Lauter schöne englische Titel

The Way Back – Der lange Weg
(The Way Back, Peter Weir, USA/UAE/PL 2010)

Colin Farrell und Ed Harris sind die einzigen einigermaßen bekannten Namen in diesem Film von Peter Weir, dessen Name mir schon vorher hätte signalisieren können, was mich erwarten würde. Die Story von einigen grundverschiedenen Männern, die aus einem sibirischen Gefängnis fliehen und über viertausend Meilen (! – das sind weit über sechstausend Kilometer) zu Fuß bis nach Indien wandern, klang in der Beschreibung eher nach mehr Action denn nach so viel Nachdenklichkeit tarkowskijscher Prägung, wie ich hier vorfand. Aber das Stück ist durchaus ergreifend. Selbst der leicht Antipathien hervorrufende Colin Farrell spielte seine Rolle so ausgezeichnet, dass man über seine Arschlochfigur hinwegsehen konnte.
Am Ende sind es nur drei Männer, die Indien erreichen – und nicht sicher sind, ob sie nicht noch weiter laufen wollen.
Bemerkenswert.

Taking Lives – Für dein Leben würde er töten
(Taking Lives, D. J. Caruso, USA/AUS 2004)

Ein Serienkiller schlüpft in die Identitäten der Männer, die er zuvor umgebracht hat; Ethan Hawke spielt diesen Typen durchaus gut. Seine Gegenspielerin ist Angelina Jolie als Profilerin, die ihm auf die Spur kommen und ihn letztlich überführen helfen soll.
Der eigentlich durchaus gute Film leidet darunter, dass Hawkes Figur ein wenig zu offensichtlich als der letztlich Böse geschildert ist. Es ist klar, dass es um einen Serienkiller geht, aber die Tatsache, dass Hawkes Figur als einer der Verdächtigen im Fokus des Filmes bleibt, macht das Ende ein wenig zu sehr vorhersehbar – nicht in Details, aber im Großen und Ganzen. Man weiß halt recht früh, welcher Gärtner der Mörder war und ist.

Falling Down – Ein ganz normaler Tag
(Falling Down, Joel Schumacher, FR/USA/GB 1993)

Ein Michael-Douglas-Klassiker, der immer wieder sehenswert ist. Geschieden, arbeitslos, des stockenden Autoverkehrs an einem unerträglich heißen Tag überdrüssig, macht sich William ›D-Fens‹ Foster aka Michael Douglas auf den Weg durch die Stadt, um seine Tochter an ihrem Geburtstag zu sehen. Robert Duvall spielt den Detective Prendergast an seinem letzten Arbeitstag, der aus Angst vor der Straße eigentlich nur Innendienst macht, und den durchgeknallten Amokläufer Foster dann doch zur Strecke bringt.
Sehr schön ist Douglas’ Figur einerseits, deren Rassismus und Wut aus ihren verkorksten Lebensumständen und der Frage, warum es allen anderen scheinbar so unverdient besser geht, generiert wird; und auf der anderen Seite der traumatisierte Polizist, der seiner angsterfüllten und neurotischen Gattin zuliebe auf eine Karriere auf der Straße verzichtet hat.
Ich habe den Film schon oft gesehen – und er war und ist immer wieder gut.

Doomsday – Tag der Rache (unrated)
(Doomsday, Neil Marshall, GB/USA/ZA/D 2008)

Rhona Mitra sehe ich ganz gerne, auch wenn sie leider meist in Filmen mitspielt, die wohl eher dem B-Movie-Sektor zuzuordnen sind. Da würde ich auch diesen Streifen hinstecken.
Schottland ist nach einem Virusausbruch mit den gebührenden Totenzahlen isoliert und sich selbst überlassen worden. Die Quarantäne funktioniert, aber dreißig Jahre später bricht der Virus wieder aus – in London. Nachdem man feststellt, dass in Schottland immer noch Leben existiert, geht man davon aus, dass dort ein Gegenmittel gefunden wurde – oder die Überlebenden dort eine Immunität entwickelten. Man entsendet eine Spezialeinheit, die auf letztlich allzu bekannte Art und Weise scheitert – und doch ein Ziel erreicht.
Im Großen und Ganzen ist die Handwerksarbeit gelungen, im Großen und Ganzen allerdings finden sich auch Sequenzen, bei denen man sich schon fragt, ob das eigentlich immer so sein muss: Dazu gehören zum Beispiel die sich wie Punks mit Indianerblut kleidenden Überlebenden der Quarantänezone, die genau so auch in jedem »Mad Max«-Streifen und genügend anderen Werken mit ähnlicher Thematik hätten mitspielen können.
Trotzdem: Kann man mal anschauen.

World Invasion: Battle Los Angeles
(Battle Los Angeles, Jonathan Liebesman, USA 2011)

Es stellt sich mir immer wieder die Frage, warum ein nichtdeutscher Film nicht nur einen englischen Titel braucht – das ist schon in Ordnung –, aber warum er noch einen gegenüber dem Original erweiterten oder einen ganz anderen englischen Titel benötigt. Vielleicht wäre »Battle Los Angeles« allein für einen normalen Deutschen einfach doch zu unverständlich gewesen, um ihn gleich auf den richtigen Trichter zu bringen; da trifft »World Invasion« die wenigen Hirnzellen, die in des Deutschen Hirn für das Verstehen zuständig sind, doch deutlich besser.
Auf der Erde landen Meteoriten, die sich ein wenig seltsam verhalten – und bald schon krabbeln Außerirdische aus dem Meer an Land, wo sie alles töten, was nicht bei drei auf dem Baum ist. Aaron Eckhart spielt einen eigentlich bereits pensionierten Soldaten, der mit einer neuen Einheit dazu abgestellt wird, auf einem Flughafengelände eingeschlossene Zivilisten zu retten. Es sind drei Stunden Zeit, bevor das Gelände mit Atomwaffen bombardiert werden soll – Zeit genug also, nicht nur die Zivilisten, sondern auch die Welt zu retten.
Die Handlung ist vielleicht dämlich, aber der Film ist toll. Schöne Tricks, ein Actionfeuerwerk, von dem es allzu viele auch nicht gibt, ein Film, der kein Klassiker werden wird – jedenfalls nicht im »großen Kino« –, den man sich aber anschauen kann und auch sollte.
Kein Film für nebenbei – deshalb steht er bei mir auf der »bald noch mal anschauen«-Liste.

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