Ein Brocken Arbeit

In diesem Buch, das in diesen Tagen in meinem Verlag p.machinery erscheint, steckt ordentlich Arbeit – und das nicht nur von mir. Obwohl es im Grunde recht einfache Arbeit war, denn das Rohmaterial war in sehr gutem Zustand. Aber 500 Seiten im Endprodukt sind eben 500 Seiten im Endprodukt, die nicht nur lektoriert, sondern einfach auch korrigiert werden wollten, und so waren neben Robin Li als Autor und meiner Wenigkeit als Lektor, Korrektor und Verleger auch noch eine genze Reihe anderer Personen beteiligt: Regina Löwenstein, Ute Taimada, Christian ›Marvin‹ Bressler und Martin Oder aus Robins Umfeld (und Martin Oder hat auch das Titelbild beigesteuert), und nach einem Aufruf im SF-Netzwerk hat sich zuletzt auch Felix Woitkowski bereitgefunden, sich durch den Wälzer zu ackern, und er hat noch viele, viele winzige, aber letztlich ärgerliche Fehlerchen gefunden. Mein Dank euch allen.

Dass das Buch keine Trilogie geworden ist, habe ich kurz auf pmachinery.de erläutert: hier. Ein weiterer, dort nicht ausgeführter Grund für mich war die Homogenität der drei Teile, die beim Lesen den Eindruck erweckten, eigentlich direkt aufeinander zu folgen. Es gab keine großen Pausen, keine Handlungsbrüche, keine Sprünge – nicht mal im Schreibstil Robin Lis gab es erkennbare Brüche, sodass es einfach mehr als naheliegend schien, aus den drei Teilen, die ansonsten nur dünne Büchlein ergeben hätten, einfach einen Wälzer zu machen. Und ich hatte schon sooo lange keinen Wälzer mehr im Programm <g>.

P.S.: Apropos Wälzer: Das waren damals die ersten AndroSF-Bände, Robert Hectors Perry-Rhodan-Hymne zum PR-Band 2500, sein Kompendium zu »Maddrax« und vor allem die beiden ersten Story-Center-Bände »Boa Esperança« mit der gleichnamigen DSFP-2010-Gewinnerstory von Matthias Falke, sowie »Das Wort«. Das waren damals Brocken mit bis zu 600 Seiten, die in der Produktion bei Books on Demand noch einen Verkaufspreis von knapp 30 Euro erzeugt haben – bei einer Marge von unter 10 Cent! Das waren noch Zeiten. (Details zu den ersten AndroSF-Bänden finden sich hier.)

Offener Brief an den Landrat Anton Speer, den Landrat des Landkreises Garmisch-Partenkirchen

Sehr geehrter Herr Landrat Anton Speer,

wann nehmen Sie nun endlich Ihre Arbeit auf? Wann hören Sie auf, sich auf Ihren Steuereinnahmen in Ihrem Bürosessel und Ihrem Dienstfahrzeug auszuruhen? Wann endlich tun Sie etwas für die Wähler, die Ihnen zu Ihrem Posten verholfen haben? Oder anders ausgedrückt: Wann hören Sie auf, sich zu benehmen, als seien Sie ein Politiker mit dem falschen Parteibutton auf der Brust?

Herr Hütter und die kalte Neun

Irgendwann fand Herr Hütter die Gelegenheit günstig, sich eine Waffe zuzulegen. Eine Schusswaffe. Er war nicht der Typ, der das brauchte. Er mochte Schusswaffen nicht. Eigentlich mochte er überhaupt keine Waffen. Andererseits war Herr Hütter Realist. Und er wusste, was ein Werkzeug war, wozu es diente, welche durchaus positiven Effekte es haben konnte, wenn man als Mensch ein Ziel erreichen wollte. Und sei es nur das Ziel, zu verhindern, dass jemand anderes ein Ziel erreichte, von dem man, er, Herr Hütter, nicht wollte, dass derjenige es erreichte, weil es ihm, Herrn Hütter, nicht gefiel.
Er dachte durchaus darüber nach. Sich eine Waffe anzuschaffen, das hatte Konsequenzen. Nicht nur, aber vor allem auch bei Schusswaffen. Man übernahm automatisch Verantwortung. Im Umgang mit der Waffe. Für die Waffe. Und für andere Menschen. Man musste dafür sorgen, dass niemand, der nicht befugt war, an die Waffe gelangen konnte. Vor allem Jugendliche nicht, Kinder. Vor allem solche nicht, die Ballerspiele liebten und denkbarerweise dazu neigen konnten, Amokläufe an Schulen zu veranstalten. Menschen zu töten.
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Föhnstörungen

