Dritte Freude

Ich weiß nicht, wie es anderen Kleinverlegern geht, aber ich freue mich, wenn Kunden … äh, Autoren wiederkommen. Und das gilt natürlich auch für Herausgeber, Zeichner usw. usf.
Zum dritten Mal jedenfalls darf ich bei p.machinery eine Anthologie des Fantasyguide veröffentlichen, einer Internetseite, die schon auf mehr als zehn Jahre Tradition zurückblicken darf. Michael Schmidt hat in diesem Werk einige beeindruckende Storys zusammengestellt, und mit meinem Verlag beweise ich einmal mehr, dass ich Kurzgeschichten liebe und mir die Genres schnurz sind, so lange die Werke wie hier hohe Qualität bieten.

Michael Schmidt & fantasyguide.de präsentieren
DER LETZTE TURM VOR DEM NIEMANDSLAND
Fantasy 24
p.machinery, Murnau, September 2017, 282 Seiten, Paperback
ISBN 978 3 95765 104 4 – EUR 11,90 (DE)
eBook-ISBN 978 3 7438 3094 3 – EUR 5,99 (DE)

Weitere Details (z. B. die einzelnen Geschichten und deren Autoren) finden sich hier. – Und bekanntermaßen gibt es Ärger mit CreateSpace, was die Veröffentlichung des Buches über deren PoD-Schiene angeht; Genaueres liest der geneigte Leser hier.

Fast verhoben

Dass ich mich fast verhoben habe, könnte man mir unterstellen. Ja. Als Patrick Schön das Anthologieforum als eigenständiges Forum einstellen wollte, habe ich zumindest mal die Domain gesichert – zu einer Wiederbelebung eines echten Forums bin ich indes noch nicht gekommen. Allein bei Facebook dümpelt das Ding ein wenig vor sich hin.
Und dann waren da noch die Anthologien …

»2112 – Geschichten aus einer dystopischen Zukunft« erschien schon im August 2014 als AndroSF 42. »Die Schrecken der Vergangenheit« (Horror 6) dauerte dann bis Februar 2017 – und erst in diesen Tagen erscheint auch endlich die letzte von Patrick Schön herausgegebene Anthologieforum-Zusammenstellung mit einer Sammlung fantastischer Krimis: »Unfassbar!« (AndroSF 67).

Das Titelbild ist eine ganz winzige, aber bemerkenswerte Geschichte. Es gab kein Titelbild. Ein Grafiker hat aus seinem fertigen Fundus zwei Bilder geliefert, die mir spontan gefielen – aber nicht für dieses Buch. Auf wen ich mich aber immer verlassen kann, das ist Lothar Bauer: Seine beiden Cops, die nun das Titelbild zieren, kamen quasi von der Stange, waren fertig, haben gepasst – et voilà, endlich habe ich mal wieder ein frisches Lothar-Bauer-Titelbild.

Patrick Schön (Hrsg.)
UNFASSBAR!
Fantastische Krimis
AndroSF 67
p.machinery, Murnau, Juli 2017, 122 Seiten, Paperback
ISBN 978 3 95765 099 3 – EUR 8,90 (DE)
eBook-ISBN 978 3 7438 2529 1 – EUR 4,49 (DE)

Hochgeholt

Einen Fleck kann man immer wieder ins Licht der Öffentlichkeit zerren. Den Bierfleck auf dem Glastisch. Den Blutfleck auf dem Bettlaken. Den Rotweinfleck auf dem Sofa. Den …
Genug.

Dieser Fleck gehört noch einmal hochgeholt, denn Dirk C. Flecks »Palmers Krieg« stammt zwar aus dem Jahre 1993, ist aber auch heute noch – oder vielleicht gerade heute? – hochaktuell. Es geht um Öl, Erpressung, Umweltschutz. Es könnte auch um Plastik im Meer, Klimaerwärmung, Umweltverschmutzungen in Indien, Bangladesh und all den Dritte-Welt-Ländern, die sich eine wahre Gegenwehr nicht leisten können, gehen. Es geht gegen die, die gegen uns sind. Das ist das zentrale Motiv von »Palmers Krieg«. Auch nach 24 Jahren ist dieses Buch lesenswert. Ohne Zweifel.

Mehr Details zum Buch: hier.

