[VDS] Anderer Bewusstseinszustand

Martin Walser gestorben

„Martin Walser war zeitlebens ein Beirrbarer. Daraus zog er seine enorme literarische Kraft“ , schreibt der Spiegel. Er war einer, der sich „störrisch einfachen Antworten verweigerte.“ In seinem Menschenbild kämpft der Mensch mit sich, „er macht es sich nicht leicht, und es ist nie leicht mit ihm.“ Das geschah in einer Sprache, die alles möglich macht, auch ihn falsch zu verstehen. Aber man muss sich mit Literatur eben ein bisschen bemühen. „Solange etwas ist, ist es nicht das, was es gewesen sein wird“, reagierte er auf Vorwürfe über die mangelnde Weitsicht seiner Romanfiguren im Nationalsozialismus. In besonderer Erinnerung geblieben ist der Eklat bei seiner Dankesrede zur Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels in der Frankfurter Paulskirche am 11.Oktober 1998. Ihm wurde „geistige Brandstiftung“ attestiert und, dass er einer „Schlussstrichmentalität“ das Wort geredet habe. So gründlich missverstehen darf man jemanden nur absichtlich. Seine Dankesrede kann man nachlesen, und die Parallele zwischen dem Unverstand vor 25 Jahren und heute entdecken, da auf stichhaltige Argumente gar nicht erst eingegangen wird. Der kommunikative Widerwille verschmilzt zu einem Syndrom aus erstens nicht hinhören können (mit eigenen Gedankenfetzen beschäftigt), zweitens nicht hinhören wollen (den Kerl womöglich noch verstehen), drittens Deutsch nicht hinlänglich beherrschen (da muss man ja mitdenken), viertens es nur nicht mit den Meinungsführern verderben. Für Walser war „recht zu haben ein minderer Bewusstseinszustand.“

[aus dem Infobrief vom 31.07.2023 des VDS e.V.]

[VDS] »Das Beste am Norden ist unser Dickkopf.«

NDR bleibt beim Gendern

Der NDR hat bekannt gegeben, trotz der Empfehlung des Rats für Deutsche Rechtschreibung, weiterhin an der Praxis des Sprachgenderns festzuhalten. Im Vorfeld hatte die FDP in Mecklenburg-Vorpommern den öffentlich-rechtlichen Rundfunk dazu aufgefordert auf die Verwendung von Gendersternchen und Doppelpunkten zu verzichten. Die Sendersprecherin erklärt, dass es im NDR keine direkte Anweisung zum Gendern gebe, sondern die Beschäftigten lediglich dazu angeregt werden, sensibel mit dem Thema Gendersprache umzugehen. Auf eine bestimmte Form werde sich jedoch nicht festgelegt. Verständliche und geläufige Formen sollen verwendet werden, dazu zählen die Doppelnennungen („Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten“), neutrale Bezeichnungen („Team“, „Gäste“) oder Partizipien („Teilnehmende“). Reportern stehe es frei, im Hörfunk und Fernsehen den Glottisschlag, also die Sprechpause, zu verwenden. Im Hinblick auf verschiedene Formate sei der Gebrauch unterschiedlicher Genderformen eine „freie redaktionelle Entscheidung“. In der Schriftsprache des Norddeutschen Rundfunks werde neben den neutralen Formulierungen auch der Genderstern verwendet, wenn eine große Zahl von Menschen angesprochen werden soll. Trotz der weit überwiegenden Mehrheit, die das Gendern als störend oder unwichtig empfindet, hält der NRD also an dieser Praxis fest. (nordkurier.de)

[aus dem Infobrief vom 31.07.2023 des VDS e.V.]

[VDS] Was einem manchmal durch den Kopf geht

Bisweilen muss man sich wohl zwangsweise die Frage stellen, was in den Gehirnen mancher Menschen vor sich geht — und ob da überhaupt noch etwas vor sich geht, das sich mit den üblichen Gehirnfunktionen erklären lässt:

Nun auch klimagerechte Sprache

Klimaschutzaktivisten, wie der österreichische Klimaschutzbeauftragte und Lobbyist Ernst Walter Schrempf, fordern die Einführung einer „problemgerechten Klima-Sprache“ in den Medien und im politischen Diskurs. Schrempf hält zu dem Thema regelmäßig Vorträge. Wörter wie „Klimawandel“ oder „Erderwärmung“ sind für ihn eine Verharmlosung der Probleme. Er ist der Meinung, dass „über Generationen eingeprägte Denkmuster“ sprachwissenschaftlich aufgehoben werden müssen. Anstelle der „Klimaerwärmung“ müsse von der „Klimaerhitzung“ gesprochen werden, damit der Handlungsbedarf hervorgehoben werde. Auch verniedliche das Wort „Klima-Krise“, man solle von einer „Klima-Katastrophe“ sprechen. Eingeprägte Wahrnehmungen würden sich durch Anpassung der Sprache im öffentlichen Diskurs beeinflussen lassen, das könne die Menschen dazu veranlassen, die Klimafrage ernster zu nehmen. (presseportal.de)

[aus dem Infobrief vom 31.07.2023 des VDS e.V.]

[VDS] Infobrief vom 31.07.2023

Zu den Texten geht es hier. — Die nachfolgend rot markierten Texte sind besonders lesenswert.

