Alle Jahre wieder

Simone Knels ist kein Newcomer in meinem Verlag. Abgesehen von ihrem Amerikabuch, das jüngst neu aufgelegt wurde, präsentiert sie zum dritten Mal Kurzgeschichten. Nach den Märchen »zum neuen Jahr« 2010 und den »Gespenstergeschichten« 2011 gab es eine Pause. Aber Ende 2017 sind sie nun da – die »Zwölf Märchen für Kinder«. Das kleine Hardcover ist mit Fotos gespickt, die Simone im Laufe der Zeit aufgenommen hat und die thematisch zu den Geschichten ausgewählt wurden.

Man kann sich ja immer streiten. Oder auch nicht. Oder manchmal doch. Marianne Labisch hat schon vernichtende Kritik über die Schreibe geäußert. Ich überlege, ob das einer Erhebung in den Adelsstand gleichkommen könnte. Zumal Marianne sich nicht hundertprozentig sicher ist, ob ihr erster Eindruck sich nicht noch ändert. Gleichzeitig aber meint, dass das vermutlich nicht geschehen wird. Was ich nachvollziehen kann – Marianne würde sich unglaubwürdig machen, würde sie nach dem ersten Eindruck in die andere Richtung umfallen.

Die Details zum Buch: hier.

Ungerade Erinnerungen

Heute ist es 23 Jahre her, dass mein Vater gestorben ist. Der Mann, den ich Papa nannte. Der Mann, von dem ich lange dachte, ich hätte nie eine wirkliche Beziehung zu ihm gehabt. Er war der Ernährer der Familie, er ging arbeiten. Er war streng – nach kindlichen Maßstäben. Er war ein Mensch, den ich zeit seines Lebens nie wirklich verstanden habe. Er war irgendwie völlig anders als ich.

Als er dann starb, war er eben nicht mehr da. Und es dauerte eine ganze Weile, bis ich anfing, ihn zu vermissen. Es waren nur Kleinigkeiten, die nicht mehr da waren. Seine Stimme am Telefon, weil er immer zuerst den Hörer abnahm. Die Begegnungen, wenn meine Eltern nach Südtirol in den Urlaub fuhren. Sein älter werdendes Gesicht. Und die Überlegung, ob er wirklich mein Vater sei, weil ich bei mir keine Ähnlichkeiten erkennen konnte. (Die gibt es heute auch nur marginal, aber immerhin ist sicher, dass mein Bruder und ich den gleichen Vater hatten, denn wir sehen uns – beide frisch rasiert – so ähnlich …)

Mein Vater. Papa. Prägend in meinem Leben war meine Mutter. Und ist es noch, denn sie lebt noch. Und trotzdem.
Manchmal überlege ich, ob ich nicht gerade deshalb so anders geworden bin, als mein Vater war, weil er so anders war, als das, was ich sein wollte. Vielleicht eine typische Bubenkarriere. (Ich müsste mal meinen Bruder dazu befragen.)

Im alltäglichen Leben gab es viele Dinge, die den heranwachsenden Michael Haitel an seinem Vater störten. Und umgekehrt war das sicher nicht anders. Wie das halt so ist. Heute, nach dreiundzwanzig Jahren, bin ich auf die Todesanzeige und die beiden Passfotos beim Stöbern in alten Unterlagen gestoßen. Heute, nach dreiundzwanzig Jahren, frage ich mich nicht oft, aber doch manchmal, wie es wäre, würde er noch leben. Aber das ist eine Frage, die nicht beantwortet werden wird.

Der guten Ordnung halber: Das obere Passfoto dürfte aus den 80ern stammen, das untere aus den 60ern. Genau weiß ich es nicht mehr.

Und: Aus der Erinnerung heraus glaube ich, dass ich ihn geliebt haben muss. Es gibt nichts in mir, keine Regung, die dem widerspricht. Im Gegenteil. Während ich das hier schreibe, bin ich vor allem traurig.

