Und durch 27/12

  • Die Buchhaltung ist erledigt. Nichts Gravierendes. Eigentlich. Routinesachen. Leider sehr viele Zahlungserinnerungen diesmal. Zwei, nein, drei haben sich schon geklärt. Und es sieht ganz danach aus, als dürfte ich nächstes Jahr ordentlich Steuern (nach-) zahlen.
  • E-Mails habe ich nicht beantwortet. Ein paar, ja. Aber nicht die Masse, die eigentlich gestern dran gewesen wäre. Nun ja. Kismet.
  • Meine beiden Hundemädels sind wieder weg. Die kommen immer in mein Arbeitszimmer, wenn Frauchen durchlüftet. Dann ist es überall arschkalt, außer bei mir. Das passiert nicht wegen der Seuche, sondern wegen Feuchtigkeit, die sich dank ständig zu lahm laufender Heizungen – Frau! – an den Fenstern niederschlägt. Außer in meinem Arbeitszimmer. Sie übersieht dabei, dass sie durch die Lüfterei erst zusätzliche Feuchtigkeit ins Haus holt. Aber selbstverständlich ist das falsch.
  • Die Chancen stehen gut, dass das Wetter morgen genauso wird wie heute. Kalt, einstellig. Regen. Dazu Sturm. Das Auge des Tiefs liegt noch über Großbritannien.
  • Morgen werde ich mir meine Routine zurückholen und sie als Bildschirmhintergrund installieren. Mit diesem Chaos in meinem Tagesablauf geht es nicht weiter. Definitiv. Beim Fernsehprogramm stehen die Chancen wohl gut. Auf NITRO jedenfalls. Damit ist der Montagmorgen schon mal gerettet. Nur abends mit Barnaby wird’s nichts. Aber es gibt ja noch die Mediathek.

Einem großen Mann zum Achtzigsten

Jörg Weigand … Als ich Anfang der Achtzigerjahre zum kleinen aktiven SF-Fan mutierte, war das bald ein Name der großen deutschen SF-Götter. Autor, Herausgeber … von seiner Laufbahn als Journalist beim ZDF bekam ich damals gar nichts mit, das waren damals für mich Themen zweier voneinander unabhängiger Welten. SF, Literatur, Politik – das passte nicht zusammen.

Heute ist da wohl mehr Augenhöhe. Jörg Weigand ist immer noch ein großer Mann der deutschen Science-Fiction – und nicht nur dieser –, aber heute macht er gemeinsam mit Rainer Schorm Bücher für meinen Verlag, wir reden über Projekte, machen sie aus, realisieren sie, wir machen Bücher.

Wie das zustande kam, weiß ich gar nicht mehr. Ich erinnere mich, ihm einmal begegnet zu sein, auf einem OldieCon. Welcher das war, weiß ich indes nicht mehr. Irgendwie schwirrt mir 2013 im Kopf herum. Aber das heißt nichts, da schwirrt so viel. Und ich weiß auch nicht mehr, ob wir uns damals unterhalten haben.

Irgendwann kamen wir dann auf anderem Wege in Kontakt, wegen eines Buches. Das kam durch Rainer Schorm und den von ihm mit herausgegebenen Band »Ihn riefen die Sterne«, ein Gedenken an Hanns Kneifel (erschienen im Juli 2017 als AndroSF 65). Und es folgten noch mehr Bücher: »Weiberwelten« (AndroSF 81, Mai 2018), »Vergangene Zukunft« (AndroSF 118, Februar 2020), das Geburtstagsbuch zum achtzigsten Geburtstag des Thomas R. P. Mielke, dann »Zweitausendvierundachtzig«, Kurzgeschichten orwellschen Duktus‘.

Und irgendwann begannen wir, zu telefonieren. Meist ist es Jörg Weigand, der sich meldet. Er kann auch E-Mail, unzweifelhaft – aber er mag das Telefon lieber, und für mich ist es immer wieder nicht nur Freude, sondern angenehme Abwechslung, wenn er sich meldet. Und das tut er beinahe jeden Tag.

Jörg Weigand … Damals in den Achtzigern, noch in den Neunzigern wäre ich vor Stolz und Freude vergangen, wäre da so ein Kontakt wie heute gewesen. Heute ist das alles ruhiger, gesetzter – aber nicht minder mit Stolz und Freude erfüllend. Und heute wird dieser große Mann der deutschen Science-Fiction, der nicht so früh wie Walter Ernsting und Herbert W. Franke, aber wohl von ebensolcher Bedeutung die deutsche SF vorwärtsgebracht hat, die auch ohne ihn heute nicht das wäre, was sie ist (und sie ist definitiv sehr viel mehr, als so manches Schandmaul über den Zustand der deutschen SF kolportieren möchte).