Verdächte überall

Ein schönes Wort, nicht wahr? »Verdächte« ist die laut aktuellem Duden zulässige Mehrzahl von »Verdacht« … Aber darum geht es hier gar nicht. Oder doch.

Man könnte den Verdacht haben, Frank Lauenroth hätte zu allererst eine Idee zu einem Titelbild gehabt und Lara Möller danach den passenden Roman schreiben lassen. Jedenfalls kam Frank auf mich zu, ob ich den Actionroman »Detroit Undercover« von Lara veröffentlichen wollen würde. Ich würde sie kennen, weil ich mal eine Kurzgeschichte von ihr gehabt hätte … nun ja, kennen konnte man dazu nicht wirklich sagen. Aber es kam ja auch eher auf das Buch an.
Ich mag US-amerikanische Krimiserien; nicht alle, aber einige. Ich mag amerikanische Autos, ich mag Autoverfolgungsjagden – oder auch einfach nur Krimis, in denen Autos eine wichtige Rolle spielen. Insofern war die Entscheidung schnell getroffen. Bis das Buch fertig war, hat es ein Weilchen länger gedauert – aber nicht allzu lange.

Das Titelbild von Frank Lauenroth ist nicht ganz das Original. Ursprünglich stammte das Foto aus der Serie »Supernatural« – und die Aussichten, hier die Veröffentlichungsrechte zu erhalten, wären ganz sicher nicht preisgünstig gewesen. So wurde nach Alternativen gesucht – und natürlich auch gefunden. Frank hat das endgültige Titelbild (siehe unten) neu aufgebaut, das Fahrzeug steht nun anders herum und auch der Mann lehnt an der anderen Seite des Wagens. Detroit freilich blieb Detroit – es gibt ja Bilderdienste.

Lara Möller zur Frage, warum sie diesen Roman geschrieben hat: »Weil ich in dem Roman fünf Dinge verbinden konnte, die mich begeistern: hartgesottene Polizisten, coole Verbrecher, moralische Verwicklungen, schnelle Autos und die amerikanische Kulisse. Ich bin eine große Liebhaberin amerikanischer Serien und Filme und amerikanischer Schriftsteller. Zu meinen Favoriten gehören Dashiell Hammett, Raymond Chandler und Don Winslow. Großen Einfluss auf ›Detroit Undercover‹ hatte ebenfalls der schottische Schriftsteller Craig Russell, dessen ›Lennox‹-Serie äußerst inspirierend war.«

P.S.: Warum Verdächte im Titel? Nun ja, in der Geschichte geht es natürlich auch um solche. Nicht in der Hauptsache, das ist wohl eher die Action, aber so einige Verdächte finden sich dann doch. Vor allem, was die Verdächte der Bösen über den einen Guten angeht …

Babys erstes Baby

In meinem Verlag gibt es ja sogenannte Imprints. Das sternwerk von Sven Klöpping, Haller von Corinna Griesbach. Und auch Die|QR|Edition. Die hat nun die erste Ausschreibung aufgelegt:

Unter dem Titel »QR|codes – Wir. Sind die Zukunft.« präsentiert Die|QR|Edition ihre erste Ausschreibung zu einem Literaturwettbewerb zur Zukunft der digitalen Gesellschaft und der Intervention der Spezies »i:Code«. Innovation, Provokation, Vision, Spannung – und die praktische Definition des Begriffs der »Literatur 4.0« sind das Ziel. – Alle wichtigen Details finden sich hier.

(Die einzelnen QR|codes in der obigen Abbildung können mit der gratis verfügbaren App i-nigma problemlos gelesen werden. Probieren Sie es mal aus …).

Das Kopfecho vom K. K.