Das Inhaltsverzeichnis:
1. Presseschau
• 16.000 gegen Gendersprache vom Amt
• Nun auch klimagerechte Sprache
• Weichgespülte Schlagertexte
2. Gendersprache
• Gendersprachliche Abstimmungsvorlage abgesetzt
• Korbach gendert seine Kommunikation nicht
• Keine Genderzeichen in Niederösterreich
• „Komplett out“
• Volksabstimmung 2023
• NDR bleibt beim Gendern
3. Kultur
• Martin Walser gestorben
• Kreativer Sprachunterricht
• Lutz Seiler erhält Georg-Büchner-Preis
• Schweizer Band nutzt Mundart
4. Berichte
• Neue Wettbewerbe
5. Kommentar
• Nochmal zum Rechtschreibrat
6. Termine

[VDS] Infobrief vom 23.07.2023

Der direkte Weg zum vollständigen Inhalt geht hier entlang.

1. Presseschau
• Ratlosigkeit
• Gesprächige Babys
• Irre Begründung
• Keine Synchronsprecher mehr?
• Teurer Fehltritt
• Sprache und Klimaschutz
2. Gendersprache
• Wendland beantragt Gender-Aus in Bochum
• Gendersprache weiterhin unbeliebt
3. Sprachspiele: Unser Deutsch
• Brötchentaste
4. Kultur
• Mundartverein für Nordbaden
• Althochdeutsch von der Insel Reichenau
• Sommerfest der Mundart in Korschenbroich
5. Berichte
• Klage abgewiesen
6. Soziale Medien
• Sächsisch begeistert Instagram
7. Kommentar
• Wandern ist rassistisch
8. Termine

[VDS] Infobrief vom 16.07.2023

Zu den einzelnen Texten des Infobriefs geht es hier.

1. Presseschau
• Du oder Sie beim Einkaufen
• Gutgemeinte Umbenennung
• Mehrsprachig in Bochum
• Antike Schrift entziffert
2. Gendersprache
• „Wortbinnenzeichen“ kein Kernbestand
• Keine Genderzeichen in Sachsen
• Wissenschaftsrat für mehr Geschlechterforschung
• Claudia Wenzel gegen das Gendern
3. Kultur
• „Dümmliche Gutmenschlichkeit“
• Deutsch-chinesische Erfolgsgeschichte in Gröbenzell
• SachsenGPT
4. Berichte
• Offener Austausch in Wittenberg
5. Denglisch
• „Welcome Center“ in Augsburg
6. Kommentar
• Erwartungen enttäuscht
7. Termine

[VDS] Infobrief vom 09.07.2023

Zu den Texten im Infobrief geht es hier.

Das Inhaltsverzeichnis:
1. Presseschau
• Technik ersetzt Fremdsprache
• Englisch in der Grundschule
• Zunahme von Entwicklungsstörungen
• Streit um die Mohrenstraße
• Schweizer Mehrsprachigkeit
• Durch Füllwörter entlarvt
2. Gendersprache
• „Ich war’s nicht!“
• Theater umgeht Genderverbot
3. Sprachspiele: Unser Deutsch
• handwerklich
4. Kultur
• Kulturpreis für Naturwissenschaftlerin
• VHS Traunstein unterstützt Analphabeten
5. Berichte
• Peer Gynt im Kölner Horizont-Theater
6. Denglisch
• Mehr Niederländisch in den Niederlanden
• Nobelpreisträger warnt vor Englisch-Übermacht
7. Kommentar
• Sexistisch oder rassistisch
8. Termine

[VDS] Infobrief vom 02.07.2023

Die Texte finden sich hier.

1. Presseschau
• Babysprache der Delfine
• Jahrtausend der Turteltaube
• Kein „Einwecken“ mehr
2. Gendersprache
• Rechtschreibrat kündigt Regeln an
• Genderverbot in Niederösterreich
• Genug Unterschriften in Baden-Württemberg
• CDU übergibt Unterschriften in Hamburg
• Moralische Erpressung
3. Kultur
• Die Sprache der Ausgegrenzten
• Mundart-Landkarte
4. Berichte
• Didacta – Auswertung der Befragung
5. Soziale Medien
• Bacon of Hope
6. Kommentar
• Es siegt der Flurfunk
7. Termine

[VDS] Infobrief vom 25.06.2023

Zum vollständigen Inhalt: hier.

1. Presseschau
• Rheinlandpfalz als Zungenbrecher?
• Dekolonisiertes Russisch
• Die Sprache der Bildung für Flüchtlingskinder in Polen
2. Gendersprache
• Gendern ist antifeministisch
• Unschlüssiger Kleiner Parteitag der CDU
• ORF rudert zurück
• Kein Anspruch auf Gendern im Saalekreis
• Innenminister:innenkonferenz
3. Kultur
• Friedenspreis für Salman Rushdie
• Deutschrap als Nachhilfe
4. Denglisch
• Keine Post mehr
• Amazon: Retourenkauf statt Warehouse
5. Termine

[VDS] Der Infobrief vom 16.06.2023

Zum vollständigen Inhalt geht es hier entlang.

1. Presseschau
• Sprachtests vor Einschulung gefordert
• Richtig mit Alzheimer-Kranken sprechen
• Fummelgebühr und Schlafbaustelle
2. Gendersprache
• Junge Menschen wollen nicht gendern
• In Geiselhaft der Aktivisten
• Der Blick von außen
3. Sprachspiele:
• Frühsommer
4. Kultur
• Dialektprojekte
5. Berichte
• Wortreich Sachsen-Anhalt
6. Denglisch
• Englisch im Grenzverkehr
7. Termine