Erfolgswiederholungsversuch

»Verlassene Orte« war das Thema der siebten Ausgabe der Literaturzeitschrift HALLER – damals im Dezember 2012 noch mit meinem Layout, aber mit Corinna Griesbach als Verlegerin. Zu diesem Band wurden seinerzeit so viele qualitativ hochwerte Storys eingereicht, dass wir zusätzlich ein Taschenbuch veröffentlichten, das unter dem Titel »Verlassene Orte. Ein HALLER-Taschenbuch« bei p.machinery erschien. Es war eines der letzten Bücher, die ich mit Books on Demand in Norderstedt machte, und es entpuppte sich am Ende durchaus als Erfolg. Auch wenn 227 Exemplare nicht viel erscheinen – für ein solches Buch, das quasi nebenbei entstanden ist, ist das durchaus zufriedenstellend.

Sebastian Schwarz lieferte seinerzeit Titelbild und Innenillustrationen – Fotos seiner bevorzugten Motive, der »Verlassenen Orte«. Und er hat damit ja nicht aufgehört – und letztlich kam Corinna Griesbach, die frühere Verlegerin und heutige Herausgeberin des HALLER, die Herausgeberin des ersten Buches, auf die Idee, der Idee eines solchen Buches eine Neuauflage zu gewähren – wobei nicht das alte Buch neu aufgelegt wird, sondern ein neues Buch entstehen soll.

Die Ausschreibung hierzu findet sich hier. Und das Buch selbst wird nicht als Taschenbuch erscheinen, sondern als querformatiges Hardcover in großem Format mit ganzseitigen Farbfotos des Bildkünstlers Sebastian Schwarz. Und natürlich den Texten.

Wenn das neue Buch, das den Titel »Verlassene Orte. Das zweite HALLER-Taschenbuch« tragen wird, ein ähnlicher Erfolg wie das erste Buch zu diesem Thema werden wird, dann wird das rundherum eine schöne Sache.

Warum einfach …

Manche Bücher stellen einen vor überraschende Herausforderungen. Als ich das Manuskript – mit Bildern – von Stephanie Schnee für ihre Haaresfliegerin Propelline erhielt, ahnte ich noch nichts Schlimmes. Aber das sollte sich ändern …


Details zum Buch: hier.

Der Text war natürlich kein Problem. Die Bilder indes waren größtenteils von einem etwa DIN A2 großen oder noch größeren Format. Da musste mein Scanner bei aller Liebe passen – auch, weil diese großen Bilder auf einem starken Karton gemalt worden waren. Was also tun?
Um die Bilder zu bekommen, ließ ich eine stabile Holzkiste bauen – das Internet macht’s möglich. Die dann zu verschicken, war eine zusätzliche Herausforderung: Die Post akzeptiert keine Holzkisten, es musste eine Papierverpackung darum herum angebracht werden. Gleiches bei UPS – und die waren auch noch teuer. (Und anderen Transportdienstleistern gebe ich meine Waren nicht.)
Auf dem gleichen (Rück-) Weg bekam ich dann die Bilder. Ich prüfte Anbieter für großformatige Scans und deren Angebote. Die sitzen natürlich alle in München; auf dem platten Land gibt’s halt keinen Markt. Die meisten Anbieter scannen nicht berührungsfrei, was wegen der Originale schlicht ausschied – zumal Stephanie Schnee nicht wirklich zweidimensional malt. Und der eine, der berührungsfrei hätte scannen können, war schlicht zu teuer.
Auch die Idee, Fotos in einem lokalen Fotostudio zu machen, scheiterte letztlich an den Kosten. Und auch ein wenig an der Technik …
Am Ende entschied ich mich, mich selbst an der Fotografie zu versuchen. Meine Frau besitzt eine Ausrüstung, mit der sie Produktfotos für ihre eigene Kosmetikherstellung (siehe saskia.haitel.de) aufnimmt: Lampen, Schirme – und ein Stativ hatte ich selbst. Auf unserem Wohnzimmersofa erstellte ich von den großformatigen Bildern Fotos mit einer Canon 60D und unterschiedlichen Belichtungs- und Blitzeinstellungen. Irgendwas Passendes würde schon dabei sein.
Und die DIN A3 großen Bilder wurden dann auf einem Sharp-MFP gescannt.

Den Rest kannte ich dann eigentlich schon vom »Grimm-Grimm-Männchen«: Die auf dem Bildschirm toll aussehenden Bilder waren im Druck schlicht zu dunkel. Also nachbearbeiten. Und einen Andruck von der Druckerei bekommen und prüfen. Und nachbearbeiten. Und noch einen Andruck anfordern – zumal beim ersten Andruck der Druckerei ein Fehler unterlaufen war, denn die Seiten waren zu großformatig (also nicht 1:1) gedruckt worden.
Zu guter Letzt bearbeitete ich sämtliche Bilder noch einmal nach, sorgte für mehr Helligkeit, auch mehr Kontrast und vor allem für klarere Farben bei problematischen Bildern. Da war zum Beispiel eines mit einem dunkelgrünen Hintergrund, das im Druck eher schwarz war …

Und dann war’s gut. Irgendwann muss Schluss sein, auch wenn damit zu rechnen ist, dass die Autorin dann doch noch ein wenig zu kritisieren hat. Immerhin sieht man den Bildern nicht mehr an, dass sie mit einer doch recht simplen Spiegelreflexkamera und einem Amateurfotoequipment für die Be- und Ausleuchtung auf einem einfachen Sofa aufgenommen worden waren.