In den letzten Wochen haben wir – Karla, Jörgs Gattin, Rainer Schorm und letztlich ich – unser Geburtstagsgeschenk präpariert, und einmal mehr haben wir eine terminliche Punktlandung zuwege gebracht. Und nicht nur dank der zahlreichen Autoren, sondern auch dank der Leistung des Berliner Schaltungsdienst Lange.

Heute Morgen habe ich Jörg angerufen und ihm zum Jubeltage gratuliert. Es war wie immer eine freudige Gelegenheit, mit ihm zu sprechen. Und nebst Gesundheit, Glück und Erfolg hat er sich Zufriedenheit gewünscht; die Weltherrschaft interessiert ihn nicht so sehr, meinte er.

Weigand, Karla & Schorm, Rainer (Hrsg.), IN 80 JAHREN UM DIE WELT

Zappa wäre 80  

Frank Zappa, Vincent mit zweiten Vornamen, wurde heute vor achtzig Jahren in Baltimore geboren. Er starb nicht nur für meinen Geschmack viel zu früh am 04.12.1993.


Frank Zappa @ Toronto, 24.09.1977
Von Jean-Luc – originally posted to Flickr as FRANK ZAPPA, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6799138

Meine ersten Erinnerungen an seine Musik waren alles andere als positiv. Während meiner Schulzeit und bis zum Abitur 1978 war das, was ich von ihm hörte, sinnloses und nervtötendes Gitarrengedudel und -gejaule. Das änderte sich beinahe schlagartig, als ich während meiner Bundeswehrzeit durch einen Kameraden »Sheik Yerbouti« und »Joe’s Garage« (mit allen »Acts«) auf die Ohren bekam. Damals hatte ich nicht nur erstmals Gelegenheit, auf die Texte zu hören und sie zu verstehen, sondern mit meinem erwähnten Kameraden auch darüber zu sprechen.

Und damit hatte Zappa einen neuen Fan gewonnen. »Tinsel Town Rebellion« erinnerte mich ab 1981 immer wieder und sehr intensiv an meine Bundeswehrzeit, die ich im Gegensatz zu nicht wenigen Kameraden seinerzeit und später durchaus genossen hatte. »Baby Snakes«, »Francesco Zappa« und immer wieder die beiden Scheiben ganz vom Anfang verfestigten meine Leidenschaft für seine Musik, seine Texte und das, was von seinen Shows auf den Platten zu erleben war; ihn live zu sehen, das war mir leider nicht vergönnt.

Ich habe bis heute nicht alle seiner Platten gehört, aber doch recht viele. Die alten Favoriten sind die Favoriten, die »all time favourites« geblieben. Und sie wurden Ende 1986 oder Anfang 1987 durch den akustischen Flash »Jazz from Hell« und sehr, sehr viel später durch »The Best Band You Never Heard in Your Life« bereichert. Legendär ist für mich heute seine Gitarre – die, die mich vor dem Abi immer genervt hat – und seine markante Stimme, seine Art zu singen und seine Sprüche …

»So, let’s say another secret word for tonite … The secret word for tonite is … Franz Zappa!«

Weil ich kein’ Reis mag

Obwohl ich’s gar nicht wollte
Sagte ich: »Freitag
Toll, lass’ uns in die Sushibar«
Ich sagte zu dem Luschi: »Klar«
Doch ich war nicht gerad’ begeistert
Als sein Freund in den Kreis trat
Mich vollblaht und voll auf nice tat
Wusst’ ich gleich, das wird ‘n Scheißtag
Weil ich kein’ Reis mag
(Deichkind, Schweiß und Tränen)