Wenn Parasiten meckern

Dann könnte man meinen, Herausgeber und Autoren seien Parasiten. Was totaler, nein: vollendeter Blödsinn ist. Nicht nur, vor allem aber auch, wenn die Herausgeber eines Buches Marianne Labisch und Sven Klöpping heißen. Wenn Parasiten meckern, dann haben sie möglicherweise nicht unrecht …

Soll heißen: Das vierte Buch aus dem Imprint »sternwerk« meines Verlages p.machinery hat länger gebraucht, um das Licht der Welt zu erblicken, als es Autoren und Herausgebern genehm war. Von meinereinem gar nicht zu reden. Aber es gibt Notwendigkeiten, Zwänge, Dinge, die man als Alleinverlegerlein nicht wirklich dahin gehend beeinflussen kann, dass man seine Prioritäten ganz allein setzen kann.
Aber wie auch immer: Das Buch ist nun erschienen, und die Storys, die ausgewählt wurden, können sich sehen lassen. Und ich kann das beurteilen: Als Mitglied des Preiskomitees des Deutschen Science-Fiction-Preises (DSFP) habe ich 2017 viele Storys gelesen – und keine hat mich wirklich überzeugt, sodass ich mich in diesen Tagen entschlossen habe, beim DSFP 2018 wohl nicht mit abzustimmen. Aber vielleicht wird ja eine der Geschichten aus dieser Anthologie nominiert. Wir werden sehen.

Infos zum Buch: hier.

Ein kleiner Klassiker, neu geföhnt

Ich weiß ums Verrecken nicht mehr, wie der Kontakt zustande kam. Elke Becker und Alex Conrad hatten ihr Buch schon als E-Book laufen – und es läuft noch heute – und suchten nach einem Menschen, der ein Printbuch daraus machen wollte. Ich war dabei, aus mehreren Gründen. Ein Grund war, dass ich ein Inselfan bin, und die Geschichten, die allesamt auf Mallorca spielten, brachten bei mir etwas zum Klingen. Mallorca habe ich immer noch nicht gesehen und vielleicht schaffe ich es nie, so nahe das soundsovielte deutsche Bundesland auch liegen mag. Aber das Buch …
Und dann war da noch der Titelbildkünstler, ein Malteser … ein Malteser … konnte ich da Nein sagen? Keinesfalls!

Die »Mallorca-Schattengeschichten« erwiesen sich darüber hinaus als Verkaufsschlager. Die beiden Autorinnen – die ich liebend gerne in diesem Leben noch einmal persönlich kennenlernen möchte – waren anfangs auch finanziell unterstützend mit von der Partie, als es darum ging, einem mallorquinischen Anbieter Auflagen zu verkaufen, die in lokalen Kiosken und Souvenirläden landen sollten. Die ganze Konstruktion gab zu lustig komplizierten Mailwechseln Gelegenheit, weil die Abrechnungen zwischen den Damen und mir mitunter viel komplizierter erschienen, als sie es wirklich waren, ich als Abrechnender aber eher dem Schein traute, als dem, was wahr war. Hin und her, hin und her – Elke und Alex gehören unbestritten zu meinen liebsten Autorenkontakten. Nicht nur, aber auch, weil sie cool sind, geduldig, entspannt – was möglicherweise an Mallorca liegt – und nie mies drauf. Selbst wenn ich mal abrechnungstechnisch megamäßigen Bockmist produziert habe. Am Ende fanden wir immer die richtigen Euros auf den richtigen Konten.

Die Geschichte selbst haben mich angelegentlich der 2017er Ausgabe – das Buch, das zuvor bei Books on Demand produziert wurde, ist 2017 ausgelaufen – einmal mehr fasziniert. Es sind Geschichten, die es in sich haben. Krimigeschichten, denen immer ein wenig der Schalk im Nacken sitzt. Und das kleine böse Monsterchen hinter dem Herd – obwohl es natürlich solche Monsterchen in den echten Krimistorys nicht gibt. Und selbst wenn man wie ich keine Ahnung von Mallorca hat, spürt man etwas, das einen anrührt. Das Inselfeeling kommt rüber, und dann ist da immer etwas zwischen den Zeilen, das vielleicht nur zwei Deutsche beschreiben können, die schon lange auf der Insel leben und eben nicht nur Tourist sind.

