Kampf mit den Tränen

Ich bin Hundebesitzer. Meinen ersten Hund habe ich nicht verstanden; ich schrieb darüber (hier). Heute bin ich gemeinsam mit meiner vierten Gattin stolzer Besitzer zweier allerliebster Mischlingshündinnen (die eine aus Ungarn, die andere aus Griechenland), und ich habe durch diese zwei Hunde, aber auch durch das Engagement meiner Gattin, die eine Hundetrainerausbildung gemacht hat, viel über Hunde gelernt, sodass ich heute behaupten kann, meine jetzigen Hunde wenigstens ansatzweise zu verstehen.

Mein Verlag p.machinery begann nicht nur mit dem berühmten ersten Ikebana-Buch, sondern auch mit zwei Titeln, die ich nachträglich einer Reihe namens »ErlebnisHund« zugeordnet habe. 2004 und 2006 erschienen die beiden Bücher, sie sind schon lange vergriffen.
Aber schon damals, als mein erster Hund ein stolzes Alter erreicht hatte (Kim I., die 2005 über die Regenbogenbrücke ging, war 15 Jahre alt), war mir klar, dass ich eine solche Buchreihe herausbringen wollte. Wobei es mir nicht auf Ratgeber ankommen sollte – die gab und gibt es wie Sand am Meer. Ich wollte Erlebnisbücher veröffentlichen – deshalb »ErlebnisHund«. (Denn auch, wenn ich meinen ersten Hund nicht verstanden zu haben glaube, war er doch ein Erlebnis. Und heute weiß ich längst, dass ein Hund immer ein Erlebnis ist.)

Nach vielen, vielen Jahren gelang es dann endlich, ein Manuskript zu finden, das sich als Band 3 der Reihe eignete. Doris Bolten ist keine Profiautorin, sondern Hundebesitzerin. Sie hatte eine Französische Bulldogge, die ihr Leben verändert hat, und von ihr wollte sie schreiben. Und ich habe den Text gelesen – und war gepackt.

Dass ich im Alter wohl beginne, näher am Wasser zu bauen, beschrieb ich schon (hier). Und Doris Boltens Buch hat diesen Eindruck … nein, diese Erkenntnis noch unterstützt. Das Buch, das mir anfangs einfach nur gefiel, hat mich am Ende, als die Korrekturarbeiten, das Lektorat, das Layout und schließlich die Fahnenkorrektur beendet waren, an einer Stelle gepackt, die ein Mann oft nicht so gerne offenbart.
Doris’ Buch ist für Menschen, die keinen Bezug zu Hunden haben, uninteressant – das muss klar sein.
Aber Doris’ Buch ist für Menschen, die etwas mit Hunden anfangen können, beeindruckend, eine sehr zu Herzen gehende Geschichte von einem Ehepaar, das einen Hund für’s Leben gefunden hat, mit ihm lebte und mit ihm seinen letzten Weg ging.

Ich kenne das Buch ja inzwischen. Ich muss es nicht mehr lesen. Und immer, wenn ich an den Text denke, ende ich am gleichen Punkt.

P. S.: Ein wenig ist klar, warum es mir dabei so geht. Der Gedanke, beizeiten eine meiner Hündinnen zu verlieren, weil es einfach so weit ist, macht mich schwermütig, traurig, verzweifelt. Noch bevor es geschieht, erkenne ich meine Machtlosigkeit. Und auch, wenn ich kein kontrollsüchtiger Mensch bin – diese Machtlosigkeit macht mich fertig.

Details zum Buch: hier.

Zweigleisig oder zwiespältig?

Serdar Somuncu
DER ADOLF IN MIR
Die Karriere einer verbotenen Idee
WortArtisten, Köln, 2015, Klappenbroschur, 158 Seiten, ISBN 978 3 942454 17 9

VORBEMERKUNG
Zum einen wäre vorweg überflüssigerweise nochmals zu bemerken, dass ich ein großer Fan von Serdar Somuncu bin. Mich als Anhänger zu bezeichnen, träfe es nicht. Ich schätze sein Werk sehr hoch ein.
Zum anderen wäre zu bemerken, dass Somuncu in seinem programmatischen Auftreten zwiespältig scheint: einmal (schimpfwortkenntnisreicher) Prolet, dann (höchst wortgewandter) Intellektueller. Man weiß eigentlich nie genau, was einen im nächsten Moment erwartet. Nicht genau.

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Definitiv keine Sprachfehler

Wolf Schneider
Hottentottenstotteertrottel
Mein langes, wunderliches Leben
Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg, Mai 2015, Hardcover, 436 Seiten, ISBN 978 3 498 06435 8

VORBEMERKUNG
Wolf Schneider ist inzwischen gute 90 Jahre alt. Und, wie ich hoffe, bester Gesundheit. Ich wäre über sein Ableben zu jedem Zeitpunkt über alle Maßen unglücklich, denn Schneider ist für mich wichtig. Ich bin Verleger deutscher und deutschsprachiger Bücher, ich bin Rechtschreibpedant, Fehlerkorrekturpräzisionsscheißer und jeglicher Art falschen Umgangs mit der deutschen Sprache in Wort und Schrift feindlich gegenüber eingestellt. Ich habe einem von diesen neumodischen Asideutschteenies (»eyh, fick disch, Alda, oda isch fick dei Mudda!«) schon richtig Übles angedroht (»Ich fick dein Sprachzentrum, F***e, mit einem Messer, um es zu befreien!«), wenn er nicht ordentliches Deutsch lernt, bevor er mir meine Ohren vollsülzt.