  • Der Tag fängt an mit E-Mails und Forenbesuchen.
  • Belege für den Verlag geschrieben.
  • Rechnung für global:epropaganda geschrieben. Kleinvieh. Macht auch Mist.
  • Einkauf bei Famila. Harmlos. Keine Panik, keine Hamsterkäufe, kein Weltuntergang. Wofür gibt’s denn eigentlich die Coronamaßnahmen, wenn keiner mitmacht?
  • Den Vormittag über Amazon wegen Außenbeleuchtung gecheckt. Frau ist mit der abendlichen und nächtlichen Beleuchtungssituation unzufrieden. Hat bei Aldi einen Haufen Gedöns gekauft, alles Glump, Schrott, Billigscheiß aus China. Die Beschreibungen bei Amazon sind so kacke, dass ich bei Obi schauen will. Die sind gerade dicht, denn in den aktuellen Maßnahmen sind auch Baumärkte nicht geöffnet. Eine Leuchte über den Hauseingang hätte ich gefunden, aber die käme erst Ende Januar aus China. Ich kauf doch nix in China.
  • Am Ende dann einen neuen Staubsauger bestellt. Miele Blizzard CX 1. Den alten hat Frau geliefert. Wurde immerhin vierzehn Jahre alt. Nu willer nich mehr. Ich schaue mal, ob man ihn reparieren kann. Fürs Obergeschoss. Obwohl Frau meint, sie brauche keine zwei Staubsauger. Jaja. Deshalb haben wir ja auch diesen dämlichen Chinesenroboter.
  • Mittagsgassi mit Klönschnack. Es ist sonnig, nicht sehr kalt.
  • Danach E-Mails und Kleinkram. Ich kann so nicht arbeiten, wenn ich nicht entscheiden kann, wo ich anfangen soll. Und das kann ich heute nicht.
  • Spätgassi auf der Ostenfelder. Immer noch kalt. Es wird nur dunkel. Gassitour abgebrochen, weil Kim leicht humpelt. Klönschnack mit dem Herrchen von Rocco, einem staatlichen … nein, beeindruckenden Labbirüden.
  • Ich habe vergessen, mein Insulin zu holen. Naja, noch hab ich was. Montag halt. Die Arztpraxis hat ja auf.
  • Daheim Hunde gefüttert, dann Altpapier entsorgt. Wird diesmal schon am Samstag geholt.
  • Werkzeugkiste fürs Obergeschoss zusammengestellt. Ich will da endlich den Fernseher im Schlafzimmer einrichten und in Gang bringen. Wird Zeit. Ein Projekt, das schon fast zwei Jahre alt ist. Die Kiste ist nötig, weil es nervt, für jede Schraube und jede Zange nach unten zu rennen.
  • Noch ein paar Mails, noch ein bisschen Kleinkram. Kalendereintragungen für die Mülltermine 2021. Lauter Scheiß.
  • Es war kein Tag. Es war ein Scheißtag. Dabei mag ich doch Reis. Trotzdem: Völlig unproduktiv. Und wenn man es genau nimmt: arschteuer. 90 Euro bei Famila, 310 Euro bei Amazon für den Saugstauber. Da ist die Rechnung von heute Morgen schon verdampft. Locker.

Nachtagrockt 17/12

  • Schietwetter. Regen.
  • Ein E-Book nachgearbeitet, es gab Korrekturen.
  • Mittags aufs Gassigehen verzichtet. Bei Regen Gassi zu gehen, ist keine artgerechte Haltung. Nicht für die Hunde. Für mich. Ich bin nur Sternzeichen Fisch, aber ich mag kein Wasser. Das ist wie mein Aszendent: widderlich.
  • Am Layout für die Klinik gebastelt. Das Dokument ist mit Formatvorlagen durchformatiert. Nur noch ca. 460 Seiten. Als Nächstes kommt das Korrektorat, dann Feinlayout.
  • Gassigang um vier war schön. Trocken. Mild. Kein Frühling, aber auch kein Winter.
  • (Ich bin gespannt, ob jemand den Titel dieses Beitrags versteht.)

Das ist mein Mädchen!

Die letzten Tage ging es Kim nicht gut. Und gestern ging es ihr schlecht.

Kim ist ein Mix von Labrador und Schnauzer. Der Labrador lieferte die Farbe (schwarz, die braun schimmernden Stellen stammen wohl vom Schnauzer), eine Reihe von Charaktereigenschaften und die Lust auf alles, was man fressen kann. Ein Labbi halt. Nur mit Wasser hat sie es nicht so.

Kim bekommt morgens eine Tablette, ein Schmerzmittel wegen ihrer altersbedingten Knochengerüstmalessen, dieselbe, weil sie nicht sehr groß ist und sich nicht vernünftig zerkauen lässt, mit einem Stückchen Käse, ein Brie, schön weich, schön lecker. Und gestern nahm sie das Stückchen Käse nicht. Und das nicht wegen der Tablette.
Den ganzen Tag über mäkelte sie an den Leckerlis herum, nahm nicht alle. Und abends dann die endgültige Katastrophe: Zum allerersten Mal in den rund neuneinhalb Jahren, die sie nun bei uns ist, hat sie ihren Napf nicht leer gefressen. Huhn mit Gemüse, dazu Kartoffelflocken, mit Wasser angesetzt (das ist dann wie Kartoffelbrei). Nach der Hälfte war Schluss. Ich konnte sie noch überreden, ein wenig mehr zu fressen, aber nach drei Vierteln ging einfach nichts mehr. Sie ging weg und ließ sich nicht mehr locken.