Was ich mit K. K. als Autor anfangen soll, weiß ich nicht wirklich. Der Mann lebt in der Schweiz und ist offensichtlich ein Multitalent. Aber er ist – komisch? geheimnisvoll? seltsam? Keine Ahnung. Er ist vor allem überraschend unkompliziert. Obwohl er während der Produktion des Buches immer wieder – und nicht wenige – eigene Ideen einbrachte, hat er sich nie wirklich darüber beschwert, dass ich sehr viele seiner Ideen nicht realisieren wollte, weil sie der »Corporate Identity« der Bücher von p.machinery widersprachen, weil sie mir subjektiv nicht gefielen, warum auch immer. Er war bei diesem ersten Buch – ich fürchte (und hoffe!), es folgen weitere – immer konstruktiv, innovativ, er war durchaus fleißig, was die Beteiligung an der Fertigstellung des Buches anging, er war –
Keine Ahnung. Ich kenne den Namen hinter »K. K.« – und werde ihn natürlich nicht verraten, das ist so in meinem Verlag. Er ist auch nach dem Kontakt im Rahmen der Produktion dieses Buches immer noch geheimnisvoll. Ich finde das okay. Ich kann als Korrektor, Lektor, Druckvorlagenmacker und Verlegerlein auch mal meinen kleinen Thrill gebrauchen. Der steht mir zu.
Das Buch selbst ist vorrangig ein Thriller. Ein Krimi. Und es gibt ein kleines fantastisches Element, das aber für eine Berücksichtigung im Bereich der klassischen fantastischen Literatur kaum ausreichen wird. Mir war das egal. Nachdem ich das Schweizerdeutsch des Autors korrigiert hatte – wir 0815-Deutschen wissen vermutlich meist gar nicht wirklich, wie anders die Schweizer das Deutsche verwenden –, hatte ich ein Buch, das mir gefiel. Und deshalb:

K. K.
WIE EIN ECHO IN MEINEM KOPF
Action, Thriller, Mystery 6
p.machinery, Murnau, Mai 2015, 124 Seiten, Taschenbuch
ISBN 978 3 95765 031 3 – EUR 6,90 (DE)

Der Bruder vom Beisswenger

Ich weiß gar nicht mehr, wie ich an Kai Beisswenger und seinen Roman geraten bin. Man bekommt so viele E-Mails, hat so viele Facebook-Kontakte … irgendwann spielt es einfach keine Rolle mehr.
Kai hat mir seinen Roman angeboten, aus irgendeinem Grund habe ich ihn abgespeichert und gesagt: »Schaue ich mir an«. Das ist so eine Aussage, in der auch ein »…, dauert aber« enthalten ist. Und so war es auch.
Als ich das Buch dann las, war ich in mehrerlei Hinsicht überrascht. Das Ganze ist durchaus eine SF-lastige Geschichte, es geht um Paralleluniversen, um das Leben von Menschen des einen Universums in einem anderen, eigentlich also eine uralte Kamelle, die so oder so oder anders von vielen SF-Autoren schon beschrieben wurde.
Kais Werk fällt insofern ein wenig anders aus, als dass sich viel Lokalkolorit findet. Sehr unterschiedlicher Lokalkolorit. Menschen, die in Frankfurt geboren sind, dort leben, sich dort wohlfühlen, kommen ebenso auf ihre Kosten, wie ich als gebürtiger Düsseldorfer (Kai lebt in der Nähe von Düsseldorf und arbeitet in dieser mondänsten Stadt Deutschlands). Fußballfans kann dieses Buch wärmstens empfohlen werden, vor allem solchen, die sich historisch bewandert fühlen, was deutschen Fußball angeht – obwohl das Buch alles ist, nur kein Fußballbuch.
Die Geschichte selbst ist sehr schräg. Sie würde sich für eine Verfilmung eignen. Irgendwann fielen mir Jürgen Vogel und Moritz Bleibtreu – die ja schon das eine oder andere Mal zusammen gefilmt haben – als mögliche Topbesetzung für eine Verfilmung ein, und bis zuletzt ist mir der Gedanke nicht aus dem Kopf gegangen (sic!).
»Der verlorene Bruder« heißt als E-Book »Nichts ist besser als das Leben«, ein Titel, der mir nicht passend schien. Kai war mit einer Änderung einverstanden, und auf der Verlagsbuchseite wird auf das E-Book und dessen Titel hingewiesen.

Kai Beisswenger
DER VERLORENE BRUDER
Action, Thriller, Mystery 5
p.machinery, Murnau, Mai 2015, 140 Seiten, Taschenbuch
ISBN 978 3 95765 030 6 – EUR 7,90 (DE)

