Ich hatte die Wahl

Man hat immer die Wahl, heißt es. Selbst in ausweglosesten Situationen wissen Schauspieler in amerikanischen Spielfilmen – und in anderen sicherlich auch –, dass man immer die Wahl habe. Immer.
2017 hatte ich mindestens einmal die Wahl. Nein, eigentlich zweimal. Oder sogar dreimal?
Zum einen hatte ich die Wahl zwischen Wahlraum und Briefwahl.
Zum zweiten bei der Erststimme.
Und zum dritten bei der Zweitstimme.
Eigentlich alles ganz einfach. Kann aber auch zur Qual werden …

Briefwahl oder doch?

Ich praktiziere seit vielen, vielen Jahren Briefwahl. Der Hauptgrund ist, dass es mich bodenlos ärgern würde, würde ich aus irgendeinem unerfindlichen Grund daran gehindert sein, am Wahltag den Wahlraum aufsuchen zu können. Spontane Abwesenheit, schlagartiger Urlaub, Krankheit, Tod, das überraschende Angebot, die Weltherrschaft zu übernehmen …
Solchen Unwägbarkeiten gegenüber wappne ich mich durch die Briefwahl. Die Unterlagen werden einem zugeschickt, man kann sich in aller Ruhe am Schreibtisch oder auf dem Sofa entscheiden, zusätzlich noch einen Blogbeitrag dazu verfassen, und dann wirft man den ganzen Schamott ordentlich und gemäß Anleitung in den Briefkasten vor dem Haus.
Einfacher kann es einem nicht gemacht werden, und das Schwierigste an der Möglichkeit der Briefwahl ist es, eine Ausrede zu finden, warum man nicht wenigstens auf diesem Wege seinen Bürgerpflichten nachkommt.

Die Erststimme

Das Programm für die Erststimme ist ja traditionell immer ein wenig eingeschränkt. In Bayern sowieso. Aber 2017 schockiert mich dann doch, auf welch perfide Art und Weise die Russen verhindern wollen, dass ich mit meinen durchaus ernsthaften Überlegungen, Frau Merkel meine Stimme zukommen zu lassen, zu einer passenden Entscheidung gelange:
In Bayern kann man die CDU selbst ja nicht wählen, man muss den Vasallen Seehofer und seine Amigos unter die Stiftspitze nehmen. Und so bekommt man neben den anderen großen Parteien und den alternativen Braunen eben einen Wahlkreiskandidaten der CSU präsentiert.
Aber Alexander Dobrindt …?

Nein!

Ich konnte mit Mühe und Not verhindern, die Wahlunterlagen wegen gastrointestinal induzierter Beschädigung erneut anfordern zu müssen …

Die Zweitstimme

macht einem die Auswahl, weil reichhaltiger, leichter – oder auch nicht.

Ich verstehe übrigens nicht, wieso die alternativen Braunen vor der Linken zu stehen gekommen sind. An alphabetischen Grundsätzen kann es nicht liegen, denn vor den Neunazis finden sich die üblichen Verdächtigen: CSU, SPD, Grüne, FDP … Aber vielleicht haben Petry, Gauland und die abgrundtief Augen schädigende Herzogin ja schon erste Ermächtigungen bewirkt …

Ansonsten gibt es, wie angedeutet, viel Auswahl:
Leider sehr umfangreich sind die rechten Parteien. ÖDP? Ökonazis. BP? Weißwurschtnazis. NPD …
Lustig fand ich, dass es die MLPD, die Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands, tatsächlich immer noch gibt; und überrascht war ich von der DKP … waren die nicht mal verboten worden? Ach nee, das war die KPD …
Und dann gibt’s den üblichen Kleinkram. Aber immerhin: Auswahl ist da. Mehr als in Nordkorea – und bei den Amis …

Dass ich am Ende nicht die Tierschutzpartei (aka Partei Mensch Umwelt Tierschutz) gewählt habe, liegt weniger daran, dass ich mit deren Programm nicht so ganz übereinstimme, als an einem eigenen Parteibuch. Wenn es die Piraten schon in Bayern nicht geschafft haben, auf die Erststimmenliste zu kommen, dann wollte ich doch wenigstens mit der Zweitstimme meine Parteimitgliedspflichten erfüllen.

Das war die Wahl

Wenn dieser Artikel auf meinem Blog erscheint, ist die Wahl gelaufen, die Ergebnisse sind nicht bekannt. Ich kann sie hier noch nicht präsentieren, denn jetzt, da ich diesen Beitrag schreibe und gleich meine Wahlunterlagen versandfertig machen werde, schreiben wir den 26. August 2017. Eben auch ein Vorteil der Briefwahl.
Ich habe meine Bürgerpflicht erfüllt und kann mich nun entspannt zurücklehnen. Mit parteiideologischen Überraschungen ist bis zum Wahltermin ja auch in Deutschland nicht mehr zu rechnen

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