Ich hatte schon vorher überlegt, was ich tun konnte. Sie war nicht nur unlustig, was die Aufnahme von Nahrung anging. Sie war müde, irgendwie niedergeschlagen, unaufmerksam – sie reagierte nicht auf jede Ansprache –, beim Gassigang lief sie neben mir her, was sie normalerweise nie tut, sie geht immer voraus. Ich entschied dann – ohne Rücksprache mit der Tierärztin –, das Gabapentin abzusetzen, das sie wegen ihrer neurologischen Probleme – ihr Zittern und Schwanken – bekam, ein Humanmedikament – in meinen Augen für ein Tier sowieso nicht wirklich geeignet – gegen epileptische Symtpome und neuropathische Schmerzen. Ich gab ihr abends die übliche Kapsel einfach nicht.

Das Ergebnis zeigte sich schon in der Nacht. War sie in den zwei Nächten zuvor unruhig, stand immer wieder auf und taperte im Schlafzimmer herum – sehr schön dank des nicht vorhandenen Teppichs auch das Geräusch ihrer Krallen auf dem Laminat. Gestern Nacht schlief sie praktisch wie immer. Sie wurde einmal wach, trank Wasser, wollte zum Pieseln runter und schlief dann weiter.
Morgens nahm sie ihren Käse, und um kurz vor acht Uhr fanden wir uns wie verabredet bei der Tierärztin ein, direkt in der Nachbarschaft. Nach dem üblichen Theater, das Kim beim Anlegen des Maulkorbs – ein einfaches Stoffteil, das das Zuschnappen und Beißen verhindern soll – anstellte, war alles nicht ganz so tragisch. Fieber hatte sie nicht, ihr Magen war leicht verhärtet, was auf Magenschmerzen schließen ließ, und gegen ihren Schnupfen – sie niest schon längere Zeit häufig und heftig – bekam ich Tabletten mit pflanzlichen Wirkstoffen, schön groß diesmal und geschmacklich so attraktiv, dass Kim sie mit rechter Begeisterung zu sich nahm.
Und schon beim mittäglichen Gassigang dachte ich mir: ›Ja, das ist mein Mädchen.‹ Da lief sie im Freilauf vor mir her, strammen Schrittes, wie immer, bis sie anhielt, sich umdrehte und auf mich wartete, um ein Leckerli zu kassieren. Und am Abend war alles wie immer: Der Napf leerte sich mit der für einen Labbi typischen Geschwindigkeit, vollständig – und nur Naomi fand wie üblich noch das eine oder andere Molekül, das sie mit griechischer Sorgfalt seiner Bestimmung zuführte.

Meinem Mädchen geht es wieder gut. Sie ist immer noch alt, sie ist immer noch nicht hundertprozentig fit, aber ohne Gabapentin ist sie wieder das, was ich erwarte, wenn ich sie anschaue, wenn ich sie rufe, wenn sie zu mir kommt, mich anschaut …
Und jetzt, wo es ihr wieder besser geht, fühle auch ich mich wieder besser.

P.S.: Übrigens … das ist auch mein Mädchen … Meine Naomi …

Vom Tage 14/12

  • Heute war es einfach.
  • Ein Einkauf. Lauter Bekloppte. Hat wirklich irgendein Politiker geglaubt, die Leute würden vor dem neuerlichen Verschlusszustand nicht einkaufen, als gäbe es kein Morgen? Mehl war fast weg, vor allem die Ökofuzzisorten. Weizen kann ja jeder. Und Klopapier übel dezimiert. Ich erwischte den vorletzten Hefewürfel. Und nahm noch zwei Packen Klopapier mit. Wenn schon kein Mehl mehr da war.
  • Zwei Gassigänge. Der mittags war nicht schön. Wind und Regen, aber nicht mal richtiger Regen. Nur so einer, der dann Arbeit macht, weil die Hunde patschnass sind. (Und mäkelig sind die zwei neuerdings auch. Ständig gibt’s was an den Leckerlis zu meckern. Blöde Weiber, blöde.)
  • Und ansonsten eine Arbeit für ein großes deutsches Klinikum, die ihren Masterplan 2020 in eine optisch einheitliche Form gebracht haben möchten. Dazu Korrektorat, Vereinheitlichung von Schreibweisen, Aktualisierung des Inhalts- und des Abkürzungsverzeichnisses. Ein Job, dem man eine gewisse Stupidität nicht absprechen kann. Aber manchmal mag ich das.
  • Und vor Inspector Barnaby ein wenig laute Musik. Zappas »Heavy Duty Judy« und der »Ring of Fire« (von »The Best Band You Never Heard In Your Life«). Es gab mal Zeiten, da konnte ich Zappa nicht leiden. Zum Glück erinnere ich mich nicht dran.