Seehausen am Staffelsee, 09.10.2014. Der bayerische Föhn hat eben auch Nachteile. Nicht nur Kopfschmerzen. In den Köpfen mancher Zeitgenossen richtet er noch Schlimmeres an.

Eigentlich wäre dies eine Geschichte für Herrn Hütter, aber der ist gerade in Kanada auf einem TOGA, einem »Training für optimierte Gewaltanwendung«. Auf unserem Mittagsspaziergang geschah in Seehausen auf der Dorfstraße Seltsames.
Dort befinden sich zwei Bauerhöfe, direkt an der Dorfstraße, die nicht sehr stark befahren ist. Eine Dorfstraße halt. Einer der Bauernhöfe hat einen Stall direkt an der Straße, und die Tür stand offen. Kim, neugierig wie immer, blieb stehen, schaute hinein. Naomi tat etwas anderes: Sie wich hinter mir zurück, was ich aber nicht gleich realisierte. Ich zog an der Leine, um sie von der Fahrstraße herunterzuholen, aber sie folgte nicht, zog weiter weg von der Tür – und irgendwann hatte sie sich aus dem Halsband herausgewunden.
Naomi neigt nicht dazu, wegzulaufen, selbst dann nicht, wenn ihr nicht wohl ist, sie Angst hat. Bisher jedenfalls. Und so auch während dieser Situation nicht.
Aber sie stand mitten auf der Dorfstraße. Und in so einer Situation lässt sie sich nicht mit Leckerlis locken. Und während ich versuchte, sie zu mir zu holen, während sie immer wieder ein paar zögerliche Schritte auswich, wenn ich mich ihr nähern wollte, kam vom See her ein Auto.
Ich gab ein Handzeichen, dass der Fahrer anhalten solle. Keine erkennbare Reaktion. Ich verschärfte das Handzeichen durch heftiges Wedeln mit der Hand. Der Wagen wurde langsamer, aber anzuhalten gelang dem Fahrer nicht. Stattdessen ließ er den Wagen langsam auf Naomi zurollen – bis er sie berührte.
Naomi sprang erschrocken zur Seite. Natürlich. Sie lief noch ein Stück die Dorfstraße entlang, dann auf den Fußweg.
Ich trat dem Autofahrer eine Beule in den Kotflügel, und als er erkennbar darauf reagieren wollte, lehnte ich mich mit geballter Faust und brüllend (den O-Ton habe ich vergessen) auf seine Motorhaube, was er offensichtlich korrekt als Hinweis darauf verstand, was passieren würde, würde er seinen Wagen verlassen …

Naomi saß auf dem Fußweg. Sie ließ sich immer noch nicht locken, aber ich bekam sie dann doch wieder ins Halsband. Sie sah mich an, als sei nichts gewesen. Ich dachte an Herrn Hütter. Und ich hätte für Naomi eine Körperverletzung begangen, wäre der Typ aus seinem Wagen gestiegen.