An der Menge, die ich zu diesem Buch schreibe, kann man erkennen, dass es mir ein wichtiges Buch ist. Ich mag es – wie ich unbekannterweise auch die Autorinnen mag. Es ist mir wichtig, ja. Und es ist bemerkenswert, dass CreateSpace seine Hotlinerhorden hinter dem Zaun gehalten hat, obwohl ich damit rechnete, dass man beanstanden würde, das Buch wäre ja schon da gewesen … und ob ich das Recht … lala-lalaaaa …

Die Verlagsinfos zum Buch gibt es hier.

Und in der aktuellen Ausgabe gibt es auch eine Version im Druck des Schaltungsdienst Lange. Wer darauf abfährt, weiß ja, wo er ein Exemplar dieser Provenienz herbekommt. Hoffe ich.

Eine Wiederholungstat

Ende 2013 bzw. Anfang 2014, als Dirk C. Flecks »GO! – Die Ökodiktatur« erstmals in der DSFP-Reihe meines Verlages p.machinery erschien, war das Hardcover trotz seines stolzen Preises von EUR 33,90 ratzfatz weg. 33 Exemplare waren das.
Nachdem seitdem immer wieder Nachfragen kamen und diese in den letzten Monaten zunahmen, habe ich mich entschlossen, noch einmal 22 Exemplare nachdrucken zu lassen. Die stehen nun zur Verfügung.

Ausführliche Details zum Buch finden sich hier. Am Preis hat sich nichts geändert.

Dummheit drives

Als Hundebesitzer und Anwohner in einer 60er Zone einer bayerischen Staatsstraße sieht man viele interessante Dinge. Und wenn man nicht beim morgendlichen Aufstehen mit dem Kopf auf den Steinfliesen aufgeschlagen ist, weiß man auch, dass bestimmte Erkenntnisse gesellschaftlich nicht korrekt sind. So zum Beispiel die Tatsache, dass in der hiesigen 60er Zone rund 90 (gezählte!) Prozent der Raser Frauen sind. Und auf dem Grainbichl auch. Und in Westried-Süd (Moosrainer Straße, südlich der Bahnlinie). Und Moosrain.

Und manchmal ist es wirklich ärgerlich, wenn man mit zwei Hunden Gassi geht und die Hände nicht frei hat. So letztens …
Da nähert sich uns von hinten ein Auto, ein silberner Golf. Ich freue mich noch, weil der Wagen offensichtlich die Geschwindigkeitsbegrenzung von (dort) 30 km/h einhält, da erkenne ich, dass die Frau am Steuer in der linken Hand ein Smartphone am Ohr und in der rechten Hand ein Tablet hält. Der Golf wird immer langsamer und tuckert seelenruhig auf eine Konstruktion zu, die am Straßenrand steht: ein Streusalzbehälter auf Metallstelzen, eine Einrichtung für den gesteigerten Streusalzbedarf in den klimaveränderten bayerischen Wintern. Und dann …
Die Konstruktion erwies sich zum Glück als stabil. Der Golf nicht so sehr: Der Aufprall bescherte dem Wagen ziemlich genau mittig eine ordentliche Delle an Kühler und Motorhaube. Die Frau – Smartphone am Ohr, Tablet in der Hand – steigt aus – der Motor lief freilich weiter –, besieht sich den Schaden, schüttelt den Kopf, steigt wieder ein, setzt zurück – jetzt nur noch mit Smartphone am Ohr – und fährt weiter: mit aufheulendem Motor, erkennbar überhöhter Geschwindigkeit und nach wie vor dem Smartphone am Ohr.

Ich hätte zu gerne ein Video davon auf Youtube eingestellt. Aber wie gesagt – mit zwei Hunden an der Hand … Wichtiger wäre mir selbst allerdings die Frage, ob Evolution noch funktioniert und es echte Chancen gibt, dass so viel geballte Dummheit auszusterben bereit ist. Hilfsmittel wie Tablets, Smartphones, Autos und Streusalzbehälter gibt es ja genug.

