auto … Das sind ja keine Autos, wenn man es genau nimmt. Der Begriff Automobil hatte mal einen Zusammenhang mit Eleganz, mit Schönheit, mit Chrom … und mit einem weit jenseits einer Backsteinmauer angesiedelten Luftwiderstandsbeiwert, den man auch an der aerodynamischen Form der Karosse erkennen konnte. Und heute …

Die Entscheidung, einen ScheißUV zu kaufen, hat vermutlich irgendetwas mit Widerstand zu tun. Fragt sich nur, wogegen. Ich tippe unter anderem auf guten Geschmack.

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