Das ist das Ende

Die Formel 1 ist zu Ende. Natürlich nicht für immer. Die Saison 2020 ist gelaufen. Heute war das letzte Rennen in Abu Dhabi. Aber gleichzeitig war es auch das letzte Formel-1-Rennen, das ein Normalsterblicher ohne masochistische Anfälle und Geldscheißer im Keller im freien Fernsehen anschauen konnte. Nach 30 Jahren war das heutige Rennen das letzte, das RTL übertragen hat. Damit geht eine deutsche Fernsehära zu Ende. Und ich bin traurig.

Ich mag keine Privatsender. Auch RTL nicht. Deren Programm ist bestenfalls peinlich. Bei RTL ist das sogar schlimmer, nämlich dämlich. Stundenlange Dokusoaporgien mit kölschen Bullen, hysterischen Weibern und durchgeknallten Typen gehen an die Substanz, deren Rest dann von Shows mit Dieter Bohlen und Steuern schuldenden Comedians plattgemacht wird. Aber die Formel-1-Berichterstattung war einwandfrei, das hat gepasst und das waren meine persönlichen RTL-Highlights, von denen sich in den letzten zwei Jahren auch die DTM, deren Berichterstattung man zur Schlachtung Sat.1 übergeben hatte, etwas hätte abschauen können.

Nun ist es vorbei. Und ich bin ein wenig traurig. Für mich gibt es nun keine Autorennen im Fernsehen mehr, die ich anschauen könnte. Von Sky, die die Formel 1 ab 2021 alleine übertragen dürfen, habe ich mich gerade getrennt: zu teuer, kein Service, Verarschung in den Werbesprüchen. Die DTM gönne ich mir nicht, solange der Moderator nicht in den Senderkeller zum Aktenwaschen geschickt wurde und jemand moderiert, der die Zuschauer nicht flächendeckend für blöd hält und auch so behandelt. Und Motorradrennen, die es z. B. auf ServusTV oder auf Eurosport gäbe, sind nicht mein Ding.

Nun ist es also vorbei. Aber wer weiß schon, wozu es gut ist.

Keine Werbung für die Sprache

Stelle ich mir vor, jemand aus der zweifelhaften Riege deutscher Werbefachleute würde einen Werbespot für die deutsche Sprache machen, packt mich gleich beim zweiten gedanklichen Ansatz eher das kalte Grausen. Wie das wohl aussehen würde? Ein Spot mit hübschen Bildern, hübschen Menschen, die Bücher großer deutscher Klassiker lesen – Goethe, Schiller, Mann, Grass, Böll – und in einem weisen Text wird herausgestellt, welche Bedeutung die deutsche Sprache für den deutschen Teil der Menschheit – jedenfalls den, der noch Deutsch kennt und spricht – besitzt, und wenn man sich dann angenehm berührt und von Ehrfurcht und Demut erfüllt zurücklehnt, kommt der Slogan: »So speak more German, friend!« Oder: »German is an attitude«, »straight to the soul of German«. Und nächste Woche bietet Dyson dann den »Wireless Deutsch-Concealer« an …
An den Haaren herbeigezogen?
Ich will es schwer hoffen. Ich bete inständig dafür.
Hoffnungsvoll bin ich indes nicht mehr. Eher im Gegenteil.

Gestern habe ich mir auf RTL das letzte Formel-1-Qualifying angeschaut, das RTL jemals übertragen wird – ab 2021 gibt es die Formel 1 im Fernsehen nur noch bei Sky –, und dabei habe ich mir mal notiert, was in einem der Werbeblöcke so vor sich ging. Vorab gebe ich zu: Die Mischung war noch verhältnismäßig harmlos; ich hatte auf RTL und auf NITRO schon das absolut zweifelhafte Vergnügen einer ganz anderen Mischung, bei der ich mich fragen musste, ob beim Brexit irgendwas mit der eingeschlagenen Himmelsrichtung falsch gelaufen ist.