Das Kino vom Kiefer

Peter Kiefer gehört seit »Treibgut« zu meinem Verlag, ein Buch aus der Reihe »ErlebnisWelten«, eine Mischung aus Reiseerinnerungen zahlreicher Reisen quer durch die Welt, zahlreichen Bildern, das erste Buch, das ich nach dem Weggang von Books on Demand in dem opulenten 210×210-Format (Softcover; die Hardcover haben 216×216 mm) beim Schaltungsdienst Lange produziert habe. Das Layout des Covers war indirekt auch die Vorlage für die Bücher von Die|QR|Edition – weil es mir gefällt. (Und es ist eben mein Verlag, weshalb dort gemacht wird, was mir gefällt.)
Dass Doktor Kiefer – ich weiß lustigerweise gar nicht, was für einen Doktortitel er trägt – auch literarisch aktiv ist, hat mich ein wenig überrascht, gleichzeitig aber auch erfreut. Sein »Treibgut« war schon gut geschrieben, und sein »Kleines Kino« hat mir sehr gefallen. Literarische Juwelen zu benennen steht mir als Klein(st)verleger nicht zu, aber ich hatte mehr als einmal ein Blinken im Auge, als ich das Manuskript las (was für mich als Korrektor, Lektor und Druckvorlagenproduzent in Personalunion ja mehr als einmal vorkommt).
Peter Kiefer hat den Roman als »Slapstick« eingestuft, was für meine Verlagsveröffentlichung insofern problematisch war, als dass dieser Begriff der »situativen Komik« heutzutage durch dumm-amerikanische Soaps und Under-Gürtellinien-Filme längst zu einer genretechnischen Beleidigung verkommen ist und von niemandem, den man vielleicht ernsthaft ansprechen möchte, noch als das wahrgenommen und erkannt wird, was es ist: »situative Komik«. Kiefers Buch ist nicht albern, sondern durchaus ernsthaft, aber wir wissen nicht erst seit Buster Keaton und Woody Allen, dass Komik nicht albern ist, sondern durchaus einer gewissen Ernsthaftigkeit auf beiden Seiten – dem Präsentator und dem Betrachter – bedarf. Wie auch immer …
Der Markt wird entscheiden, wie gut dieses Buch läuft. Ich bin mir bewusst, dass ich einen winzigen Verlag habe, der vor allem mit seinen Nicht-SF-Reihen noch winziger ist, als ich mir das wünschen sollte. Aber ich bin notfalls auch mein eigener Fan, wenn sonst keiner mitziehen mag.

Peter Kiefer
KLEINES KINO
Action, Thriller, Mystery 4
p.machinery, Murnau, Mai 2015, 120 Seiten, Taschenbuch
ISBN 978 3 95765 029 0 – EUR 6,90 (DE)

Schlag die Vier

Vier auf einmal sind es natürlich nicht, denn klarerweise sind die Bücher nacheinander entstanden und fertiggestellt worden. Aber diese vier Bücher sind in diesen Tagen in kurzer Abfolge in meinem Verlag p.machinery erschienen:

Und das Ganze war ein … hm, anstrengender? interessanter? witziger Mix aus verschiedenen Büchern, die unterschiedlich lange schon auf meinem Server lagerten (der Beisswenger hat, glaube ich, das größte Opfer gebracht), aus sehr unterschiedlichen Büchern, die auch bei mir als Korrektor, Lektor, Druckvorlagenmacher und Verleger sehr unterschiedliche Aspekte meiner Leseleidenschaften angesprochen haben.
Auf der Verlagsseite erscheinen in den folgenden vier Tagen die offiziellen Infos zu den Büchern; wer sich hier für die Bücher direkt und ohne Geschwafel interessiert, der klicke einfach auf die Cover oben und landet direkt auf den Buchseiten auf der Verlagswebsite – incl. Amazon-Bestelllink. Wer noch ein wenig zusätzliche Informationen zu den Büchern lesen möchte – aus meiner Feder, die ich mir als Verleger nur privat erlauben kann, der schaue in den nächsten vier Tagen immer wieder mal hier vorbei.

Himmel und Hölle

Phil Rickman
DER HIMMEL ÜBER DEM BÖSEN
(The Lamp of the Wicked, 2003)
Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek bei Hamburg, 2011, Übers. a. d. Engl.: Karolina Fell, Nicole Seifert, Taschenbuch, 687 Seiten, ISBN 978 3 499 25334 8

VORBEMERKUNG
Ich habe lange keinen Rickman gelesen, und als ich letztens die Wahl zwischen einem der genialen Werke aus dem Ancient Mail Verlag, Groß-Gerau, und einer schon ein wenig angejahrten Rickman-Schwarte, fiel die Entscheidung dann doch nicht schwer.

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