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Fast schon unvorhergesehen

Ich weiß nicht mehr, wie es überhaupt dazu kam. Heike Henzmann aka Anna Veen, eine meiner Autorinnen bei p.machinery, fragte wegen eines kleinen Buches, das ihre just 18 Jahre alt gewordene Tochter Antonia Rinkel über ihre Erfahrungen auf der New York Film Academy geschrieben hatte. Diese hatte sie besucht, weil sie Musicaldarstellerin werden will.

Ich dachte zunächst eigentlich nur daran, das Layout zu machen, aber es wären auch Prints nötig gewesen, und am Ende war außer der ISBN (die ich von CreateSpace übernommen hätte) sowieso alles eine p.machinery-Produktion, sodass ich mich entschloss, dem Werk einfach eine p.machinery-ISBN zu verpassen und es in der Reihe »Außer der Reihe« aufzunehmen, die letztlich genau für solche Gelegenheiten geschaffen wurde.

Das Buch selbst hat richtig Spaß gemacht. Der Text war sehr gut, es gab wenig zu korrigieren, was Rechtschreibung und Tippfehler anging. Bei den Bildern habe ich ein wenig jonglieren müssen, Antonia hat einiges an Material nachgeliefert, war immer schnell und zuverlässig. Das Thema – der »Weg zur Musicaldarstellerin« – war mal etwas ganz anderes. Und überhaupt …

Wer übrigens quasi versehentlich das Buch schon bei Amazon bestellt hat, hat eine Rarität erworben. Seit einigen Tagen ist der Tippfehler auf dem Buchrücken korrigiert :) Wieder so ein Effekt eines typischen Schnellschusses. – Übrigens ist auch hier einmal mehr dem Schaltungsdienst Lange ein großer Dank auszusprechen: Bei der Einhaltung eines Liefertermins – Antonia wollte das Buch zum Termin ihrer ersten Vorstellung am 16.01.2015 haben – hat man sich auf vorbildliche und erfolgreiche Weise ordentlich ins Zeug gelegt.

Auch ein Stück eigener Geschichte

Heribert Schwan, Tilman Jens
VERMÄCHTNIS
Die Kohl-Protokolle
Wilhelm Heyne Verlag, München, 2014, Hardcover mit Schutzumschlag, 256 Seiten, ISBN 978 3 453 20077 7

VORBEMERKUNG
Ich war, bin und werde nie ein Helmut-Kohl-Fan sein. Und dennoch fasziniert mich diese Person, diese Figur deutscher Politik. In meinem RUB (Regal ungelesener Bücher) steht noch die fette und alles andere als leichtgewichtige Kohl-Biografie von Hans-Peter Schwarz, deren Lektüre ich nach dem ersten großen Kapitel ausgesetzt habe.
Ich bin Jahrgang 1959, und Helmut Kohl ist im Grunde der große deutsche Politiker, der meine demokratische Bewusstwerdung vielleicht nicht nur begleitete, sondern auch bedingte. Ich weiß es nicht. Wie auch immer man es betrachten mag: Helmut Kohl hat viel für Deutschland getan. Nicht nur Positives. Er hat auch Fehler gemacht. Aber Helmut Kohl ist ohne Deutschland ebenso wenig zu verstehen, wie Deutschland heute ohne Helmut Kohl.
Dass ich dieses Buch gekauft und gelesen habe, hatte auch damit zu tun, dass Kohls Gattin mittels eines Gerichtsurteils erwirkte, dass das Buch nicht länger veröffentlicht werden dürfte. Die bereits auf dem Markt befindlichen Bestände freilich durften noch verkauft werden, ein Umstand, den ich für mich nutzte.
Und im Nachhinein kann ich schon vorab sagen: Es hat sich für mich gelohnt, diesem gerichtsverbotsbedingten Hype zu folgen.

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Lügner erkenne ich auch im Dunkeln

Gerd Maximovic
AUS DEN ERINNERUNGEN EINES LEHRERS
Sachbuch und Autobiografie
Pro Business, Berlin 2013, Hardcover, 296 Seiten, ISBN 978 3 86386 403 3

VORBEMERKUNG

Tja, Gerd, das war ja ein netter Versuch:
»Dies ist keine Autobiographie im eigentlichen Sinne. Sondern ein Sachbuch, zu welchem erhellend der persönliche Hintergrund hinzutreten soll, sofern nützlich. […]«
Das ist – schlicht und ergreifend – gelogen.

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Informativ und nostalgisch

Christian Zahn, Boris Kretzinger, Enno Coners
DIE COMMODORE-STORY
CSW-Verlag, Winnenden, 2., überarb. Neuauflage Dezember 2012, 206 Seiten, Taschenbuch, ISBN 978 3 041287 35 8

VORBEMERKUNG
In einer der letzten c’t-Ausgaben wurde die zweite, überarbeitete Neuauflage dieses Titels aus dem Jahre 2006 erwähnt, und da ich seinerzeit selbst wusste, wie man mit einem C64 umgeht und selbst einen C128D besaß und natürlich auch von anderen Commodore-Modellen in einschlägigen Blättern gelesen hatte, dachte ich mir, dass ich mit dieser Lektüre doch mein lückenhaftes Wissen vervollständigen und vor allem auffrischen könnte.

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