Und das ging da ab:

Männerbadeanstalt Neukloster, Becken 4 …

  • … Telefonzentrale, mein Name ist Haitel, was kann ich für Sie tun … Heute war Telefontag. Zum Glück telefoniere ich in der Regel – und außerhalb – mit einem Headset.
  • Aber zuerst gab es einen Einkauf bei Famila; siehe dazu meinen Beitrag morgen früh. Und unten. Ganz unten.
  • Danach gab es Kleinkram. Vorbereitungen zum Versand des dritten Ikebana-Buches.
  • Das erste Telefonat war eine Buchhandlung aus Hamburg, die eine Abbestellung ankündigen wollte. Ab-, nicht Be-. Die bekam ich auch gleich per Mail. Was ich bislang nicht bekommen habe, ist die Bestellung. Nur die Ab-, keine Be-.
  • Nach dem mittäglichen Gassigang – kurz, aber arschkalt – musste ein Klappsofa demontiert werden, das meine Gattin (2010–) für neunzig Euro verkauft hat. Es ist im Weg, nimmt Platz weg, behindert ihre angehende Selbstständigkeit als Kranichheilerin und Massagetherapeutin und ihre Weltherrschaft ist auch in Gefahr.
  • Dann Dieter Rieken, der eh schon beanstandet hatte, hier überhaupt nicht mehr aufzutreten. Das ist in der Tat schade, auch, weil sein Buch »Land unter« ausgerechnet in Augsburg ein echter Verkaufsschlager scheint. Und das nur, weil Dieter dort lebt. Denn eigentlich ist er aus dem Norden, den er in seinem Buch hat untergehen lassen, und dort interessiert man sich praktisch gar nicht für das Werk. Möglicherweise ist man stinkig, dass er von Norderney nur das oberste Geschoss eines Hochhauses übrig gelassen hat. Kleingeister, kleingeistige.

  • Wir unterhielten uns über Norbert Stöbes Buch »Kleiner Drache«, auch so ein unauffälliges Meisterwerk, das nicht nur spannend geschrieben ist, sondern auch vielschichtig viele Interpretationsansätze bietet. Dieter wollte sich meiner Sicht der Welt versichern, bevor er sich mit Norbert über das Buch unterhalten will. Dieter ist ein Rezensionsschreiber, der sich echte Mühe gibt und nicht nur einige Phrasen runterhackt oder Ameisen fickt, die gerade seinen Pfad zu kreuzen scheinen.

  • Nachfolgend gab es dann zwei Telefonate – eines lang, eines kurz – mit Jörg Weigand. Die sind inzwischen normal. Täglich. Manchmal gibt es auch einen Tag Pause. Ich glaube, ich würde mir Sorgen machen, wären es zwei Tage Pause. Aber das findet nicht statt.
    Wir unterhielten uns über ein Projekt für einen fetten Bildband mit Storys, die von den Bildern inspiriert wurden. Es ging um das inhaltliche Konzept – SF und Weird Fiction werden wir trennen, um Durcheinander zu vermeiden –, um die Frage des Layouts, wer was genau zu machen hat, machen will und machen wird. Darüber hinaus vereinbarten wir, eine Auflage X – es wird eine Schnapszahl sein: 33, 44, 55 Ex., so was in der Art – als Hardcover zu machen und eine Subskription anzubieten.

Beim morgendlichen Einkauf fiel mir einmal mehr auf, dass immer mehr Produkte irgendwelche englischen Namen, Bezeichnungen, Beschriftungen aufwiesen. Ich überlegte, ob jemand, der des Englischen nicht mächtig ist und zur Vermeidung von Fehlkäufen nur rein deutsche bezeichnete Produkte kaufen möchte, vermutlich verhungern würde. Unser Land ist echt arm. Die Leute, die für Produktentwicklungen verantwortlich sind, sind drogensüchtig und vom ständigen Masturbieren verblödet, die, die die Produkte verkaufen, sind geldgierig und rücksichtslos, jedenfalls dann, wenn sie nicht wichsen und Drogen nehmen, und die Kunden, die sich das gefallen lassen, schauen kalt lächelnd zu, wie die des Englischen nicht Mächtigen elendiglich verhungern, während sie, die Ignoranten, sinnlose Anglizismen zu gendern versuchen. Ich glaube, die Deutschen werden nicht aussterben, weil sie keine Babys … fck! Kinder mehr machen.