In diesen Tagen jedenfalls erscheint das neueste Bilderbuch von Stephanie Schnee, das für jüngste und junge Leser von dem Mädchen Propelline handelt, das mit ihren Haaren fliegen kann. Das ist schon Fantasy, oder?

Wenn Bits und Bytes auf dem Papier landen

In modernen Zeiten ist so ein Projekt wie GEGEN UNENDLICH nicht mehr außergewöhnlich. Drei Leute – Michael Awe, Andreas Fieberg und Joachim Pack – überlegen sich, eine Storysammlung machen zu wollen – als E-Book-Reihe. Möglicherweise ist ihnen irgendwann aufgefallen, dass ihnen doch ein wenig die Haptik an ihrem Werk fehlt – vielleicht waren die Monitore von zahlreichen Betatschungsversuchen auch längst so zugeschmiert, dass eh nichts mehr zu erkennen war. Und die Haptik von verschmierten Fingerabdrücken in millimeterdicken Schichten ist ganz sicher nicht sehr befriedigend.

Jedenfalls erschien im Januar 2017 eine Sammlung unter dem neutralen Titel »GEGEN UNENDLICH. Phantastische Geschichten« – ja, mit einem ganz gegen meine Gewohnheiten auf dem Titel zu findenden »Ph«; dafür habe ich ihnen im Inneren alle »Ph« plattgemacht (oder besser: plattgemafft?) – als AndroSF 56 in meinem Verlag p.machinery.
Das Ganze ging natürlich nicht reibungslos über die Bühne. Andreas Fieberg insbesondere ist ein Altrechtschreibler – wie ich (ich hab’s mir nur abgewöhnt) – und mindestens ein so großer Pedant wie ich. Aber wir haben uns nicht nur gefunden, sondern auch geeinigt – und die beständige Diskussion über rechtschreiblerische Feinheiten birgt auch ein immenses Bildungspotenzial in sich. Soll heißen: Wer sich mit seiner Sprache nicht beschäftigt und sie bei jeder Gelegenheit auch infrage stellt, wenn es sich anbietet, der spricht am Ende kein Deutsch mehr, sondern generiert so einen fäkalen Schwachsinn wie »I bims« (und wird dann noch von mental längst durchweichten Jurymitgliedern mit einem »Jugendwort des Jahres« belohnt).
Wie auch immer: Bei den Arbeiten an dieser Anthologie, die als eine Art »Best of« für die ersten zehn E-Book-Ausgaben gedacht war – und mit brillantem Material auftrumpfen konnte –, hatte ich letztlich viel Spaß. Und ganz offensichtlich hat die Sache auch den Herausgebern Spaß gemacht, denn später wurden wir uns dann hinsichtlich einer Printausgabe ihrer E-Book-Anthologien einig.

Die ersten beiden Bände, die Nummern 11 und 12, erscheinen dieser Tage. Es hat alles ein wenig gedauert. Hier arbeiten vier Leute miteinander, die eben auch noch ein paar andere Dinge zu erledigen haben. Und so eine Zusammenarbeit muss sich natürlich auch erst einspielen. Aber wie auch immer – die ersten zwei Bände sind in der Kömme. Details zu Band 11 lest ihr hier, zu Band 12 hier. Und im Folgenden könnt ihr euch die Titelbilder anschauen. Für mich, der ich als Korrektor, Layoutbauer und Verleger gezwungen bin, meine Bücher zu lesen, war die Lektüre angenehm, entspannend und anregend. Klar, ich bin parteiisch, werdet ihr sagen. Aber das ändert an meinem Lesevergnügen auch im Nachhinein nichts.

Langsame Überraschung

In den ersten Januartagen 2014 unterschrieb Herbert W. Franke den Vertrag für die »SF-Werkausgabe Herbert W. Franke«, die in meinem Verlag p.machinery erscheinen sollte und erscheint. Damals ging es ausschließlich um Printwerke, und es war von vornherein klar, dass ich jedes der Bücher als Paperback und als Hardcover in einem etwas ausgefalleneren Format (127 x 216 mm statt meiner üblichen 127 x 203 mm) herausbringen würde. Mit der Agentur AVA International wurde schon im Vorfeld eine Option auf spätere Veröffentlichung der E-Books besprochen, wenn die Vertragsvereinbarung mit Heyne ausgelaufen sei.

Später stellte sich dann heraus, dass Heyne, die sich die Veröffentlichung der Franke-Werke als E-Books gesichert hatten, nicht alle seiner SF-Werke veröffentlichen wollten. Und so fehlen heute – nebst zwei Romanen, die man in München wohl auch nicht interessant fand – die Kurzgeschichtensammlungen im Portfolio von Heyne.
Es gab keinen Grund zur Eile, und so dauerte es eine Weile, bis mit Herbert W. Franke geklärt wurde, ob er mit der Veröffentlichung der nicht bei Heyne verlegten Werke im Verlag p.machinery einverstanden sei. Natürlich war er einverstanden.
Und es dauerte noch eine Weile, bis ich dann verlegerisch zur Tat schritt. Und in diesen Tagen wurden die ersten beiden E-Books der »SF-Werkausgabe Herbert W. Franke« veröffentlicht: die Sammlung »Der grüne Komet« und die Sammlung »Einsteins Erben«. Und wie angedeutet – es werden weitere folgen.