Cowboys, Aliens, Söhne – tatsächlich

Cowboys & Aliens
(Jon Favreau, USA, 2011)
www.imdb.com/title/tt0409847

Was für eine Enttäuschung! Daniel Craig und Harrison Ford in einem Film mit einem solchen Plot, nach solchen Trailern – und überhaupt. Und dann das!
1873, Aliens landen auf der Erde und wollen sie für sich (genauer gesagt wollen sie eigentlich nur Gold). Die Bewohner eines Städtchens in Arizona sind damit genau so wenig einverstanden wie eine Gruppe Indianer. Und los geht’s mit der Weltrettung.
Harrison Ford ist für solche Rollen inzwischen eindeutig zu alt; vielleicht sollte er sich doch mal den Wechsel ins Charakterfach überlegen (dass er so was drauf hat, hat er in einigen Filmen ja schon bewiesen). Und Daniel Craig gab den Fremden, der sein Gedächtnis verloren hatte und sich dann als die Rettung für die Menschheit entpuppen sollte.
Fords Rolle war schlicht unglaubwürdig. Der Wechsel vom Rancher mit durchgeknalltem Sohn, der die Stadt unter seiner Fuchtel hatte, zum hehren Menschheitsretter wurde viel zu schnell und ohne wirkliche Motivation abgewickelt. Craig war so ziemlich der einzige Lichtblick in dem Film, konnte das verkorkste Gesamtkonzept aber nicht retten.
Und dann die Aliens. Die sahen aus, wie die Fehlkonstruktionen aus den letzten zwanzig Filmen, in denen Aliens auftraten. Eigentlich sollte man annehmen, die Computertechnik würde die Möglichkeiten bieten, größere Vielfalt zu erzeugen, aber das genaue Gegenteil scheint der Fall. Langweilig bis zum Gehtnichtmehr.
Und aus den Möglichkeiten, die der Plot bot, wurde auch nichts gemacht. Die Aliens hätten sich genau so gut im Südamerika der Spanier zu Zeiten der Inkas und Azteken unbeliebt machen können; oder sie hätten auch einfach nur eine noch fiesere Gruppe von bösen Cowboys sein können, denn ob sie nun mit Strahlwaffen oder 7.65er Kugeln rumballern, das war für die Geschichte völlig ohne Belang.
Ich hatte den Film auf der Platte zurückgelegt, um mit meiner Holden zu einem besonderen Genuss anzutreten, an einem typischen Donnerstagabend, wo sonst nirgendwo was Gescheites kommt. Dann hielt ich es doch nicht mehr aus, wollte wenigstens mal reinschauen, sah ihn ganz an und packte ihn dann auf den Server. Den Streifen kann sich meine Holde auch antun, wenn er im regulären Sky-Programm kommt.

The Son of No One
(Dito Montiel, USA, 2011)
www.imdb.com/title/tt1535612

Ein junger Polizist (Channing Tatum) beginnt seinen Job im 118. Revier, dort, wo er auch aufwuchs. Sein Boss (Al Pacino) bekommt anonyme Nachrichten, in denen es um zwei Mordfälle aus einer Zeit geht, als der junge Polizist noch ein Kind war. Böse Erinnerungen brechen auf, die auch vor Familien nicht Halt machen …
Genug! Der Film präsentiert eine gut gemachte, spannende und trickreiche Story, die es in sich hat. Bei Channing Tatum weiß ich immer nicht genau, ob ich ihn mag oder nicht; bei Al Pacino stellt sich die Frage nicht mehr: Pacino ist inzwischen so alt, dass das auf seine Rollen abfärbt, und nicht nur, weil er inzwischen auch so grantig und knorrig (und gleichzeitig verschlagen) aussieht, wie seine Rollen angelegt sind. Ansonsten spielt Ray Liotta wie so oft den Zwielichtigen, und Katie Holmes gibt Tatums Frau.

Passion Play
(Mitch Glazer, USA, 2010)
www.imdb.com/title/tt1396221

Bill Murray spielt einen rücksichtslosen Gangster. Mickey Rourke – nicht ganz so abgefuckt wie sonst, wenn auch die Rolle dazu passen würde – ist ein vom Glück verlassener Trompeter. Und Megan Fox spielt einen Engel in den Klauen des Gangsters.
Nette Geschichte, stellenweise ein wenig platt, häufiger ein wenig zu rührselig, aber für zwischendurch ganz okay. Wer von Megan Fox mehr als von anderen Damen sehen möchte, wird hier eher enttäuscht (demjenigen sei »Transformers 1« empfohlen). Angenehm empfand ich Rourkes Rolle. Er spielt zwar einen vom Glück verlassenen Trompeter, der auch so seine Probleme mit dem Gangster hat, aber in manch anderen Filmen der letzten Zeit ist Rourkes Rolle schier unerträglich; hier kann man es verkraften.

Tatsächlich … Liebe
(Love Actually, Richard Curtis, UK, 2003)
www.imdb.com/title/tt0314331

Es gibt ja eine ganze Reihe von Episodenfilmen, in denen es um Liebe und Beziehungen geht. Der hier ist einer von den besseren Streifen dieser Art.
Ich mag Hugh Grant eigentlich überhaupt nicht, aber hier kann er als britischer Premier durchaus überzeugen. Unvergesslich die Szene einer Kabinettssitzung, in der er – noch neu im Amt – fragt, wen er flachlegen muss, um eine Tasse Tee zu bekommen. Sensationell auch Colin Firth, der sich in Portugal, wo er schreiben möchte, in die Haushälterin verliebt – und auf die Schnelle Portugiesisch lernt, um sich endlich mit ihr verständigen zu können.
Und noch mehr Namen sorgen für gute Unterhaltung: Liam Neeson, frisch gebackener Witwer mit Kind; Emma Thompson, Heike Makatsch, Keira Knightley – sensationell gut! –, Bill Nighy als durchgeknallter Altpopstar, und letztlich auch Alan Rickman. Und natürlich noch mehr.
Alle Figuren spielen in ihren Episoden, haben aber immer etwas mit anderen Figuren aus anderen Episoden zu tun, so dass das Ganze am Ende ein eindrucksvolles Flechtwerk amüsanter Geschichten von Liebe und (!) Weihnachten ergibt.
Immer wieder sehenswert.