Kein Paradies

Murnau am Staffelsee, 09./10.10.2014. Es ist seltsam, an solchen Tagen ausgerechnet die »Jesse Stone«-Filme nach Robert Parkers Büchern anzuschauen. Draußen ist es warm, die Sonne scheint, der Himmel ist strahlend und stahlblau. Es geht ein föhniger Wind.
Und ich arbeite vor meinen vier Monitoren. Das ist okay, das wäre richtig, würde nicht auf einem Monitor ein »Jesse Stone« nach dem anderen laufen. Ich bin Tom-Selleck-Fan, und ich liebe die Parkerschen »Stone«-Krimis und die Filme mit Tom Selleck, der in dieser Rolle die Rolle seines Lebens gefunden hat. Irgendwo schrieb ich, glaube ich, schon einmal über den Kontrast zwischen Magnum p.i. und Jesse Stone, der auch etwas über den Kontrast zwischen Tom Selleck Anfang der 80er und Tom Selleck in den 2010ern aussagt.
Und es bleibt seltsam, an solchen Göttertagen ausgerechnet diese Krimis zu schauen, die in einem düsteren Paradise, Massachusetts, spielen, mit einem Polizisten, der die Definition eines gebrochenen Charakters sein könnte, wäre er nicht auf bewundernswerte Weise einfach, direkt, ehrlich, sympathisch. Jesse Stone müsste ein schlechter Mensch sein, würde er in einem anderen Film dargestellt werden. Aber er ist es nicht. Er ist ein beinahe herzzerreißend guter Mensch.
Und die Filme … Es ist klar, dass die für mich erschütterndste Passage die aus »Night Passage« (deutsch: »Knallhart«) ist, als Jesse Stone seinen Boomer einschläfern lassen muss. Eine unprätentiöse, unaufgeregte Szenenfolge um das abgrundtief verstörende Ende einer Beziehung zwischen einem Menschen und seinem Hund. Und die Erinnerung daran bleibt auch durch Reggie aufrechterhalten, der andere Hund, der nicht immer, aber oft so scheint wie sein Herrchen. Obwohl Jesse Stone aka Tom Selleck sein Herrchen gar nicht ist (Reggie, der Hund, stammt aus dem ersten Film, »Stone Cold« [deutsch: »Eiskalt«], und ist der Hund einer Figur, die gleich am Anfang des Films als Leiche aufgetaucht ist).

Es ist seltsam, an solchen Tagen solche Filme anzuschauen. Aber vielleicht ist es besser, als es an trüben, nebligen Novembertagen zu tun, wenn man sich gerade von jemandem getrennt hat.

Warum man nicht immer auf seine Frau hören sollte

Unsere Hunde sind nicht ganz gesund. Kim hat eine offensichtlich chronische Entzündung der Vagina. Ist in Behandlung. Nach ein büschen Antibiotika nun homöopathisch. Sieht auch eigentlich ganz gut aus. Naomi hat Giardien. Und Kim vermutlich auch. Seit gestern gibt es dagegen Medizin. Laut Anweisung der holden Gattin:

Nach dem Essen zwei Tabletten (länglich; es ist schon nicht klar, was mit »zwei Tabletten« gemeint ist, weil eine Tablette keine Tablette ist, sondern ein zweigeteiltes Dragee), zerstoßen, dazu ein wenig Pulver von irgendwelchen Dummstippenmuscheln (oder Dünnlippenschnuffeln, ich habe keine Ahnung, steht nicht auf dem Gefäß; aber die Hunde rasten bei dem stinkenden Zeug völlig aus), und oben drauf Leinöl, das Ganze ein büschen mischen und dann aufschlabbern lassen.

Bei Naomi – null problemo. Kim sitzt daneben und sabbert sich einen (ihren Gesichtsausdruck kann man nicht beschreiben). Ich hab Kim dann einfach die beiden Tabletten gegeben, ohne Gedöns. Chrapp, chrapp, weg waren sie. (Sie hat Leinöl und Muschelmuschel separat hintendrauf bekommen.)

Wenn im menschlichen Leben nur alles so einfach wäre. Grins.

Sonnenbrille und Gewitterfresse

Seewaldweg, so heißt der Weg am südlichen Ende des Staffelsees. Am Anfang noch asphaltiert, mit Grundstücken, besetzt von mehr oder minder luxuriösen Gebäuden, deren Inhaber mit Duldung oder gar Genehmigung der Behörden Seehausens – bekannt auch als das Testgelände für deutsche Verbotsschilderhersteller – sogar ihre Verbotsschilder noch in den See stecken durften. Damit Hunde dort nicht baden. Die Hygiene gewahrt wird. Freilich kontrolliert niemand aus der Obrigkeit, ob nicht die Menschen die Hygiene des Sees versauen.
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