Wenn dich das Einhorn piekt

Ich war mal Mitglied im FantasyClub e.V., dem Verein, der die juristische Dachgesellschaft für FOLLOW, die Fellowship of the Lords of the Lands of Wonder darstellt. Ich war also einmal FOLLOWer. Und mein Volk war der EinhornClan. Das war eine Lebensphase, die mich überhaupt nicht geprägt hat. Ich hatte nur eine Reihe von T-Shirts mit Einhornlogo und Einhornsprüchen. Ich habe ein Auto gefahren, das mit dem Einhornlogo des FOLLOW-Volkes beklebt war. Und ich habe Einhörner gesammelt, die immer noch an ihrem Platz stehen und – zugegeben – langsam einstauben.

Aber bei aller Liebe: Ich reagiere immer noch auf die Abbilder von Einhörnern. Und mein Umfeld lässt mir wenig Chancen, dem zu entgehen, sei es meine Frau:

oder der neue Edeka-Markt im Murnauer Tengelmann-Center:


Und abgesehen von den krassen Farben sind die beiden Einhornliköre auch noch lecker. So fällt es mir leicht(er), mich mit meiner latenten Mack… äh, Leidenschaft abzufinden.

Mit Dummheit Geld verdienen

Produktdesigner sind die Menschen, die mit ihrer ausgeprägten Dummheit vermutlich das meiste Geld verdienen (sieht man von diversen Präsidenten dieser Welt und dieser Zeit ab).
Ein Beispiel:

Eine Digitalkamera wie die Canon EOS 60 D nimmt SD-Karten im alten Standardformat. SD-Karten mit großem Speicherplatz gibt es heute in der Regel im MicroSD-Format. Dazu bekommt man einen Adapter, der mit einem kleinen Schreibschutzschalter ausgerüstet ist.

Wenn man die Karte aus der Kamera entnimmt, um die Fotos zum Beispiel auf einem Rechner zu sichern, ist alles gut. Setzt man die Karte in den Kartenleser des Rechners ein (grüner Pfeil), wird der Schreibschutz (roter Pfeil) verschoben und aktiviert, denn die SD-Karte muss ordentlich im Leser sitzen, was bedeutet, dass links und rechts der Karte im Slot kein Platz für Partys, Hochzeiten oder monumentale Neubauten ist.
Hat man die Karte dann so im Rechner, dass man die Bilder nicht nur kopieren, sondern verschieben kann (das Verschieben beinhaltet einen Lösch-, also einen Schreibvorgang), wiederholt sich das gleiche Spielchen, wenn man die Karte wieder in die Kamera zurückführt.

Die Logik ist bestechend. Keine dumme Sau benötigt eine SD-Karte in einer Kamera, um darauf Fotos zu speichern – oder gar ein Video. Insofern ist es von allergrößter Bedeutung, dass jegliches versehentliche Speichern von Daten dadurch verhindert wird, dass der Schreibschutz quasi automatisch aktiviert wird, wenn man die Karte einlegt.

Ich für meinen Teil würde gerne den Vollidioten kennenlernen, der das verzapft hat, um ihn zu fragen, ob er sich nicht einen guten Gehirnchirurgen suchen möchte, der ihm ein Gehirn einpflanzen könnte, das nicht so unfähig ist, wie der graue Schwabbel, der in seinem Hirn zu wabbeln scheint. Nachdem alle Hersteller von SD-Karten im Standardformat bzw. von SD-Karten-Adaptern den gleichen Blödsinn verzapfen, vermute ich, dass der Erfinder dieses Unsinns so viel Geld damit verdient hat, dass er sich eine solche Operation problemlos aus der eigenen Tasche leisten kann.

P.S.: Es hilft übrigens nicht, den kleinen Schalter herauszubrechen. Danach meldet der Adapter grundsätzlich einen aktivierten Schreibschutz