Staatsstraßenvorfall

Viermal am Tag kommt der Hund raus. Morgens um 6, mittags um 12.30, abends um 18 oder 18.30. Jetzt, wo es endlich einmal richtig heiß ist, gehe ich Strecken mit unserem schwarzbraunen Viecherl, die schattig sind; es ist ja nicht nötig, dass ich unseren Hund mit Hitze auftanke – die hechelt sie daheim nur wieder raus. Der beste Weg um 18.30 ist an der Staatsstraße 2061 zwischen Murnau und Bad Kohlgrub entlang, Gehrichtung Bad Kohlgrub.

Heute Abend gingen wir dort entlang, und auf der gegenüberliegenden Straßenseite – nur ein Grünstreifen, kein Gehweg, nichts dergleichen – standen zwei Autos. Vorne ein BMW Z3, diese Mädels- oder eher noch Schwulenkarre; dahinter ein älterer Passat mit einem Anhänger. Beiden Autos fehlten die beiden linken Außenspiegel. Vier Menschen standen bei den Autos, zwei Typen beim Z3, ein Typ und ein Mädel beim Passat. Alle waren sie sehr jung, ich denke, so um die fünfundzwanzig. Alle telefonierten, mit wem auch immer. Und alle warteten. Auf die Polizei.
Während mein Hund und ich weitergingen, überlegte ich, wie das mit den Außenspiegeln passiert sein könnte. Vielleicht waren sie einander entgegen gekommen, typischerweise – weil Deutsche – so weit wie möglich links fahrend, also straßenmittig, und rabaatsch! – weg waren die Spiegel. Der eine – vielleicht der Passat – hat denn am Abzweig Grafenaschau umgedreht, um sich sein Recht zu verschaffen.
Vielleicht war es auch ganz anders. Keine Ahnung. Vielleicht hat der Fahrer des Z3 so vehement aus dem Seitenfenster rausgefurzt, dass nicht nur sein Seitenspiegel das Zeitliche segnete, sondern auch der des nachfolgenden Passats.

Als Hund und ich zurückkehrten, war die Polizei da. Hinter dem Passat stand der für diese Ländereien typische grünweiße VW-Bus, Blaulicht an – LEDs, natürlich! –, Warnblinkanlage, und natürlich lief der Motor (weil nicht nur deutsche LKW-Fahrer zu doof sind, ihre Diesel auszumachen, nein, auch deutsche Polizisten verfügen nicht über die für die Motorabschaltung in solchen Situationen notwendige Gehirnzelle). Die beiden Polizisten standen zwischen den nun beieinander stehenden vier Beteiligten, von denen drei mit einem Handy telefonierten, während die Polizisten mit ihnen redeten, und das Mädel – das vermutlich aus rein frauenfeindlichen Gründen kein eigenes Handy haben durfte – musste den Polizisten zuhören, was auch immer sie zu sagen hatten.
Hund und ich gingen vorbei, ich dachte mir meinen Teil. Kurze Zeit darauf fuhr der Z3 an uns vorbei, der Passat, dann die Polizisten. Der BMW und der Passat standen dann vor der Einfahrt zum Getränkemarkt nebenan und tauschten vermutlich Adressdaten aus (der Z3-Fahrer kritzelte auf der Passathaube auf einem Zettel rum; allein dafür hätte ich ihm die Fresse poliert).

Wegen zweier verfickter Seitenspiegel hätte ich Visitenkarten ausgetauscht und dann ein paar Emails geschrieben. Aber es gibt Deutsche, die meinen, dass es wichtig ist, dass die Polizisten, die sie mit ihren Steuern bezahlen, auch mal vorbeikommen, um ihnen den Arsch abzuwischen. Vielleicht liege ich falsch. Vielleicht ist der Z3 längst auf dem Mond gelandet. Und der Passat zu Staub zerfallen. Vielleicht hat ein IWF-Vorstand den Anhänger an dem Passat vergewaltigt. Egal.
Was ich am bemerkenswertesten fand: Der Passat stand auf dem Rasenstreifen, der nach rechts leicht abschüssig war, um so wenig wie möglich den übrigen Verkehr zu behindern. Der Z3 stand mitten auf der Fahrbahn, weil ja seine schwulen Reifen hätten kaputtgehen können, wenn sie Gras hätten berühren müssen. (Und wenn ich einer der Polizisten gewesen wäre, hätte ich als erstes dafür gesorgt, dass der Fahrer seine Karre in den Graben kickt.)