Maledivische Heilung

Maja Franklin
BEI DIR FAND ICH DAS PARADIES
Romana, Band 1801. Cora Verlag, Hamburg, September 2009, 125 x 180 mm, 156 Seiten

»Die Malediven: Einsame Strände, Palmen, die sich sanft im Wind wiegen, und das türkisblaue Wasser des Indischen Ozeans – die junge Journalistin Ashley kann ihr Glück kaum fassen, als sie für eine Enthüllungsstory auf die Trauminsel geschickt wird. Doch sobald sie dem Mann gegenübersteht, den sie ausspionieren soll, kommt alles ganz anders: Der Meeresbiologe Joshua Thompson weckt so starke Gefühle in ihr, dass der Job zur Nebensache wird. Vor der paradiesischen Kulisse genießt Ashley ihre Liebe – aber was wird sein, wenn Joshua eines Tages ihre wahre Identität entdeckt?«

Dass ich dieses Werk gelesen habe, war eine Verkettung unglücklicher Umstände, die ich jetzt konstruieren muss, um es ihr – der Verkettung – in die Schuhe schieben zu können. An die Autorin – deren wirklichen Namen ich hier nicht verraten werde – bin ich durch die Arbeiten an STORY CENTER 2009 geraten – und wer jetzt mag, darf suchen und raten, wer das wohl gewesen sein könnte. Sie brachte im Laufe einiger Mails diesen Roman, den sie für Cora geschrieben hatte, ins Gespräch. Ich erinnerte mich, dass meine Schwester solche Werke las, wie andere Leute Brot zum Abendessen nahmen. Ich fragte sie – meine Schwester – und bekam eine brüske Abfuhr. Sie beschäftige sich schon lange nicht mehr mit solcher Literatur, würde heute viel lieber Krimis – glaube ich – lesen. Und so weiter, und so fort. Naja, dachte ich mir. Warum eigentlich nicht. Nicht nur, dass ich der Autorin eigentlich eine Kritik versprochen hatte – ich wusste von meiner Schwester, dass die Lektüre solcher Literatur weder blöde macht noch tötet. Ergo –
Es hat dann ein wenig gedauert, weil es vorher noch »hohe Literatur« zu lesen gab (z. B. die beiden Savianos, die ich hier auch besprochen habe). Aber dann …

Zur Inhaltsangabe des Verlags – siehe oben – ist nicht viel hinzuzufügen, möchte man nicht in die Gefahr geraten, einen Spoiler bemühen zu müssen. In der Handlung werden alle Klischees bemüht, die man erwartet – und möglicherweise auch ein paar, die man sich bislang nur vorstellen konnte. Die Handlung ist geradlinig, zielstrebig und völlig vorhersehbar. Kleine Details sorgen für die eine oder andere Überraschung, aber am Ende kann nur das eine stehen: das Happy End. Passt, sitzt, wackelt, hat Luft – abhaken, erledigt.

Pustekuchen. Ganz so einfach ist es nicht. Denn dies würde bedeuten, sowohl dem Roman als auch vor allem der Autorin völlig Unrecht zu tun. Ich kann natürlich nicht beurteilen, inwiefern dieses Werk sich von anderen dieses Genres unterscheidet, aber das spielt für mich keine Rolle.
Von Bedeutung ist, dass ich den Roman gern gelesen habe. Der Schreibstil ist locker, luftig, flüssig. Trotz aller Vorhersehbarkeit zieht einen der Text durch sich hindurch, mit genau der richtigen Geschwindigkeit. Nirgendwo gibt es eine Verzögerung, eine Länge, eine Andeutung von Langeweile. Die Klischees sind in der Art und Weise beschrieben, wie man sich das vorstellen kann und muss; die perfekten Formulierungen lassen den Hochglanzeindruck entstehen, der zu dieser Art von Romanen passend erscheint. Die »problematischen« Punkte eines solchen Werkes – allen anderen voran ist hier Sex und Erotik gemeint – werden mit einer Routine umschifft, die nicht nur richtig gut aussieht – und sich auch so liest –, sondern die auch die Fantasie in einer lange nicht mehr gekannten Weise anregt. Von »Ficken« und »Vögeln« zu schreiben, das ist leicht; es so zu schreiben, dass man es sich »nur« vorstellt, das ist eine Kunst.

Ich habe es nicht bereut, den Roman zu lesen. Das war ein paar Stunden Kurzweil, ein lockerflockiges Stückchen, das ich mir manchmal auch ganz gerne in Form einer deutschen TV-Komödie – vorzugsweise mit Christine Neubauer –, das war ein Text, bei dem ich nicht nur davon ausgehen konnte, dass mir jegliche Enttäuschung erspart bleiben würde – schon wegen der irrigerweise gehegten geringen Erwartungen ob der »Gattung«, aus der er stammte –, sondern bei dem mir tatsächlich jegliche Enttäuschung erspart wurde, bis hin zu der Tatsache, dass der Text in hervorragendem und korrektem Deutsch geschrieben war, und dass sogar – bis auf einen einzigen – die Tippfehler, die manch einer vielleicht bei solch denkbarerweise liederlich lektorierten Elaboraten vermuten möchte, vollständig fehlten.
Langer Rede, kurzer Sinn: Ich habe meinen Spaß gehabt, und das ist, wenn ich mich nicht täusche, das Ziel dieser und anderer Reihen solcher Art. Ich ziehe ernsthaft in Erwägung, mir einen kleinen Vorrat anzulegen, um damit zwangsläufig negative Leseerlebnisse – die man ja nun in der »wirklichen Literatur« öfter mal hat – auszugleichen und zu heilen.