Wenn Bits und Bytes auf dem Papier landen

In modernen Zeiten ist so ein Projekt wie GEGEN UNENDLICH nicht mehr außergewöhnlich. Drei Leute – Michael Awe, Andreas Fieberg und Joachim Pack – überlegen sich, eine Storysammlung machen zu wollen – als E-Book-Reihe. Möglicherweise ist ihnen irgendwann aufgefallen, dass ihnen doch ein wenig die Haptik an ihrem Werk fehlt – vielleicht waren die Monitore von zahlreichen Betatschungsversuchen auch längst so zugeschmiert, dass eh nichts mehr zu erkennen war. Und die Haptik von verschmierten Fingerabdrücken in millimeterdicken Schichten ist ganz sicher nicht sehr befriedigend.

Jedenfalls erschien im Januar 2017 eine Sammlung unter dem neutralen Titel »GEGEN UNENDLICH. Phantastische Geschichten« – ja, mit einem ganz gegen meine Gewohnheiten auf dem Titel zu findenden »Ph«; dafür habe ich ihnen im Inneren alle »Ph« plattgemacht (oder besser: plattgemafft?) – als AndroSF 56 in meinem Verlag p.machinery.
Das Ganze ging natürlich nicht reibungslos über die Bühne. Andreas Fieberg insbesondere ist ein Altrechtschreibler – wie ich (ich hab’s mir nur abgewöhnt) – und mindestens ein so großer Pedant wie ich. Aber wir haben uns nicht nur gefunden, sondern auch geeinigt – und die beständige Diskussion über rechtschreiblerische Feinheiten birgt auch ein immenses Bildungspotenzial in sich. Soll heißen: Wer sich mit seiner Sprache nicht beschäftigt und sie bei jeder Gelegenheit auch infrage stellt, wenn es sich anbietet, der spricht am Ende kein Deutsch mehr, sondern generiert so einen fäkalen Schwachsinn wie »I bims« (und wird dann noch von mental längst durchweichten Jurymitgliedern mit einem »Jugendwort des Jahres« belohnt).
Wie auch immer: Bei den Arbeiten an dieser Anthologie, die als eine Art »Best of« für die ersten zehn E-Book-Ausgaben gedacht war – und mit brillantem Material auftrumpfen konnte –, hatte ich letztlich viel Spaß. Und ganz offensichtlich hat die Sache auch den Herausgebern Spaß gemacht, denn später wurden wir uns dann hinsichtlich einer Printausgabe ihrer E-Book-Anthologien einig.

Die ersten beiden Bände, die Nummern 11 und 12, erscheinen dieser Tage. Es hat alles ein wenig gedauert. Hier arbeiten vier Leute miteinander, die eben auch noch ein paar andere Dinge zu erledigen haben. Und so eine Zusammenarbeit muss sich natürlich auch erst einspielen. Aber wie auch immer – die ersten zwei Bände sind in der Kömme. Details zu Band 11 lest ihr hier, zu Band 12 hier. Und im Folgenden könnt ihr euch die Titelbilder anschauen. Für mich, der ich als Korrektor, Layoutbauer und Verleger gezwungen bin, meine Bücher zu lesen, war die Lektüre angenehm, entspannend und anregend. Klar, ich bin parteiisch, werdet ihr sagen. Aber das ändert an meinem Lesevergnügen auch im Nachhinein nichts.