Gut gemeint, schlecht gewählt

Michael Kleemann
Panoramawege für Senioren: Bayerische Hausberge
32 aussichtsreiche Höhenwanderungen
J. Berg Verlag (Bruckmann Verlag), München, 2017, 128 Seiten, Klappenbroschur, ISBN 978 3 86246 576 7

VORBEMERKUNG
Ja, das war wohl gut gemeint. Wahrlich. Ich will meiner Gattin da keine böse Absichten unterstellen. Obwohl …
Ich lebe seit 1982 in Bayern, bin aber in Düsseldorf geboren. Seit 1982 lebe ich also hier. Seit 2005 lebe ich in Murnau am Staffelsee mit direktem Blick über das Murnauer Moos in die Alpen, seit 2008 noch ein Stückchen weiter südlich – genauer: 400 Meter –, und je nachdem, wo ich im Umkreis von fünf Kilometern um meine Wohnung bin, kann ich die Zugspitze sehen, in aller ihrer bedenklichen und zweifelhaften Restschönheit (denn wir wissen ja alle, dass auch der Zugspitzgletscher unter der Trumplüge zu leiden hat).
Und eines ist sicher … Ich weiß nicht, wann es anfing, aber ich hasse die Berge. Ich hasse sie. Alle. Jeden einzelnen. Jede noch so winzige Erhebung. Jede noch so kleine und unauffällige Steigung löst Mordgelüste in mir aus. (Nicht nur in Bayern übrigens, auch in den Moränenendzonen in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern.)
Und dann bringt meine holde Gattin dieses Buch mit …

WORUM GEHT ES?
Nun ja, es ist offensichtlich. Beschrieben werden zweiunddreißig aussichtsreiche Höhenwanderungen, wobei nicht die Aussichten in Beruf, Karriere und Beziehung gemeint sind, sondern die von oben vom Berg hinab auf die Welt, die dem Höhenwanderer vermeintlich zu Füßen liegt. (Wenn Erdowahn das wüsste … ein ganz neuer Wahn würde ihn befallen …)

WAS GEFIEL?
Das ganze Werk sieht durchaus gut aus. Reichhaltiges, anregendes Bildmaterial von Bergen, Panoramen und mehr ergänzen Beschreibungen der Wanderungen, zu denen es auch Karten und Kurzinformationen für den schnellen Überblick gibt. Kein Zweifel – dieses Werk wurde von Profis gemacht, die wissen, worauf es dabei ankommt.

WAS GEFIEL NICHT?
Nichts, wofür Autor, Herausgeber, Macher, Verlag, Frau Merkel oder sonst jemand die Schuld tragen könnten.
Es ist allein meiner holden Gattin zuzuschreiben, dass dieses Buch auf meinem Tisch nichts zu suchen hat. Denn: Ich bin nicht nur nicht schwindelfrei, sondern habe auch Höhenangst. Und ich habe zwei Hunde. Und es ist bei aller Liebe völlig kontraproduktiv, unter solchen – meiner holden Gattin durchaus bekannten – Umständen, einen solchen Wanderführer zu präsentieren, der bei praktisch jeder Wanderung die Nutzung eines Lifts notwendig macht. Und natürlich nicht nur luxuriöser Kabinenlifts für x-und-zwanzig Personen, sondern auch Sessellifte. (Ich erinnere mich nicht mehr, aber ich meine, meine Frau beantwortete die Frage, wie unsere Hündin Kim sich vermutlich auf einem Sessellliftsitz verhalten würde, mit einem selten dämlichen Gesicht. Aber wie gesagt, ich erinnere mich nicht …)

ZU EMPFEHLEN?
Ja. Für Leute, die Lifte benutzen können und wollen.

NOCH WAS?
Für alle diejenigen, die solche Lifte nicht benutzen können oder wollen, gibt es aus dem gleichen Verlag jede Menge – wahrlich! – ähnliche Wanderführer, die nicht die ganz persönlichen Ängste des Aspiranten beanspruchen. Alles Weitere dazu unter www.j-berg-verlag.de.

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